ELTMANN/ERLENBACH

Wilder Wellenritt auf dem Main

In Erlenbach am Main (Lkr. Miltenberg) trainiert das Malibu Show Team an jedem Sommerwochenende. Foto: Thomas Obermeier

Wie fühlt es sich an, wenn man mit 60 Stundenkilometern barfuß übers Wasser rast? „Nein, es tut nicht weh. Es kitzelt auch nicht. Man spürt einen gewissen Druck am Fuß, vergleichbar mit einer Fußmassage“, sagt Bernd Weber. Er ist Vorsitzender des Malibu Show Teams. Seine Mitglieder „tun das, was normale Wasserskifahrer nicht tun“: Sie lieben extreme Akrobatik, Salti in der Luft, fahren barfuß ohne Ski, rückwärts, vorwärts, als Flaggenparade oder bauen während des Fahrens Pyramiden übereinander. Ihr Trainingsrevier am Wochenende ist der Main bei Erlenbach (Lkr. Miltenberg).

An dem etwas abgelegenen, schattigen Plätzchen am Wasser mit dem kleinen Bootssteg steht ein voll beladener Anhänger des Malibu Show Teams, in dessen Inneren lange, kurze, dünne und breite Ski, Wakeboards und farbige Kostüme, Flaggen und sogar ein aufblasbares Sofa lagern. Die rund 30 Frauen und Männer zwischen 14 und 50 Jahren treffen sich dort während der Sommermonate jeden Samstag und Sonntag. Sie sind alle Amateure und fahren Wasserski in ihrer Freizeit.

Doch dafür geht es auf dem Wasser ganz schön zur Sache, beispielsweise wenn die Sportler mit bis zu 70 Stundenkilometern barfuß über den Main heizen, mit dem „Air Chair“ (spezieller Stuhl, mit dem man Wasserski im Sitzen fahren kann) kopfüber durch die Luft wirbeln und einen Salto schlagen oder die Frauen auf breiten Ballettskiern elegante Hebefiguren vorführen.

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Die perfekte Welle: Wasserski in Erlenbach - Beim Malibu Show Team in Erlenbach am Main (Lrk. Miltenberg) geht es auf dem Wasser ganz schön zur Sache, wenn die Sportler barfuß, rückwärts, vorwärts oder mit Salti kopfüber fahren.

Der Reiz: Schneller, höher, weiter und schöner

Für die Mitglieder des Malibu Show Teams ist es das ultimative Hobby. Der Reiz: schneller, höher, weiter und schöner zu fahren als andere Wasserskifahrer. Die Zutaten sind „eine Mütze voll Enthusiasmus und viel Mut“, sagt Weber. Ernsthaft verletzt hat sich im Team bislang noch niemand. „Wenn junge Leute zu uns stoßen, bekommen sie alles von der Pike auf erklärt. Wir achten sehr auf Sicherheit“, fügt er hinzu. Andernfalls bekämen die Neulinge Angst vor dem Wasser. Das wolle man auf jeden Fall verhindern. Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen oder blaue Flecken gehören allerdings dazu, „wie bei nahezu jeder anderen Sportart auch“, meint Weber. Der 51-Jährige muss es wissen, denn er fährt seit 30 Jahren Wasserski.

Im Winter lässt er sich mit einigen anderen Teammitgliedern von Profis in den USA neue Stunts zeigen. Im Sommer geben sie ihr Wissen an den Rest der Truppe weiter. Mittlerweile wird das Malibu Show Team, das von einer Handvoll Hobbyfahrern 1989 gegründet wurde, sogar bei Veranstaltungen in der Schweiz gebucht. Eine Show von 45 Minuten kostet um die 1000 Euro, wenn sie in Mainfranken stattfindet. Mit dabei ist stets das ganze Team. Wer neu einsteigen möchte, muss es also ernst meinen mit dem Hobby.

Von den 32 Mitgliedern gehören 30 zu den Aktiven, die sich auch bei Meisterschaften mit Fahrern aus anderen Ländern messen. Wer ist die wichtigste Person im Team? „Der Bootsfahrer!“, erklärt der 51-Jährige wie aus der Pistole geschossen. „Denn der Akteur, der nach jeder Nummer wechselt, ist austauschbar. Das Team im Boot dagegen muss genau wissen, wer welche Nummer mit welcher Geschwindigkeit fährt.“

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Wasserski

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Wasserskifahren ist für viele ein Gefühl von Freiheit

„Wasserski – für viele ist es ein Gefühl von Freiheit, wenn sie eine richtig schöne Welle hinlegen, wenn es ordentlich spritzt und eine Wasserfontäne aufsteigt“, schwärmt Harry Saffer vom Yacht-Club Eltmann (Lkr. Haßberge). Eigentlich tummeln sich im Yacht-Club rund 40 Familien, die vor allem eines verbindet: das Motorbootfahren. Doch den Kindern und Jugendlichen der Mitgliedsfamilien sei das gemütliche Herumschippern auf dem Main auf Dauer zu langweilig, so Saffer. Deshalb trainieren 20 von ihnen regelmäßig an den Sommerwochenenden das Wasserskifahren. Die jüngsten von ihnen sind gerade mal vier Jahre alt, die ältesten 26. Viele fahren auch Wakeboard, üben Sprünge, Looping, Drehungen oder Slalom.

