Haßfurt

Zisterzienserinnen-Klosters Mariaburghausen - Eine zeitlose gotische Schönheit

Zweimal muss man den riesigen Eisenschlüssel im Schloss der mächtigen Eichentür drehen, ehe sich das westliche Portal der ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosterkirche Mariaburghausen (Lkr. Haßberge) öffnen lässt. Dann die Überraschung:

 

Inmitten fruchtbarer Felder: Das Gut Mariaburghausen umgibt die ehemalige Klosterkirche, auf der anderen Mainseite liegt... Foto: A. Wohlfahrt

Man betritt nicht die Kirche, sondern kommt erst in eine vorgelagerte Halle.

Durch die schlanken Fensteröffnungen der Südseite fällt das Licht seitlich auf den roten, über die Jahrhunderte glatt gewetzten Backsteinboden. Die sechs Säulenpaare, die das filigrane Kreuzrippengewölbe tragen, sorgen in dem dreischiffigen Saal für ein beeindruckendes Wechselspiel von Licht und Schatten. Man steht in kühler Stille, wird umfangen von der Symmetrie und Harmonie in einem der beeindruckendsten gotischen Räume Mainfrankens.

Die Halle ist die Gruftkirche für die Äbtissinnen des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters gewesen, das von dem Frauenorden anno 1243 in den Mainauen errichtet wurde. Schon 1287 brach ein verheerendes Feuer aus und legte einen Großteil der Gebäude, vermutlich auch die alte Klosterkirche, in Schutt und Asche. Umgehend machten sich die Zisterzienserinnen an den Wiederaufbau. Stilistisch gesehen dürfte die Klosterkirche um 1300 begonnen worden sein.

Man betritt die Kirche durch ein weiteres Portal, nachdem man die Gruftkirche in Richtung Osten in ihrer ganzen Länge durchschritten hat. Der Kirchenraum wird beherrscht von einem mächtigen barocken Hochaltar mit den überlebensgroßen Figuren von Johannes Baptist und Johannes Evangelist.

Absolut sehenswert sind eine bezaubernde spätgotische Madonna mit Kind aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und ein überraschend gut erhaltener Grabstein für Ritter Heinrich von Seinsheim aus dem Jahr 1345. Wendet man sich um und blickt zurück, so erkennt man eine architektonische Besonderheit, die in anderen Zisterzienserinnen-Klöstern in Franken, Thüringen und der Oberpfalz ebenfalls anzutreffen ist: Über der Gruftkirche, gleichsam im ersten Stock, befand sich der Nonnenchor.

Oben im Nonnenchor konnten die in strikter Klausur lebenden Klosterfrauen den Gottesdienst unten in der Laienkirche mitfeiern, ohne gesehen zu werden. Zum Spenden der Sakramente stieg der Priester die Empore hoch, während die Nonnen aus ihrem abgetrennten Raum kurz heraustraten oder, wie aus anderen Zisterzienserinnen-Klöstern überliefert, lediglich durch kleine Klappfenster die Beichte ablegten.

Während mit den Mitteln der Architektur die völlige Abgeschiedenheit der Klosterfrauen unterstützt werden sollte, sah die Klausur in der Praxis gegen Ende des Mittelalters freilich anders aus. Die Nonnen zeigten sich den Verlockungen eines weltlichen Lebens nicht abgeneigt und sollen regelmäßig in ihren Hallen sogar Männerbesuch empfangen haben. Bauernkrieg und Reformation trugen zum weiteren Niedergang bei. Mit dem Tod der letzten Nonne, die zugleich Äbtissin war, endet 1582 die Geschichte der Zisterzienserinnen in Mariaburghausen.

Auf Veranlassung von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn mit Genehmigung des Papstes wurde das Kloster noch im gleichen Jahr säkularisiert. Der Besitz wurde der jungen Universität Würzburg zugeschlagen – und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben.

Mariaburghausen

Direkt an der Straße von Haßfurt nach Knetzgau liegt die ehemalige Zisterzienserinnenkirche im Gut Mariaburghausen. Die um die Klosterkirche liegenden, ehemaligen klösterlichen Wirtschaftsgebäude des Gutes sind von der Universität Würzburg an private Hand verpachtet, werden als Bauernhof genutzt und können nicht besichtigt werden. Die Kirche und die Gruftkirche sind abgeschlossen. Interessierte können sich aber beim Katholischen Pfarramt in Haßfurt, Pfarrgasse 8, die Schlüssel gegen Hinterlegung des Personalausweises ausleihen. Kontakt: Tel. (0 95 21) 14 84.

Pure Gotik: Am Ende der Grufthalle öffnet sich das Portal zur Kirche.

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