WÜRZBURG

Rudern: Mit allen in einem Boot

Rudern, Olympos Würzburg
Würzburg, Olympos Würzburg, 22.05.2017, Rudern, Olympos Würzburg Foto: Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)

Eine Sportart, bei der man sich in Deutschland eigentlich immer darauf verlassen kann, dass sie den meist unbefriedigenden Medaillenspiegel bei Olympia ordentlich bereichert, ist das Rudern. 2016 in Rio de Janeiro holten die deutschen Ruderer zwei Mal Gold. Auch am Main sieht man Ruderer oft synchron und scheinbar mit Leichtigkeit entlangfahren.

Das Zuschauen macht Lust! Doch wie lange muss man trainieren, um halbwegs auf dem Wasser voranzukommen? Beim „Rowing in one hour“ – also dem Rudern lernen in einer Stunde – der Rudergemeinschaft Olympos Würzburg (ROW) können Interessierte in die Sportart hineinschnuppern. Bernd Fleischmann, Vorsitzender der ROW-Verwaltung, und sein Vereinskollege Tobias Müller erzählen, warum der Sport für jedermann geeignet ist.

Was muss ich mitbringen zum Rudern?

Sportkleidung und relativ schmale Schuhe, um in die Fußhalterungen im Boot zu passen – mehr braucht es an Ausrüstung nicht. Beim Alter gibt es keine Einschränkung: Rudern kann jeder lernen, der sich fit genug fühlt. Auch Kinder können mit speziellen, kleineren Rudern leicht mithalten. „Wir betreuen viele Kinder. Im Moment auch sehr viele Flüchtlingskinder, meistens ab neun oder zehn Jahren, damit auch sie ein gutes Freizeitangebot haben.

Dabei kooperieren wir mit den jeweiligen Unterkünften“, sagt Fleischmann. Und: „Die Kinder lernen sehr schnell, obwohl sie die Sprache oft noch nicht verstehen.“ Auffällig sei, dass vor allem viele Mädchen, die in ihrem Herkunftsland vielleicht keinen Sport ausüben durften, viel Spaß haben. „Das freut uns natürlich sehr und bestärkt uns in unserem Angebot.“ Um miteinander zu rudern, müsse man nicht die selbe Sprache sprechen: „Wenn anfangs jemand aus dem Verein dabei ist, dem die anderen alles nachmachen können, geht das auch ohne Worte und nur durch Zeichen.“

Video

Wassersport auf dem Main: Rudern lernen in einer Stunde - Bei der Rudergemeinschaft Olympos in Würzburg kann man Rudern lernen. In Zuge unser Sommerserie haben wir eine Unterrichtseinheit besucht.

Wie bereitet man sich vor?

Wie bei jeder Sportart muss man sich auch beim Rudern aufwärmen: So beginnt das Programm „Rudern lernen in einer Stunde“ mit Übungen an Land. „Gerader Rücken, Arme nach vorne strecken und zurückziehen. Dabei in die Hocke gehen und wieder aufstehen. Das war auch schon der ganze Bewegungsablauf“, sagt Fleischmann. Nach mehrmaliger Wiederholung der Übung, wird das Boot zu Wasser gelassen und die beiden Ruder (auch Skulls genannt) werden seitlich eingehängt. Dann heißt es: Nachmachen, was der Vordermann macht.

Wie komm' ich ins Boot?

Das Einsteigen will gelernt sein. Es gilt, sich an einen genauen Bewegungsablauf zu halten, sonst läuft man Gefahr, ungewollt baden zu gehen. „Man darf nicht direkt auf das Boot treten, sondern muss mit einem Fuß auf den Sitz steigen und dann den anderen Fuß sofort in die passende Ablage legen“, erklärt Fleischmann. Das erfordert Balance und man muss alle Bewegungen parallel mit dem Ruderpartner ausführen – sonst verlieren alle das Gleichgewicht. Im Ruderboot sitzt man auf beweglichen Sitzen, die auf einer Schiene laufen. So lässt sich die Kraft der Beine einsetzen. „Jetzt führen wir einfach denselben Bewegungsablauf, den wir am Land geübt haben, aus“, sagt Fleischmann, der als Steuermann die Anweisungen gibt.

Zug um Zug – wie läuft die Stunde?