Was Eltmann von anderen Wassersport-Clubs unterscheidet, ist die jedes Jahr im Juli stattfindende „Mainski“-Veranstaltung, bei der sich fast die gesamte Wasserski-Szene Bayerns trifft. Im Hafen von Eltmann entsteht eine Zeltstadt und 150 Wassersportbegeisterte fachsimpeln über Trends und die neueste technische Ausrüstung.

Das Wasserski-Spektakel entstand bereits in den 70er Jahren und ist ein Kräftemessen der einzelnen Fahrer. Die kürzeste Runde des Wettbewerbs beträgt 8,5 Kilometer, die längste Runde 144 Kilometer: „Das ist einmal Nürnberg-München auf Wasserski. Dabei ist man etwa drei Stunden unterwegs“, erzählt Saffer. Der Sportler muss eine Pause einlegen, um nachzuweisen, dass er noch fahren kann. „Wer nicht mehr die Kraft für einen erneuten Start hat, muss raus. Das ist die Sollbruchstelle für diejenigen, die sich überschätzen“, so Saffer. In den 90er Jahren habe es sogar Fahrer gegeben, denen die Distanz zu gering war. Sie hätten versucht, bei einem Supermarathon möglichst viele Kilometer auf Wasserski zurückzulegen. Der Versuch scheiterte an der Technik. Eines der Boote hatte einen Rumpfschaden; bei einem anderen war der Motor nach 400 Kilometern zu heiß.

Heute begnügen sich die Teilnehmer des Wettbewerbs mit einem Wasserski-Triathlon, bei dem es unter anderem darum geht, in einem Slalom möglichst viele Bojen zu umrunden und am Ende über eine Schanze zu springen. In diesem Jahr feierte der Yacht-Club Eltmann bei der „Mainski“ sein 50. Jubiläum inklusive Wasserski-Show und Feuerwerk. Der Termin fürs kommende Jahr steht schon fest: 7. und 8. Juli.

Nicht überall auf dem Main ist Wasserskifahren erlaubt. Doch wer denkt, Wasserskifahren sei nur etwas für Extremsportler, irrt sich: „Es ist kein Hexenwerk“, sagt Gerhard Braun vom Wassersportclub Eibelstadt. Der Verein gilt als älteste Fahrschule in der Region Würzburg. Er ist aus dem 1964 gegründeten Würzburger Yachtclub entstanden und hat 65 Mitglieder. Die meisten seiner Gäste und Mitglieder sind allerdings weniger am Wasserskifahren als am Sportbootfahren interessiert. Der Führerschein für Binnengewässer umfasst sechs Abende Theorie, zwei Praxisfahrten und kostet 225 Euro.

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Wasserski Teil2

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Doch ähnlich wie Fahrradfahrer, die zwar keinen Führerschein brauchen, aber trotzdem die Regeln des Straßenverkehrs kennen sollten, so sollten auch Wassersportler auf dem Main wissen, was sie tun, meint der Vorsitzende. Denn im Vergleich zu Seen sei der Fluss mit seinen engen Kurven, starken Strömungen und dem vielen Schiffsverkehr die reinste Autobahn. Gefahren werden darf nur tagsüber (nie bei Dunkelheit). „Früher durfte man auch auf dem Main im Stadtbereich Würzburg fahren“, erinnert sich Braun. Heute dürfen Wasserskifahrer nur noch auf speziell ausgewiesenen Wasserski-Strecken (blaues Schild mit weißem Wasserskifahrer und Pfeil) fahren.

Von ihnen gibt es auf den 527 Kilometern des Mains eine Menge. Manche sind nur 600 Meter lang, andere erstrecken sich über mehrere Kilometer (siehe Grafik unten).

Wenn man anderen Fahrzeugen begegnet, muss sich der Wasserskifahrer hinter dem Boot, in der sogenannten Kiellinie, bewegen. Besonders groß sind die Wellen, die andere Schiffe vor sich hertreiben, für einen Wasserskifahrer nicht. Gefährlich wird es aber, wenn der Sportler ins Wasser fällt. „Ein Schiff hat einen Mordsbremsweg. Dazu kommt die starke Sogwirkung.

