WALDBÜTTELBRUNN

Bogenschießen: Auf den Spuren von Robin Hood

Arrows in the target
Das Ziel ist die Mitte: Pfeile durchlöchern eine Scheibe. Foto: Thinkstock

Im Film, da sieht alles ganz einfach aus. Robin Hood, der legendäre 'König der Diebe', spannt locker seinen Bogen, zielt und trifft. Immer. In der Realität, als Anfänger, ist man davon beim Bogenschießen jedoch oft weit entfernt.

Der Bogen, das ist „keine Waffe, sondern ein Sportgerät“, erklärt Monika Schumann vom Schieß-Sport-Verein (SSV) 63 Waldbüttelbrunn (Lkr. Würzburg). Und Treffer auf die Zielscheibe sind zu Beginn erst einmal Glückssache. Ade, verzerrte Filmwelt. In Waldbüttelbrunn beginnt das Training mit der Suche des passenden Bogens. Die Mitglieder des SSV 63 schießen hauptsächlich mit Recurvebögen, die auch Olympiabögen genannt werden, und am weitesten verbreitet sind.

Neulinge allerdings müssen das für sie richtige Sportgerät erst finden. Leicht ist das nicht immer. Die Größe des Bogens richtet sich beispielsweise nach der Körpergröße und der Kraft, wichtig ist auch, ob man Links- oder Rechtshänder ist. Und dann kommet es noch auf die Stärke des Auges an: „Es gibt ein führendes Auge. Es ist nicht immer so, dass ein Rechtshänder auch einen rechten Bogen braucht“, so Axel Schumann, zweiter Vorsitzender des SSV 63 Waldbüttelbrunn. Anfänger, so die Regel, schießen meist mit einem Bogen, bei dem man rund neun Kilo ziehen muss, um die Sehne zu spannen. Olympiaschützen hingegen ziehen im Schnitt 24 Kilo.

Die Bewegung kommt aus dem Rücken, nicht aus dem Bizeps.

Ist der passende Bogen endlich gefunden, beginnen die Trockenübungen. Denn: Das wichtigste beim Bogenschießen ist die Technik. Mit dem Terra-Band zeigt Monika Schumann die Bewegung: „Wir benutzen dabei gerne dieses Band, weil es die Spannung der Sehne nachstellt.“ Klingt gut, ist praktisch aber gar nicht so einfach.

Mit den Beinen muss man sich im neunzig-Grad-Winkel zur Zielscheibe hinstellen. Bei Rechtshändern wird dann der linke Arm in Richtung Ziel gestreckt, mit dem anderen greift man das Terra-Band und zieht es unters Kinn, als würde man den Bogen aufziehen. „Diese Bewegung geht aus dem Rücken, nicht aus dem Bizeps“, sagt Axel Schumann. Der Grund: Damit kann man deutlich mehr Kraft aufbringen. Getan ist es damit aber noch nicht. „Die Schulterblätter beim Bogenschießen sind so gespannt, man könnte einen Tennisball dazwischen stecken und er würde halten“, lacht Axel Schumann. Bei Profis vielleicht, bei Anfänger würde der Ball sicher auf den Boden segeln.

Trotz aller Schwierigkeiten geht es nach einigen Trockenübungen ab aufs Feld. An erster Stelle steht hier immer die Sicherheit. Armschutz, Brustschutz und ein Handschuh schützen vor dem Zurückschnellen der Sehne. Alternativ zum Handschuh ist an manchen Bögen eine Gummierung befestigt, die die Finger schützt. Ist der Sport also gefährlich?

Grundsätzlich gilt: Obwohl das Sportgerät offiziell keine Waffe ist, kann der Pfeil auf jeden Fall Schaden anrichten. Oberste Regel ist deshalb, dass nur geschossen wird, wenn sich niemand mehr auf dem Feld befindet. Und um die Pfeile nach dem Schuss holen zu gehen wird wartet, bis alle fertig sind. Daran halten sich alle, Neulinge wie langjährige Mitglieder.

Das kleinste Zittern wird bestraft.

