HOLZKIRCHEN

Rundkirche Holzkirchen: Die heitere Schönheit im Aalbachtal

Eine kühle Schönheit soll die Rundkirche von Balthasar Neumann in Holzkirchen einmal gewesen sein. Das war vor der letzten Renovierung des Innenraums und ist lange her. In den 70er Jahren hatten die Denkmalpfleger nämlich darauf bestanden, im Innenraum weißen Stuck elegant auf grauem Grund erstrahlen zu lassen.

 

Die Kuppel zieren Reliefs: zwischen üppigen Girlanden die acht Tugenden. Foto: Fotos (4): Thomas Obermeier

Als das Weiß dunkelgrau und an vielen Stellen abgeplatzt war, Ende der 90er Jahre, hatte eine andere Generation Denkmalpfleger nach alten Farbspuren gesucht und diese auch gefunden, berichtet Pfarrgemeinderat Karl Zentgraf. Nun ist die Rundkirche im Aalbachtal eine heitere Schönheit in Weiß und lichtem Grau mit Stuck in Gelb-, Rot-, Türkis- und Blautönen. Die Kuppel zieren reiche Reliefs: Zwischen üppigen Girlanden, Bandwerk und Engelsköpfchen symbolisieren Figuren die acht Tugenden Starkmut, Liebe, Gerechtigkeit, Klugheit, Hoffnung, Glaube, Frömmigkeit und Mäßigkeit.

 

Prälatenbau und Rundkirche: die ehemalige Benediktinerpropsteikirche.
Innen und außen renoviert wurde das Gotteshaus im Lauf der Jahrhunderte oft. 1730 war das Frühwerk von Balthasar Neumann vollendet worden, als einzige Rundkirche des Würzburger Residenzbaumeisters. Kunsthistoriker bewundern die klassischen Formen des achteckigen Gebäudes.

Die Kirche war einmal Zentrum eines Klosters, das vor gut 1000 Jahren der Gaugraf Troandus gegründet haben soll. „So berichtet es eine Sage, die ich noch aus dem Heimatkundeunterricht kenne“, sagt Zentgraf. Er erzählt: Bei einer Jagd im Waldsassengau, der sich im Frühmittelalter etwa über den heutigen Landkreis Main-Spessart und bis Heidingsfeld erstreckte, tötete ein Einhorn den einzigen Sohn des Gaugrafen an dieser Stelle am Aalbach. Troandus ließ dort das Kloster Holzkirchen bauen. 775 wird Holtzchiricha erstmals erwähnt, als es der Graf an Karl den Großen gab, der es dem Fuldaer Kloster schenkte. Ein rotes Sandsteinbruchstück in der Wand neben dem Beichtstuhl der Rundkirche zeigt alte Reliefs eines Reiters und eines Bärtigen mit Einhorn. „Ob das aber auf die Sage hinweist . . .“ Zentgraf ist unsicher. Manche sehen im Bärtigen Gottvater und im Einhorn ein Symbol für den Sohn.

 

Klostergebäude vor der Kuppel.
In der Stiftungsurkunde ist die Gottesmutter als eine Patronin des Klosters aufgeführt. Die Klosterkirche gehört demnach zu den ältesten Marienkirchen des Bistums Würzburg. Seine Glanzzeit hatte das damalige Benediktinerkloster zu Beginn des 12. Jahrhundert. Bis es 1802 bei der Säkularisation aufgelöst wurde, erlebte es Kriege, Brände, Überfälle, neues Leben.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten bestimmt zehn Flüchtlingsfamilien im Kloster“, sagt Zentgraf. Später diente ein Teil des Baukomplexes als Restaurant und Hotel. Seit 2002 ist es als „Benediktushof“ ein blühendes Zentrum für spirituelle Bildung, in dem der Mönch und Zen-Meister Willigis Jäger seine Anhänger um sich schart.

 

Der Holzkirchener Reiter
Die Rundkirche ist beliebt bei Hochzeitspaaren und Eltern von Täuflingen. Bis zu 90 Menschen haben in den Bänken Platz, überschlägt Zentgraf. Die Holzkirchener haben zwar noch die eigentliche Pfarrkirche auf dem Berg. Aber sie kommen gerne in die Klosterkirche. Alle 14 Tage ist dort samstags Vorabendgottesdienst. Und den Winter über ist jede Gemeindemesse in der Kirche im Tal. Nur die hat nämlich eine Heizung. „Und Sie wissen ja, es kommen meist nur noch die älteren Leute in die Kirche, die steigen nicht so gerne die Treppen hoch zur Michaels-Kirche“, sagt Zentgraf.

Geöffnet ist die Kirche den ganzen Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit. Viele Radfahrer rasten dort für einen stillen Moment, und auch die Gäste des Meditationszentrums Benediktushof besuchen sie gerne. Und so mancher lässt sich vielleicht von der Heiterkeit der Schönheit am Aalbach inspirieren.

 




Holzkirchen

Die Rundkirche, nach Plänen des Würzburger Residenz-Baumeisters Balthasar Neumann, wurde 1730 fertiggestellt. Sie ist „Maria – Königin der Engel“ geweiht. Pfarrer Berthold Grönert ist zu erreichen in Helmstadt, Tel. (0 93 69) 23 62. Weitere Informationen zum ehemaligen Kloster, seit 2003 spirituelles Meditationszentrum Benediktushof. Informationen im Internet: www.benediktushof-holzkirchen.de

  
 

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