Fleischmann verzichtet während des einstündigen Einführungskurses auf Fachausdrücke und erklärt stattdessen alles leicht verständlich. Der Steuermann – der nicht in jedem Boot dabei ist – gibt das Kommando und die Richtung vor, da die Ruderer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen. Mit Konzentration sind die ersten Züge leicht auszuführen, auch ohne Kraft bewegt man sich schnell vorwärts.

Rudern Foto: Heiko Becker

Das sei auch das Ziel der Einführung meint Fleischmann. Mit der Zeit aber wird es anstrengender. „Wir beobachten oft, dass die ersten Züge sehr gut laufen und dann, nach einer halben Stunde auf dem Wasser, lässt die Konzentration nach. Deshalb reicht anfangs auch eine Stunde“, so Fleischmann.

Ab wann kann man alleine rudern?

Wer dabei bleiben will, für den gibt es auch einen fünfstündigen Kurs. „Dabei lassen wir die Teilnehmer auch mal in einem Einer-Boot fahren, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, wie das Boot auf welche Bewegung reagiert. Da kommt es schon vor, dass man ins Wasser fällt. Aber vor allem Kinder freuen sich darüber, dass sie dieses große Boot alleine steuern können.“ Deshalb betont Fleischmann, müsse man vorher zeigen, wie man aus dem Wasser wieder in das Boot zurückkommt – denn das sei gar nicht so einfach.

Rudern als professionelle Sportart

Die Anfänge des Sport- und Wettkampfruderns liegen in England, wo vor allem die Elite-Universitäten sehr viel Wert darauf legten. Nach Deutschland kam das Interesse am Rudern im 19. Jahrhundert. Seitdem entwickelten sich die deutschen Ruderteams zu erfolgreichen Olympiateilnehmern in allen Kategorien. Die Boote variieren nach Größe – bis zu acht Mann – mit oder ohne Steuermann. Dieser bestimmt die Richtung des Bootes mithilfe eines Seiles, an dessen Ende das Ruder befestigt ist. Bei Formationen ohne Steuermann lenkt einer der Ruderer mit einem Fußsteuer.

Braucht es einen Steuermann?

Nicht alle Formationen können beliebig mit oder ohne Steuermann gefahren werden: Der Einer zum Beispiel ist immer ohne Steuermann unterwegs, genau wie der Doppel-Zweier; der Zweier hingegen kann mit und ohne Steuermann gefahren werden. Ebenso wie der Vierer und der Doppelvierer. Der Achter aber kann nur mit Steuermann gefahren werden. Welche Variation sie wählen, entscheiden die Ruderer.

Was macht Rudern aus?

Gleich zu Beginn der Stunde erklärt Fleischmann ein wichtiges Merkmal des Sports: „Rudern ist eine richtige Mannschaftssportart. Wir sitzen wirklich alle zusammen in einem Boot.“ Es ist eine Sportart, die man in den Grundzügen schnell lernen kann. Möchte man aber wirklich weitere Strecken zurücklegen, bedarf es viel Trainings, um den Bewegungsablauf zu beherrschen. Und für Fleischmann gibt es noch einen weiteren Vorteil: „Man fährt beim Rudern die ganze Zeit durch tolle Landschaften. Es gibt viel zu sehen.“

Rudern in Würzburg

In Bayern gibt es rund 56 Rudervereine, vier davon in Würzburg. Der Würzburger Ruderverein Bayern (WRVB), der Akademische Ruderclub Würzburg (ARC), die Rudergemeinschaft Olympos Würzburg (ROW) und der Regattaverein Würzburg befinden sich in direkter Nachbarschaft zueinander hinter der Löwenbrücke. Dort teilt sich der Main in den Hauptfluss und einen kleinen Seitenarm, der ohne Strömung vor allem für Anfänger gut geeignet. Geübte Athleten legen leicht bis zu 20 Kilometer in einer Trainingseinheit zurück. Viele Rudervereine bieten begleitend zum Rudersport unterstützende Fitness- und Konditionskurse an. Der älteste Würzburger Ruderverein ist der WRVB, der sich 1875 gegründet hat, der jüngste der ROW, der 2015 durch ehemalige WRVB-Mitglieder entstanden ist. Unter ihnen befinden sich auch Ex-Olympia-Teilnehmer: Die bekanntesten sind Michael Gentsch, der 1976 knapp die olympische Medaille verfehlt hat, Hermann Greß und Dieter Göpfert, die 1984 in Los Angeles den sechsten Platz belegt haben, und Tobias Müller, der 1996 in Atlanta als Ersatzmann dabei war. sbe
 

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