Gut geschützt und mit allen Regeln vertraut, ist es dann soweit. Der erste Pfeil darf aus dem Köcher gezogen und in den Bogen gespannt werden. Noch ein bisschen unsicher suchen Anfänger die richtige Standposition und ziehen die Sehne auf. „Die Sehne muss direkt über Kinn und Nase laufen, und die Hand unter dem Kinn aufliegen. Wichtig ist auch, dass man die ganze Zeit geradesteht. Die kleinste Bewegung, die man macht, macht auch der Pfeil und das ist schlecht“, erklärt Monika Schumann.

Ruhe also ist gefragt. Erstes Ziel ist es, die zehn Meter entfernte, leere Scheibe zu treffen. Durch ein kleines Visier an den Recurvebögen kann man die Scheibe anvisieren. So klappt der erste Schuss nicht schlecht, der Pfeil trifft die Scheibe.

Dass Bogenschießen wirklich Sport ist, zeigt sich nach einigen Schüssen. Es wird anstrengend. Der Arm, der den Bogen hält, ermüdet, zittert leicht. Man schwitzt. Ja, und auch die Rückenmuskulatur macht sich bemerkbar, sie ziept und zwickt. Übung macht es besser, sagen die Profis.

Der SSV 63 zählt derzeit rund 120 Mitglieder, davon 25 aktive Bogensportler, die sich mehrmals pro Woche zum gemeinsamen Schießen treffen. Dabei stehen Jung und Alt gemeinsam auf dem Platz. Bogenschießen, sagt Schumann, ist ein familientauglicher Sport. Er stärke den Zusammenhalt.

Das gilt auch für den Verein. Die Gemeinschaft ist wichtig, egal in welcher Liga oder mit welchem Bogen man schießt. Einige Vereinsmitglieder etwa nutzen auch Blankbögen. Sie bestehen nur aus einem Bogen und der eingespannten Sehne. Gezielt wird mit ihnen sehr schnell. „Wenn ich anfange nachzudenken, wohin ich ziele, wird es meistens nichts mehr. Das ist ein sehr schneller und geübter Prozess“, so einer der aktiven Blankbogenschützen des SSV 63. Welchen Bogen er bevorzugt, entscheidet jeder der Schützen selbst.

Am Anfang geht es erst einmal um die Grundtechnik.

Hersteller nutzen das Interesse an der Sportart und bringen regelmäßig Neuerungen heraus. Beispielsweise zieren fast jedes Sportgerät Gewichte an den Seiten des Bogens, die das Gleichgewicht halten sollen. „Wieviel man davon braucht ist vollkommen individuell. Jeder Sportler bewegt sich anders, steht anders und braucht auch eine andere Gewichtverteilung“, erklärt Monika Schumann.

Das alles wird jedoch erst interessant, wenn man die Grundtechnik gut beherrscht. Sauber stehen. Die Muskeln richtig anspannen, so dass sie nicht im falschen Moment zucken. Genau zielen. Und treffen. Damit das wenigstens entfernt an Robin Hood erinnert, muss man sich als Anfänger schon ganz schön anstrengen.

Bogenschießen

Die verbreitetste Form des Bogensportes ist heute das Schießen mit Recurvebögen (samt Zielvorrichtung und Stabilisatoren) auf standardisierte Zielscheiben mit Ringwertung. Zur Ausrüstung gehören neben dem Bogen und den Pfeilen meist ein Köcher, ein Armschutz, ein Fingerschutz oder Handschuh und ein Brustschutz. Die Zahl der Pfeile und die Entfernung zur Zielscheibe variieren je nach Wettbewerb. Seit 1972 ist Bogenschießen wieder olympische Disziplin. Die Bogensportabteilung des SSV 63 Waldbüttelbrunn wurde 2002 ins Leben gerufen. Die Schützen nehmen regelmäßig an Wettkämpfen teil, von den Gaumeisterschaften bis hin zur Deutschen Meisterschaft. Trainiert wird im Sommer auf dem Gemeindesportplatz, im Winter in der Schulturnhalle. Ansprechpartner ist Axel Schumann, Tel. (0931) 4 83 13. Weitere Vereine, die Bogenschießen anbieten, gibt es unter www.bogenschiessen.de in der Rubrik Service. sbe/sp
Präzision ist wichtig: Beim SSV 63 Waldbüttelbrunn (Lkr. Würzburg) lernen Anfänger, das Ziel richtig anzuvisieren. Foto: HMB Media/Volker Danzer

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