WECHTERSWINKEL

Kunst und Kultur hinter Klostermauern - Wieder Leben in Kloster Wechterswinkel eingekehrt

Im 12. und 13. Jahrhundert, zur Blütezeit des Klosters Wechterswinkel, hatte das gleichnamige Dorf im Landkreis Rhön-Grabfeld doppelt so viele Einwohner wie heute. Der Klosterbetrieb wurde schon vor mehr als 400 Jahren eingestellt, jedoch prägt dessen Geschichte den kleinen Ort bis in die Gegenwart.

 

Geschichte und Geschichten: Das Kloster Wechterswinkel ist heute wieder ein Zentrum für Kunst und Kultur in Unterfranken... Foto: Stefan Kritzer

Es holpert kräftig bei der Einfahrt nach Wechterswinkel: historisches Kopfsteinpflaster auf breiten Straßen in der Dorfmitte. Hohe Mauern umgeben einen einst herrschaftlichen Sitz, der noch auf die Erweckung aus dem Dornröschenschlaf wartet. In diesem Bau residierte einst der Propst, der das Stiftungsvermögen des früheren Klosters zu verwalten hatte. Dieses Kloster war in einem mächtigen Geviert aus Bauwerken untergebracht, geprägt von einer Kirche. Zu besten Zeiten des klösterlichen Lebens residierten hier über 100 adlige Nonnen nebst Bediensteten. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Der Klosterbetrieb ist eingestellt, die Kirche wurde verkleinert, die einstigen Wohnräume der Nonnen wurden als Scheune genutzt.

Doch seit knapp zwei Jahren tut sich wieder etwas in dem kleinen Dorf und vor allem in den altehrwürdigen Klostermauern. Denn genau dort, wo einst die Nonnen schliefen und später Getreide und Dünger und vieles mehr über Dekaden hinweg das Bauwerk beschädigten, dort hat sich die Kulturszene der Region angesiedelt. Das Rezept für die Wiederbelebung von Wechterswinkels einstigem Stolz heißt „Kunst und Kultur“ und schlägt den Bogen von der Klostergeschichte bis zum modernen Kulturzentrum.

 

Schlichte Schönheit: die Kirche Sankt Cosmas und Damian.
Um das Jahr 1143 wurde die Frauenniederlassung des Klosters Wechterswinkel gegründet. Bis vor einigen Jahren stand felsenfest, dass es sich hierbei um das älteste Zisterzienserinnenkloster Deutschlands handelte. Neuere Forschungen gehen jedoch davon aus, dass es sich bei den adligen Nonnen lediglich um ein dem Zisterzienserorden nahestehendes Kloster gehandelt haben muss.

Bald schon erlebte das Kloster eine Blütezeit. In mindestens 119 Orten, vor allem im Grabfeld, hatte das Kloster Güter. Es war nicht nur ein wohlhabendes, es war ein reiches Kloster. Bei seiner Auflösung dienten die Einnahmen der Gründung der Universität Würzburg. Noch bis zur Säkularisation im Jahre 1803 residierte ein Domkapitular in der 1793 neu errichteten Propstei zur Verwaltung der Stiftungsgüter. So ein Reichtum nährt natürlich den Neid, der sich im Bauernkrieg durch Zerstörungen auf das Kloster auswirkte.

Zwar wurde im 16. Jahrhundert noch einmal eifrig am Kloster gebaut, seine Auflösung unter Fürstbischof Julius Echter im Jahre 1592 konnte dies jedoch nicht aufhalten. Die letzten Nonnen zogen aus, die Landwirtschaft zog in das Kloster ein. Für Jahrhunderte. Die einst riesige und stolze Kirche, die nach der Auflösung des Klosters den beiden Heiligen Cosmas und Damian geweiht wurde, musste im frühen 19. Jahrhundert um ein Drittel verkürzt werden. Dennoch ist hier bis heute die Pracht des früheren Klosters und vor allem die Baukunst der Zisterzienser zu sehen. Allein der Chor der Nonnen musste einen großen Teil der einstigen Marienkirche geprägt haben. Der Hochaltar, der heute das Innere der Kirche dominiert, stammt aus Maria Bildhausen, einem ebenfalls aufgelösten Kloster.

Seine klösterlichen Wurzeln hat Wechterswinkel jedoch nie verloren. Der ehemalige Konventbau des Klosters prägt bis heute das Dorfbild. Und mit dem Neubau des Kulturzentrums ist das Leben wieder nach Wechterswinkel zurückgekehrt. In der Galerie des Erdgeschosses wird zeitgenössische Kunst ausgestellt. Im Festsaal darüber finden Konzerte, Lesungen, literarische Abende und Theater statt. Im zweiten Obergeschoss präsentiert sich die museale Einrichtung, die die Geschichte des Klosters näher beleuchtet.


 

 

Kloster Wechterswinkel

Die St. Cosmas und Damian-Kirche in Wechterswinkel ist tagsüber geöffnet. Die Ausstellungen im Kloster können nur samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Anfahrt: Von Bad Neustadt aus kommend oder von der Bundesstraße 279 in Richtung Wollbach, Bastheim, Oberelsbach. Nach fünf Kilometern liegt Wechterswinkel auf der linken Seite der Straße. Beliebt: Anreise per Fahrrad auf dem Hochrhön-Radweg.

