RÖDELSEE

Nach den Regeln des Heiligen Benedikt: Leben im Kloster Schwanberg

Neben der Benediktinerabtei Münsterschwarzach ist der Schwanberg das zweite große geistliche Zentrum im Landkreis Kitzingen. Auf dem 473 Meter hohen „heiligen Berg“ lebt mit der Communität Casteller Ring (CCR) ein evangelischer Frauenorden im Geist der Regeln des Heiligen Benedikt.

 

Das Ordensleben ist klar strukturiert: Viermal am Tag treffen sich die Schwestern der Communität zum Stundengebet. Foto: Raimund Lesk
Die Communität ist eine von etwa 40 evangelischen Ordensgemeinschaften in Deutschland. Die strikte Einhaltung der sonst nur in katholischen Orden praktizierten benediktinischen Regeln – Ora et labora, bete und arbeite dürfte die bekannteste sein– macht die CCR einmalig, sagt Priorin Schwester Friederike Popp. Und die Communität ist ein Vorreiter in Sachen Ökumene. So ist die evangelische Priorin mit Wort und Stimme dabei, wenn sich die Vertreter der katholischen Benediktinerorden versammeln.

 

Geistlicher Mittelpunkt: 1987 wurde die von dem Architekten Alexander Freiherr von Branca gestaltete Kirche eingeweiht. Foto: Noltenius
39 Schwestern leben derzeit in der Gemeinschaft, 34 im Ordenshaus auf dem Schwanberg. Der ist seit 1957 das Zentrum der 1950 in Castell aus der Pfadfinderbewegung entstandenen Communität. Vier Schwestern leben und arbeiten in Erfurt und sind mitten in der Stadt da für die Menschen.

Das sind die Schwestern auf dem Schwanberg auch. Sie arbeiten in vielen Bereichen des geistlichen Zentrums, dessen Herz die Communität ist. Das Zentrum macht Menschen aller Altersgruppen Angebote und lädt zu geistlichen und kreativen Kursen. Das Schloss Schwanberg, das Einkehrhaus St. Michael, der Jugendhof Schwanberg oder das Haus Respiratio stehen dazu zur Verfügung.

Die Arbeit der Schwestern hat sich im Lauf der Jahre wegentwickelt von der rein praktischen Tätigkeit früher im Internat und in der Hauswirtschaft hin zur Begleitung und Seelsorge. Der einzige evangelische Friedwald in Deutschland hat mit dazu beigetragen. Seit dem Mai 2007 begleiten die Schwestern die Verstorbenen und deren Familien auf dem letzten Weg in den Wald. „Wenn sie es denn wollen und es wollen immer mehr“, sagt die Priorin: „Trauerbegleitung wird immer wichtiger“ und von vielen Menschen gewünscht.

In dem für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Ordensgebäude schützt die Klausur die Gemeinschaft. Frei gewählte Ehelosigkeit, Gütergemeinschaft und mündiger Gehorsam sind laut Priorin die Form, in der die Frauen gemeinschaftlich leben. Es sind Frauen im Alter zwischen Mitte 30 und 89 Jahren. Sie stammen nicht nur aus Franken, sondern aus Norddeutschland, Berlin und der Schweiz. „Wir begleiten einander im Hineinwachsen in unsere Gemeinschaft, in Krankheit, Alter und Sterben“, so die Priorin.

Die Gründe, warum die Frauen auf den Schwanberg finden, sind unterschiedlich. Der Weg in die Gemeinschaft ist immer der gleiche. Wie Schwester Frederike sagt, gehen die jungen Frauen mit den Schwestern den Weg der Gottsuche und überprüfen immer wieder ihre Berufung zum gemeinsamen Leben. Das geschieht in den Stufen Postulat, wo sie noch ohne Ordensgewand im Kloster leben. Es folgt das zweijährige Noviziat und die Profess. Nach fünf Jahren bindet sich die Profess-Schwester auf Lebenszeit an die Communität. Nachwuchsprobleme? Fehlanzeige. Die Zahl der Schwestern bewegt sich seit Jahren zwischen 35 und 40.

Der architektonische und geistliche Mittelpunkt des Schwanbergs ist die St. Michaelskirche. Sie ist das Zentrum des Ordenslebens. Viermal täglich wird das Stundengebet gebetet, und immer sind auch alle Gäste dazu eingeladen. Der Schwanberg und seine Einrichtungen sind das ganze Jahr über so gut wie ausgebucht. Den Ansprüchen der Tagungsgäste will man mit dem Einbau von Nasszellen gerecht werden. Und ein Trend verstärkt sich: Immer mehr Menschen suchen eine Auszeit von Hektik, Stress und Orientierungslosigkeit, sagt die Priorin.

