LANGLAU

Windsurfen: Mit bunten Segeln über den See

Gut gelaunt auf dem Brett: Peter Kraus von der VDWS Surfschule Langlau macht den Surfergruß. Dann geht's aufs Wasser am Kleinen Brombachsee. Foto: PIA LEHNFELD

Sehr windig ist es an diesem Sommertag auf den ersten Blick eigentlich nicht. Ruhig und friedlich liegt der Kleine Brombachsee da. Kinder planschen im Wasser und bauen Burgen am aufgeschütteten Sandstrand, während Vögel ihre Lieder zwitschern. Grillgeruch vom Campingplatz erfüllt die Luft.

Windsurfen mit so wenig Wind, kann das funktionieren? Brett und Rigg – so heißt das komplett aufgebaute Segel mit Mast und Gabelbaum – liegen schon am Ufer. Gleich geht es los. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Der eben noch friedlich wirkende See flößt plötzlich Respekt ein. Peter Kraus ist seit sieben Jahren Surflehrer an der VDWS (Verband Deutscher Wassersport Schulen) Surfschule in Langlau. „Ihr müsst keine Angst haben“, sagt er zu den Kursteilnehmern. „Es ist völlig normal, dass man am ersten Tag abgetrieben wird. Aber es ist ja ein See. Das Ufer ist nicht weit.“ Der 63-jährige Bayreuther surft seit über 30 Jahren. Ein Freund habe ihn dazu gebracht, erzählt er. Bei sich daheim in Bayreuth gibt es keine Möglichkeit zum Windsurfen. Deshalb komme er oft ins Mittelfränkische an der Brombachsee – am Wochenende oder in den Ferien.

Teil des Fränkischen Seenlands

Der Kleine Brombrachsee – ein Stausee mit einer Fläche von 2,5 Quadratkilometern – ist Teil des Fränkischen Seenlands, das sich gut 50 Kilometer südwestlich von Nürnberg befindet. Am Surfen liebt Peter Kraus, dass man in der Natur ist, mit Wind und Wasser zu tun hat. Der 63-Jährige ist inzwischen pensioniert. Früher habe er bei der Telekom gearbeitet, sagt er. Man sieht Peter Kraus an, dass er viel Zeit an der frischen Luft verbringt. Seine Haut ist braun gebrannt, das graue Haar trägt er unter einer Kappe, die von Sonne und Wasser schon ganz ausgebleicht ist. Drei Windsurflehrer gibt es aktuell in der Surfschule, Peter Kraus ist der Haupttrainer. So oft es geht, steht er auf dem Brett.

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Vom Brett ins Wasser - Windsurfen am Brombachsee - Wasserratten aufgepasst: Windsurfen ist ein Sport für fast jedes Alter. Für die Main-Post Sommerserie ging es nach Langlau am Kleinen Brombachsee (Mittelfranken) - der ein oder andere Sturz ins Wasser durfte da natürlich nicht fehlen. Video: Pia Lehnfeld

Bretter sind heute viel breiter

„Wir paddeln zuerst ein wenig hinaus, denn am Ufer gibt es keinen Wind“, sagt er. Gesagt, getan. In der Mitte des Sees angekommen, ist jeder auf sich allein gestellt. „Nun stell euch hin!“, ruft der 63-Jährige. Eine wahrlich wacklige Angelegenheit, doch noch bleibt die erste nähere Begegnung mit dem See aus. Denn widererwartend klappt es erstaunlich gut, auf dem Brett stehen zu bleiben.

„Die Boards sind heute viel breiter als früher, da kann man viel leichter drauf stehen“, sagt Peter Kraus. Deutlich schwieriger ist es hingegen, das Rigg aus dem Wasser zu ziehen. Denn solange es im Wasser liegt, ist es ziemlich schwer. Umso wichtiger sei es, dabei auf den Rücken zu achten, sagt Peter Kraus.

