HETTSTADT

Der Puppenspieler und der der Trost mit der Wurst

Liebt Sardellen, kocht für uns aber Eintopf wie von Mama: Thomas Glasmeyer hier mit der Suppenkelle seiner Mutter.Joachim Fildhaut Foto: Foto:

Den Puppenspieler Thomas Glasmeyer erkennt man leicht daran, dass er sichtbar und in ganzer Person mit seinen Puppen auf die Bühne steigt, als Beweger, Erzähler, Geräuschemacher und Schauspieler. Geboren in Bochum, lebt Glasmeyer heute in Hettstadt und schwärmt von dort mit seinen selbst entworfenen, charakteristischen Figuren aus. Für Erwachsene adaptierte er einige gigantische Stoffe, zum Beispiel Goethes „Faust“ inklusive dem fast unspielbaren zweiten Teil. Und auch Wagners „Ring“ passt bei dem leidenschaftlichen Chorsänger in einen Abend.

Auf die Frage nach dem Leibgericht kommt in Glasmeyer-typischem Understatement die Antwort: „Ich bin ein einfacher Puppenspieler – da gibt es nichts Exotisches.“ Dann merkt er an, dass er als Liebhaber von Sardellen eigentlich Spaghetti alla Puttanesca vorschlagen müsste. Aber er besinnt sich doch auf seine Wurzeln: Früher sei ihm der westfälische Linseneintopf seiner Mama „ein Trostmittel in allen Situationen“ gewesen. Mit dem Rezept habe er dann „in studentischen Kreisen die ersten wirklichen großen Erfolge gelandet“. Dabei hatte er jedes Mal gehofft, sich am Sonntag nach der Party noch von seinem Linsengericht ernähren zu können: „Aber dann stand ich da“ – die Töpfe waren schon leer.

Die größte Herausforderung ist es außerhalb von Westfalen, die richtige Wurst zu bekommen. Ins Original gehören sogenannte Mettendchen, die allenfalls leicht geräuchert und ebenso dezent luftgetrocknet sind. Sein Metzger in Hettstadt mach diesbezüglich sehr geeignete Polnische, sagt Glasmeyer. Und auch der Schweinekamm befriedigt den anspruchsvollen Hausmannsköstler.

Das wird gebraucht:

250 g Linsen

mindestens ein Bund Suppengrün

4 Bockwürste

4 Mettendchen oder Polnische

500 g Schweinebauch

1 große Zwiebel

2 l Gemüsebrühe

Salz, Pfeffer

400 g festkochende Kartoffeln

So wird's gemacht:

Die Linsen müssen in der Regel heute nicht mehr eingeweicht werden. „Wenn man sie über Nacht in Wasser einlegt, sind sie fast gleich nach dem Erhitzen weich“, hat der Puppenspieler beobachtet. Also kommen die getrockneten Hülsenfrüchte zusammen mit „reichlich fein geschnittenem Suppengrün“, das heißt Möhren, Lauch und Sellerie sowie der großen Zwiebel in die Gemüsebrühe, ebenso der Schweinebauch (ganz) und die Mettwürstchen. Aufkochen und bei geringer Hitze simmern lassen.

Die gesamte Garzeit beträgt eine Stunde, nach einer halben Stunde etwa kann man mit Salz und Pfeffer nachwürzen – je nachdem, wie viel Würze das Schweinefleisch und die Mettendchen abgegeben haben und wie kräftig die Gemüsebrühe angesetzt war. 20 Minuten vor Ende der Garzeit kommen die fein geschnittenen Kartoffeln dazu. Die Bockwürste erwärmt der Westfale erst kurz vor Schluss, damit sie nicht platzen.

Die Fleischeinlage erinnert an den in dieser Rubrik schon gekochten westfälischen Grünkohl des Würzburgs Stadtgrafikers Markus Westendorf. Die alten Heimaten dieser beiden Zuzügler liegen denn auch nicht weit voneinander entfernt.

Liebt Sardellen, kocht für uns aber Eintopf wie von Mama: Thomas Glasmeyer hier mit der Suppenkelle seiner Mutter. Foto: joachim fildhaut

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