 

 

Der Schwanberg

Etwa 60 Menschen leben und arbeiten auf dem Schwanberg. Zu den 39 Schwestern der CCR kommen die Mitarbeiter des Geistlichen Zentrums. Sie betreuen die rund 13 000 Gäste, die Jahr für Jahr auf den Schwanberg kommen und im Schloss (80 Betten), im Jugendhaus (76) oder im Gästehaus St. Michael (24) unterkommen. Gebetszeiten: 6.30 Uhr Laudes, 12 Uhr Mittagshore, 18 Uhr Abendgebet, 20 Uhr Nachtgebet. Gottesdienste mit Abendmahl finden statt: Sonntag 9 Uhr, Dienstag 20 Uhr und Freitag, 6.30 Uhr. Weitere Informationen: Tel. (0 93 23) 32 0 oder im Internet: www.schwanberg.de

Rückblick

  1. Konvent im Kloster Kreuzberg vollzählig
  2. Wie sich der Kreuzberg verändert
  3. Geheimnisvolle Achtecke - Rätsel um die Oktogonkapellen in Tauberfranken
  4. Wo Kaiser und Könige gekrönt wurden - Geschichte des Frankfurter Kaiserdoms
  5. Die Glut ließ die Glocken der Marienkirche von Königsberg läuten
  6. Die goldene Pracht des Barock: Sankt Johannes, eine der ältesten Kirchen des Bistums Würzburg
  7. So könnte es im Himmel klingen: Die Abteikirche in Amorbach besitzt eine der größten Orgeln Europas
  8. Drei Patres in der schönen Au: Seelsorge im umfassenden Sinn im Kloster Schönau
  9. Tragen und Getragensein im Gebet - Noch 3 Schwestern im Franziskanerkloster Volkersberg
  10. Zisterzienserinnen-Klosters Mariaburghausen - Eine zeitlose gotische Schönheit
  11. Fast eine Kathedrale: Die Ritterkapelle in Haßfurt
  12. Kloster Triefenstein: Ein idyllischer Ort zum Auftanken
  13. Die Ruhe im Grünen ist das Ziel: Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" als Ort der Stille
  14. Die Madonna im Astloch: Entstehungslegende der Klosterkirche Mariabuchen
  15. Kunstvolles Turmwerk aus lebendigen Steinen: Michaelskirche in Fulda
  16. Das Kloster Engelberg entstand an einer heidnischen Kultstätte
  17. Der Himmel auf Erden liegt in Kissingen
  18. Zeitlose Eleganz und Moderne: St. Michaelskirche in Hammelburg
  19. Die Madonna aus Lourdes lässt grüßen - Wallfahrtsort Zeiler Käppele
  20. Das Kunstmuseum Dettelbach steckt voller Pilgergeschichten
  21. Franziskanerkloster am Kreuzberg: Von der Glut des Glaubens und dem Sud des Bieres
  22. Altes Augustinerkloster Münnerstadt mit modernem Innenleben
  23. Große Kirchenkunst im Dörfchen : Die Sankt Ägidiuskirche in Kleinbardorf
  24. Neuanfang fast aus dem Nichts: Geschichte des Klosters Heidenfeld
  25. Warum Hildegard-Plätzchen glücklich machen - Forschungsgruppe Klostermedizin
  26. 254 Stufen zum Himmel - Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken
  27. Heilige Maße und Proportionen: Kloster St. Ludwig im Beuroner Kunststil
  28. Klosteranlage Schöntal - Humor in barockem Ambiente
  29. Kunst und Kultur hinter Klostermauern - Wieder Leben in Kloster Wechterswinkel eingekehrt
  30. Das Pantheon in Rom könnte als Vorbild für die Sankt-Andreas-Kirche in Wonfurt gedient haben
  31. Ein Barockjuwel hoch über dem Dorf - Die Barockkirche Sankt Cyriakus in Schwemmelsbach
  32. Mutmaßungen über den Knoten aus Stein - Rätselhafte Vergangenheit der Kunigundenkapelle bei Buch
  33. Kloster Bronnbach: Ein Ort der Entschleunigung
  34. Neumünster in Würzburg - Heimstatt der Heiligen
  35. Als ein Bauer im Acker eine Hostie fand - Entstehunggeschichte der Herrgottskirche in Creglingen
  36. Rundkirche Holzkirchen: Die heitere Schönheit im Aalbachtal
  37. Akribische Spurensuche nach dem ersten Abt des Klosters Neustadt am Main
  38. Fährbrück im Tal sieht man von überall
  39. Die schöne Madonna mit ihrem Kinde - In Effeldorf befindet sich die einzige Loreto-Kapelle in Nordbayern
  40. Klosterkirche Frauenroth: Ein Kleinod im Verborgenen
  41. Dem romanischen Stilempfinden abgelauscht: Die Heilig-Geist-Kirche in Schweinfurt
  42. Beten und Meditieren im Karmelitenkloster neben der Kneipenmeile
  43. Kartäuserklosters Astheim: Wo Raum und Zeit ineinander fließen
  44. Die Abtei Münsterschwarzach ist ein Monument des Glaubens
  45. Die Kultur-Kirche in Waldbüttelbrunn als Mittelpunkt des Gemeindelebens
  46. Johanniskapelle in Gerolzhofen: Die wachgeküsste Schönheit
  47. Kirchenburg in Mönchsondheim: Wo die gute alte Zeit lockt
  48. Bin dann mal auf dem Marienweg
  49. Eine Prügelei und ihre Folgen - Entstehung der Wallfahrtskirche Maria im Sand
  50. Nach den Regeln des Heiligen Benedikt: Leben im Kloster Schwanberg

Schlagworte

  • Klöster
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0