Sie gleiten über das Wasser: Surfer am Kleinen Brombachsee Foto: Martin Böneker, Surfschule Langlau

Luv und Lee

Eine weitere Herausforderung: Das Rigg richtig zu setzen. „Niemand kann direkt in den Wind hineinfahren“, sagt Peter Kraus vergnügt. „Das ist noch niemandem geglückt.“ Immerhin: Auf der Mitte des Sees gibt es – anders als am Ufer – jede Menge Wind. Doch von wo kommt der eigentlich? Was zunächst banal klingt, entpuppt sich auf dem See als gar nicht so leicht. Als Luv wird in der Seglersprache die dem Wind zugewandte Seite, als Lee die dem Wind abgewandte Seite bezeichnet. Der Mast dient als Windrichtungsanzeiger. Stellt man ihn wie einen Fahnenmast, lässt sich überall erkennen, aus welcher Richtung der Wind kommt. Um starten zu können, muss das Rigg leicht seitlich nach Luv gedreht werden, bis sich das Segel mit Wind füllt. „Gerade haben wir Nordwestwind“, brüllt Peter Kraus über das Wasser. Das Rigg wird gesetzt, und die Fahrt beginnt. So schnell geht es plötzlich voran, dass es schon beinahe unheimlich ist.

Wind dreht ständig

Doch die Freude über das geglückte Manöver wehrt nur kurz, die Fahrt ist nach wenigen Minuten beendet. An diesem Tag  dreht der Winrd regelmäßig - was ungewöhnlich ist für den Brombachsee. Üblicherweise kommt der Wind zumeist aus Südwest, umlaufende Winde sind eher selten. Die Weiterfahrt will einfach nicht klappen. Peter Kraus eilt zur Hilfe.

Und dann wäre da ja noch die Sache mit dem Steuern. Ein Surfbrett hat weder eine Pinne noch ein Rad. Gesteuert wird daher mit dem Rigg. Schiebt man das Rigg in Fahrtstellung nach Luv, so fährt das Brett das vom Wind weg. Abfallen wird das genannt. Schiebt man das Rigg hingegen in Fahrstellung nach Lee, dreht sich die Brettspitze in den Wind. Anluven heißt das.

Mittlerweile sind die Kursteilnehmer auf dem halben See verteilt. Etwas ungeschickt sieht es bei den meisten noch aus. „Irgendwann hat man den Dreh raus“, verspricht Peter Kraus. Zwischenzeitlich, da klappt es auch schon ganz gut mit dem Surfen. Es fühlt sich gut an, über das Wasser zu gleiten, den Wind im Gesicht zu spüren uns alles um sich herum zu vergessen.

Bunt gemischt: Das komplett aufgebaute Segel mit Mast und Gabelbaum nennt sich Rigg. Foto: Pia Lehnfeld

Wasser ist mild

Dann rüttelt plötzlich wie aus dem Nichts ein kräftiger Windstoß am Rigg – so stark, dass es nicht mehr zu halten ist und ins Wasser fällt. Und platsch! Da ist der erste Sturz in den See. Es werden noch so einige folgen an diesem Vormittag. Schlimm ist das nicht, das Wasser ist mild, der Neoprenanzug schützt vor Auskühlung. Und: „Auch nach 30 Jahren fällt man noch ins Wasser“, sagt Peter Kraus und lacht. „Aber das ist doch das Tolle am Surfen: Man fällt ja weich.“

Windsurfen in der Region

Surfen ist vor allem ein technischer Sport, deshalb kann man ihn lange betreiben. Wer ihn lernen möchte, kann in der Surfschule in Langlau einen zweitägigen Grundkurs mit abschließender Prüfung absolvieren. Die Kurse finden bis Anfang September dreimal pro Woche (Dienstag und Mittwoch, Donnerstag und Freitag sowie Samstag und Sonntag) statt. Die Surfschule bietet außerdem noch Kitesurfing und Stand Up Paddling an. Mehr Infos: www.windsurfingschule.de oer Mail unter info@windsurfingschule.de oder per Telefon (0177) 32 45 083.
Surfen und es lernen kann man auch am Altmühlsee, in der Förmitztalsperre bei Hof, in Niederberg (Lkr. Miltenberg) und am Horhäuser See (Lkr. Haßberge). Infos: spotnetz.de/index.php/Bayern

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