Wenn ein großes Hotelschiff gegen die Strömung aus der Schleuse herausfährt und richtig Gas gibt, saugt es einen halben Meter Wasser aus dem Hafen heraus“, so Braun. Immer wieder hat er es erlebt, dass unvorsichtige Wassersportler aus lebensgefährlichen Situationen gerettet werden mussten. Ganz schlimm sei es, wenn sich zwei Schiffe begegnen und der Schwimmer befinde sich genau mittendrin. Gebührender Abstand zu Brücken, Schleusen und Schiffen sei deshalb oberstes Gebot.

Eine andere Krux ist für viele das richtige „Aufnehmen“: Der Wasserskifahrer wird nach dem Fahren wieder an Bord genommen. „Manchmal sieht man, dass der Bootsfahrer rückwärts an den im Wasser liegenden Wasserskifahrer heranfährt .. .“, erzählt Braun. „Wenn der Fahrer nur einmal kurz vom Gashebel abrutscht, wird es lebensgefährlich.“ Besser ist es, im Kreis um den Wasserskifahrer herumzufahren, die Leine im Wasser hängen zu lassen und sobald der Wasserskifahrer diese zu fassen bekommt, den Motor auszumachen und den Sportler in Ruhe ans Boot heranzuziehen.

Wasserskifahren kann man fast in jedem Alter

Was viele nicht wissen: Für das Wasserskifahren auf dem Main braucht man mindestens drei Leute: den Bootsfahrer, den Wasserskifahrer und einen Beobachter – so die Regel für Binnengewässer. Denn hier begegnen sich auf engstem Raum viel mehr Schiffe als auf dem offenen Meer. „Manche Leute fahren Wasserski mit Jetski statt mit einem Motorboot. Das ist nicht verboten, aber es muss ein Dreisitzer sein“, sagt Braun.

Für Anfänger sei es schöner, unter der Woche zu fahren, wenn keine zehn anderen Boote auf dem Main herumsausen. Die meisten der speziellen Wasserskiboote haben starke Maschinen mit viel PS, einen Fahrer- und einen Beifahrersitz mit relativ wenig Komfort. Desto mehr Leistung der Motor eines Bootes hat, desto weniger Kraft muss der Sportler aufwenden, um beim Start aus dem Wasser zu kommen.

„Wenn es der Rücken zulässt, kann man in jedem Alter Wasserski fahren“, sagt Braun. Drei bis vier Trockenübungen an Land von etwa fünf Minuten reichen in der Regel schon aus, bevor Anfänger im Wasser loslegen können. Selbst Nichtschwimmer können mit Schwimm- weste Wasserski fahren. „Wer im Winter Ski fährt, der kann auch Kurven fahren. Den äußeren Ski belasten, den inneren entlasten. In diesem Moment fahre ich schon eine Kurve“, so Braun.

Beim Start gilt es, „sich im Wasser richtig nach hinten in die Schwimmweste zu legen“ (die Skispitzen ragen vorne parallel aus dem Wasser) und die Arme auszustrecken – auch in den Sekunden, in dem sich die Leine zum Boot spannt und den Wasserskifahrer mit einem kräftigen Ruck blitzschnell aus dem Wasser zerrt. Wer seinem ersten Reflex widersteht, die Arme anzuziehen, hat schon fast alles richtig gemacht. Wer es dann noch schafft, mit angewinkelten Beinen in der Hocke zu bleiben, bis er durch die Kraft des Motorbootes von selbst aus dem Wasser gezogen wird und sich danach erst vollständig aufrichtet, hat auch den etwas kniffligen Start überstanden.
 

Wo man Wasserski lernen kann (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)


Wassersportclub Eibelstadt: Kinder im Alter zwischen zehn und 15 Jahren können am Samstag, 5. August, kostenlos zwischen 10 und 14 Uhr Wasserski lernen. Die Teilnehmerzahl ist auf zwölf begrenzt. Anmeldung bei Gerhard Braun unter der Telefonnummer: 09 303/98 49 584. http://www.wsc-eibelstadt.de

Wakepark Thulba: Anfänger, die Wasserski erst einmal ausprobieren möchten, können im Wakepark Thulba ihre Runden drehen. Die Anlage ist noch bis 3. Oktober geöffnet. Preise und Öffnungszeiten: www.wakepark-thulba.de

Malibu Show Team: Der Verein trainiert am Wochenende ab 10/11 Uhr auf dem Main bei Erlenbach (Nähe Yachthafen, Lkr. Miltenberg). Wer mitmachen oder eine Wasserski-Show buchen möchte: www.malibu-show-team.de

Yachtclub Eltmann: Wer in den Haßbergen Interesse am Wasserskifahren hat oder auf die Mainski-Veranstaltung gehen möchte: www.yachtclub-eltmann.de/

Weitere Sommer-Tipps werden im Rahmen der Serie folgen

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