Alles vernetzt

Wobei das Smart Home helfen kann

Im modernen Haus ist alles vernetzt. Die Jalousien fahren pünktlich zum Frühstück hoch, das Radio spielt automatisch den Lieblingssender, und vielleicht steht der frische Kaffee schon in der Küche, wenn man sich morgens aus dem Bett quält.

Immer mehr Produkte im Alltag können durch intelligente Steuerung automatisiert oder ferngesteuert werden. In den eigenen vier Wänden heißt das ganze Smart Home. „Grundsätzlich lässt sich alles kontrollieren, was eine Schnittstelle hat”, erklärt Günther Ohland. Er ist Vorstandschef des Vereins „Smart Home Initiative Deutschland”. Aber wie legt man los?

In der Praxis findet man Smart-Home-Systeme vor allem hier:

- Heizung: Die Therme oder einzelne Heizkörper können auf Außentemperatur oder Luftfeuchtigkeit reagieren. Alternativ kann die Temperatur einfach per Smartphone gesteuert werden.

- Alarmsysteme: IP-Kameras oder Sirenen können auf Bewegungen reagieren, Sensoren melden einen Wasserrohrbruch oder simulieren durch automatisches Anschalten von Licht und Musik Anwesenheit.

- Licht: Lampen im Haus können zum Beispiel zu bestimmten Uhrzeiten eingeschaltet oder per App bedient werden.

- Stromverbrauch: Beliebige elektrische und elektronische Geräte können dezentral oder nach definierten Regeln geschaltet werden. Die vernetzte Steckdose schaltet etwa morgens die Kaffeemaschine an.

- Smart-Gardening: „Ein neuer Bereich ist außerdem Smart Gardening. Hier steckt noch viel Potenzial”, sagt Nico Jurran, Redakteur bei der Fachzeitschrift „c?t”. Dazu zählen zum Beispiel Mähroboter oder elektronisch gesteuerte Bewässerungsanlagen.

Einstiegspakete

Der Einstieg in die Welt der Heimautomation ist in der Regel ein sogenanntes Smart-Home-Kit: Es enthält meist einige Sensoren, Leuchtmittel oder Thermostate und eine Steuereinheit. Darauf aufbauend kann das vernetzte Zuhause nach und nach ausgebaut werden.

Welches dieser Einstiegspakete man sich holt, hängt stark davon ab, was das erste Heimautomatisierungsprojekt sein soll. „Wer sich zum Beispiel auf Sicherheit oder auf Heizung fokussieren will, kann anhand dessen das passende System suchen”, sagt Anne Kliem von Stiftung Warentest. Andere Pakete gibt es etwa mit Bewegungsmeldern und Leuchtmitteln, schaltbaren Steckdosen oder Fensterkontakten.

Funktionsweise

Smart-Home-Geräte wie Bewegungsmelder, Kameras, Thermostate oder Sensoren senden ihre Messdaten oder Bilder in der Regel per Funk an eine Art Steuerzentrale, den Smart-Home-Hub, auch Bridge genannt. Er empfängt und verarbeitet Informationen und steuert die Geräte. Manche Geräte kommunizieren auch direkt mit dem WLAN-Router oder nutzen die vom schnurlosen Telefon bekannte DECT-Technik.

Wichtig: Mit dem Kauf eines Starterpakets legt man sich meist auch schon auf eine Funktechnik fest, mit der die Geräte miteinander kommunizieren. Weitere Geräte müssen dann auch entweder Zigbee, Z-Wave, Bluetooth, WLAN oder DECT beherrschen - wenn man nicht weitere Hubs oder Bridges in sein Netzwerk einbauen will.

Steuersoftware und Internet

Über die Steuersoftware lassen sich am PC oder Smartphone meist Regeln für die Geräte definieren. Ein Beispiel: Öffne morgens bei Sonnenschein die Jalousien. Stellt der Helligkeitssensor dann in den Morgenstunden Sonnenlicht fest, wird der elektrische Jalousienmotor aktiviert. „Eine Lampe per Smartphone ein- oder auszuschalten ist dagegen nicht smart, sondern nur eine Fernsteuerung”, sagt Günther Ohland.

Irrglaube ist, dass bei Smart Home alle Geräte mit dem Internet verbunden sein müssen. „In der Regel gibt es für jede Anwendung auch eine Offline-Lösung”, sagt Nico Jurran. Außerdem sollte jedes Gerät auch manuell bedienbar sein. Versagt das Smart-Home-System bleibt die Jalousie nämlich sonst den ganzen Tag unten, oder die Heizung wärmt das Haus trotz sonniger 35 Grad.

Sicherheitsfragen

Worüber sich Nutzer solcher System immer im Klaren sein sollten: „Je größer der Komfort, desto eher werden Daten bereitgestellt”, sagt Jurran. Das hat auch die Stiftung Warentest in einer aktuellen Untersuchung von Smart-Home-Systemen feststellt. „Oft geben die Apps unnötige Informationen an den Anbieter weiter”, erklärt Anne Kliem.

Ein Problem aller Anbieter: Niemand garantiert Updates und damit eine dauerhaft sichere IT-Infrastruktur. „Die Entwickler haben immer wieder Probleme, Neuerungen einzubauen”, erklärt Nico Jurran. So ist es für Nutzer auf Dauer schwierig, neue Geräte oder Geräte von anderen Herstellern in ihr System einzubinden.

Anne Kliem
Anne Kliem ist Redakteurin bei der Stiftung Warentest. Foto: Stiftung Warentest Foto: dpa
Vernetzte Helfer
Ob Bewegungsmelder, Alarmsirene, Funkthermostat oder Wassersensor: Es gibt eine Menge vernetzter Helfer für den Haushalt... Foto: Florian Schuh

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