Kontakt: www.kloster-wechterswinkel.de oder www.rhoengrabfeld.de

Rückblick

  1. Konvent im Kloster Kreuzberg vollzählig
  2. Wie sich der Kreuzberg verändert
  3. Geheimnisvolle Achtecke - Rätsel um die Oktogonkapellen in Tauberfranken
  4. Wo Kaiser und Könige gekrönt wurden - Geschichte des Frankfurter Kaiserdoms
  5. Die Glut ließ die Glocken der Marienkirche von Königsberg läuten
  6. Die goldene Pracht des Barock: Sankt Johannes, eine der ältesten Kirchen des Bistums Würzburg
  7. So könnte es im Himmel klingen: Die Abteikirche in Amorbach besitzt eine der größten Orgeln Europas
  8. Drei Patres in der schönen Au: Seelsorge im umfassenden Sinn im Kloster Schönau
  9. Tragen und Getragensein im Gebet - Noch 3 Schwestern im Franziskanerkloster Volkersberg
  10. Zisterzienserinnen-Klosters Mariaburghausen - Eine zeitlose gotische Schönheit
  11. Fast eine Kathedrale: Die Ritterkapelle in Haßfurt
  12. Kloster Triefenstein: Ein idyllischer Ort zum Auftanken
  13. Die Ruhe im Grünen ist das Ziel: Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" als Ort der Stille
  14. Die Madonna im Astloch: Entstehungslegende der Klosterkirche Mariabuchen
  15. Kunstvolles Turmwerk aus lebendigen Steinen: Michaelskirche in Fulda
  16. Das Kloster Engelberg entstand an einer heidnischen Kultstätte
  17. Der Himmel auf Erden liegt in Kissingen
  18. Zeitlose Eleganz und Moderne: St. Michaelskirche in Hammelburg
  19. Die Madonna aus Lourdes lässt grüßen - Wallfahrtsort Zeiler Käppele
  20. Das Kunstmuseum Dettelbach steckt voller Pilgergeschichten
  21. Franziskanerkloster am Kreuzberg: Von der Glut des Glaubens und dem Sud des Bieres
  22. Altes Augustinerkloster Münnerstadt mit modernem Innenleben
  23. Große Kirchenkunst im Dörfchen : Die Sankt Ägidiuskirche in Kleinbardorf
  24. Neuanfang fast aus dem Nichts: Geschichte des Klosters Heidenfeld
  25. Warum Hildegard-Plätzchen glücklich machen - Forschungsgruppe Klostermedizin
  26. 254 Stufen zum Himmel - Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken
  27. Heilige Maße und Proportionen: Kloster St. Ludwig im Beuroner Kunststil
  28. Klosteranlage Schöntal - Humor in barockem Ambiente
  29. Kunst und Kultur hinter Klostermauern - Wieder Leben in Kloster Wechterswinkel eingekehrt
  30. Das Pantheon in Rom könnte als Vorbild für die Sankt-Andreas-Kirche in Wonfurt gedient haben
  31. Ein Barockjuwel hoch über dem Dorf - Die Barockkirche Sankt Cyriakus in Schwemmelsbach
  32. Mutmaßungen über den Knoten aus Stein - Rätselhafte Vergangenheit der Kunigundenkapelle bei Buch
  33. Kloster Bronnbach: Ein Ort der Entschleunigung
  34. Neumünster in Würzburg - Heimstatt der Heiligen
  35. Als ein Bauer im Acker eine Hostie fand - Entstehunggeschichte der Herrgottskirche in Creglingen
  36. Rundkirche Holzkirchen: Die heitere Schönheit im Aalbachtal
  37. Akribische Spurensuche nach dem ersten Abt des Klosters Neustadt am Main
  38. Fährbrück im Tal sieht man von überall
  39. Die schöne Madonna mit ihrem Kinde - In Effeldorf befindet sich die einzige Loreto-Kapelle in Nordbayern
  40. Klosterkirche Frauenroth: Ein Kleinod im Verborgenen
  41. Dem romanischen Stilempfinden abgelauscht: Die Heilig-Geist-Kirche in Schweinfurt
  42. Beten und Meditieren im Karmelitenkloster neben der Kneipenmeile
  43. Kartäuserklosters Astheim: Wo Raum und Zeit ineinander fließen
  44. Die Abtei Münsterschwarzach ist ein Monument des Glaubens
  45. Die Kultur-Kirche in Waldbüttelbrunn als Mittelpunkt des Gemeindelebens
  46. Johanniskapelle in Gerolzhofen: Die wachgeküsste Schönheit
  47. Kirchenburg in Mönchsondheim: Wo die gute alte Zeit lockt
  48. Bin dann mal auf dem Marienweg
  49. Eine Prügelei und ihre Folgen - Entstehung der Wallfahrtskirche Maria im Sand
  50. Nach den Regeln des Heiligen Benedikt: Leben im Kloster Schwanberg

Schlagworte

  • Klöster
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0