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Heiße Höschen und Plateauschuhe: Das trug man in den 70ern

Mode auf der Leinwand: Ute Kittelberger und Bernd Clüver in „Zwei im siebenten Himmel“ 1974. Foto: Cinetext

Heiße Höschen – was für ein Skandal! Hot Pants heißt der modische Renner, dessen Geburtsstunde um das Jahr 1971 liegt. In der Gesellschaft sorgen die extrem kurzen Shorts für helle Aufregung. Die Befürworter finden dieses Kleidungsstück extrem sexy. Die Gegner sind schockiert und verdammen es als empörend.

Aber die Hot Pants erobern die Welt im Sturm. Ob Sommer oder Winter, getragen werden sie immer. Mal mit Strumpfhosen und hohen Stiefeln, die bis weit über die Knie reichen, mal verhüllt mit Maximänteln oder als luftiges Sommergewand. Die italienische Schauspielerin Gloria Guida wird 1975 in genau einem solch knappen Outfit mit dem Film „Flotte Teens und heiße Jeans“ berühmt. Die kurzen Shorts sind mehr als Mode. Sie sind Ausdruck von Emanzipation, Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein. Es ist einfach, trendig zu sein: erlaubt ist, was gefällt.

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Die bunte 70er Party

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Getragen werden in den 70ern so gegensätzliche Kleidungsstücke wie Schlaghosen und Röhrenjeans, kurze Mini- und bodenlange Maxiröcke, bestickte Kleider im Hippie- und Folklore-Look und zerrissene Lederjacken. Das alles kombiniert mit möglichst auffälligen Accessoires. Manch einer wird sich noch an riesige Krawatten, breite Gürtel, Häkeloptik und Blümchenstickerei erinnern oder sie heute noch bei Motto-Partys auspacken.

Kurzum, die Mode spiegelt Lebensgefühl wider: Individualität und Freiheit. Die Geschlechtertrennung bei Klamotten gibt es nicht mehr. Frau kann sich ungehemmt am Kleiderschrank ihres Mannes bedienen, trägt gerne Jeans und Parka. Den auffälligsten Trend in der Schuhmode, die Plateausohlen, machen in dieser Zeit Frauen und Männer mit. Alle wollen hoch hinaus, je höher desto besser. Allerdings steigt mit der Dicke der Plateausohle das Verletzungsrisiko. Salonfähig wird das überdimensionierte Schuhwerk durch Rockbands wie Kiss, die ihr schrilles Bühnenoutfit damit komplettieren.

1977 wandelt sich das Bild grundlegend: Die Punks setzen mit ihrer Anti-Mode ein Ausrufezeichen. Punk entsteht in den Hinterhöfen Londons und dient dem Protest gegenüber gesellschaftlichen Normen. Die neu entstehende Jugendkultur grenzt sich stark von der Sanftheit und Naturliebe der Hippies und der Flower-Power-Bewegung ab. Die neuen Protestler empfinden Mode und Musik ihrer Vorgänger als verlogen. Ihre Ablehnung zeigen sie mit der Kleidung. Sie muss schockieren. Das tun zerfetzte Lederjacken, enge zerschlissene Jeans, „Peace“-Aufnäher und bunte Irokesen-Haarschnitte. Die Modedesignerin Vivienne Westwood bringt diesen Stil auf die internationalen Laufstege.

Ein ganz anderer Meilenstein ist die Discomode. Explosionsartig verbreitet durch Filme wie „Saturday Night Fever“. Inbegriff des Genres ist der weiße Anzug von John Travolta. Man trägt ihn am besten mit einem an der Knopfleiste rüschenverzierten Hemd. Unbedingtes Muss: Die drei obersten Knöpfe sollten offen sein.

Ein krasser Umschwung folgt 1978. Kann die Kleidung Anfang des Jahrzehnts nicht eng und körperbetont genug sein, geht es nun in die entgegengesetzte Richtung: „Oversize“ heißt der neue Trend. Die Kleidung wirkt wie einige Nummern zu groß und wird gerne mit immer breiteren Schulterpolstern kombiniert. Allerdings setzt sich das nicht durch, sondern wird schon im darauffolgenden Jahr von Klamotten in schlichter Eleganz verdrängt.

10 Modeerscheinungen

1. Schlaghosen

2. Hot Pants

3. Parka

4. Maxirock

5. Blümchenstickerei

6. Überdimensionale Sonnenbrillen

7. Röhrenjeans

8. Militärstiefel

9. Batik-T-Shirts

10. Schulterpolster

Mit der klassischen Föhnwelle: Farrah Fawcett-Majors (rechts) in der TV-Serie „Drei Engel für Charlie“. Foto: cinetext
Schrill: Uschi Glas in „Der Killer und der Kommissar“. Foto: Cinetext

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