Nicht nur "Musketiere": Mainfranken war schon oft Filmkulisse

Von Heinz Rühmann bis Orlando Bloom: Zwischen Spessart und Rhön entstanden schon viele Kinoabenteuer.
Schlösser, Burgen, Landschaften: Unterfranken bietet viele romantische Kulissen für Filme. Auf dem Plakat zu „Vater sein... Foto: Cinetext (3), Thomas Obermeier

Geschätzte 60 Millionen Euro werden die Filmaufnahmen für das 3-D-Kinospektakel „Die drei Musketiere“ mit den Weltstars Orlando Bloom und Milla Jovovich verschlingen. Mit 350 Menschen war das Team der Filmproduktionsfirma Constantin in Würzburg angereist, daneben sorgten 200 vor Ort rekrutierte Statisten in historischen Kostümen für das richtige Flair bei den Aufnahmen. Gesperrte Straßen rund um die Residenz, die Festung und die Alte Mainbrücke, Kamerahubschrauber in der Luft – die Auswirkungen der Dreharbeiten von Regisseur Paul W. S. Anderson waren in den vergangenen Wochen nicht zu übersehen.

Schlösser, Burgen und Landschaften – dass Unterfranken romantische Kulissen für große Filme bietet, ist nicht erst seit der Filmkomödie „Das Wirtshaus im Spessart“ (1958) mit Liselotte Pulver bekannt. Schon zuvor und noch mehr danach gaben sich Filmstars und -sternchen zwischen Main und Rhön ein Stelldichein. Eine große Hollywood-Produktion wie soeben in Würzburg war freilich noch nie dabei.

Besonders punkten kann die Landschaft mit ihrer Schönheit in zwei Kinofilmen älteren Datums. Dramatisch ging es 1955 bei der Produktion „Der Cornet – Die Weise von Liebe und Tod“ nach Rainer Maria Rilke zu, der auf der Festung Marienberg, im Guttenberger Forst und am Main rund um das Kloster Himmelspforten gedreht wurde, mit Filmstars ihrer Zeit wie Peter van Eyck, Götz von Langheim oder der schwedischen Schauspielerin Anita Björk, die später auch mit Ingmar Bergman arbeitete. Schon damals waren einheimische Statisten gesucht, so kamen viele Pferde und Reiter aus der Region zum Einsatz. Bis vor wenigen Jahren konnten die Würzburger im „Diocletian“ am Sternplatz in der originalen Filmkulisse speisen: Die Kutsche im Lokal war ein Teil der Requisiten des Films.

Dass die Stars der Nachkriegszeit noch etwas bodenständiger waren als die Hollywood-Größen von heute, zeigen die Erinnerungen einer damals 23-jährigen Höchbergerin, deren Mutter in den 1950er Jahren eine Gastwirtschaft in der Gemeinde vor den Toren Würzburgs betrieb. Anlässlich einer Wiederaufführung des Streifens im Cinemaxx-Freiluftkino im Alten Hafen 2004 erinnerte sich Lydia Balling noch sehr gut an Peter van Eyck, einen der Hauptdarsteller des Films, der eines Tages in der Küche der Höchberger Gastwirtschaft stand und bescheiden nach einem Käsebrot fragte. Auch die damals 27-jährige Ilse Schiborr kann sich an van Eyck erinnern. Er bat sie, die als Statistin verpflichtet worden war, ihn durch ihre Heimatstadt zu führen – und kannte sich in Würzburg zum Teil besser aus als sie selbst, berichtet Schiborr jedenfalls in Roland Flades Buch „Zukunft, die aus Trümmern wuchs“.

Noch heute bekommen viele ältere Unterfranken glänzende Augen, wenn im Fernsehen der Film „Vater sein dagegen sehr“ mit Heinz Rühmann und Marianne Koch aus dem Jahr 1957 wiederholt wird. Unverkennbar sind die Szenen, in denen die beiden in einem wunderschönen DKW-Cabriolet mit Ochsenfurter Kennzeichen das Maintal zwischen Ochsenfurt und Würzburg durchfahren. Unverkennbar ist auch Sommerhausen als Film-Wohnort des großen deutschen Darstellers, der einen armen Schriftsteller spielt, der in einem der Sommerhäuser Wehrtürme wohnt. Die Hochzeitsszene im Film entstand in der Würzburger Adalbero-Kirche.

Auch die Residenz war schon mehrfach Drehort. So spielen zahlreiche Szenen des 1975 entstandenen Films „Royal Flash“ des US-amerikanischen Regisseurs Richard Lester in und um Würzburg. Lester führte unter anderem bei den Beatles-Filmen „Help!“ und „Yeah Yeah Yeah“ (auch als „A Hard Day's Night“ bekannt) und bei Superman Teil zwei und drei Regie. Als er 2004 im Rahmen des Filmwochenendes wieder nach Würzburg kam, mietete er sich ein Auto, um noch einmal in einen seiner weiteren Drehorte, Rothenburg ob der Tauber, zu fahren, so Filmfest-Mitorganisator Berthold Kremmler.

Neueren Datums ist Frank-Markus Barwassers Erwin-Pelzig-Werk „Vorne ist verdammt weit weg“, der zu großen Teilen in und um Würzburg entstand. „Lammbock“ heißt der Film des Würzburger Regisseurs Christian Zübert mit Moritz Bleibtreu in einer der Hauptrollen, der 2001 in der Domstadt entstand. 1996 standen Katja Riemann, Jasmin Tabatabai und Nicolette Krebitz in Bad Neustadt und Münnerstadt für „Bandits“ vor der Kamera. Die Riege der Regisseure, die schon in Mainfranken arbeiteten, reicht von Wim Wenders („Im Laufe der Zeit“, 1975, Ostheim v. d. Rhön) bis Wolf Gremm („Tod oder Freiheit“, 1977, Schloss Irmelshausen).

Gert Fröbe, Erika Pluhar, Mario Adorf, Harald Leipnitz, Hans-Joachim Kulenkampff, Heinz Rühmann, Lilo Pulver, Gunnar Möller, Marianne Koch, Agnes Windeck – bekannte Namen waren in Mainfranken zu Gast, nun gesellten sich Hollywoodgrößen wie Orlando Bloom, Milla Jovovich oder Christoph Waltz hinzu. Als jüngste „unterfränkische“ Produktion hatte soeben der zum Großteil in Würzburg gedrehte, mehrfach preisgekrönte Film „Bis aufs Blut“ von Regisseur Oliver Kienle aus Rödelsee Premiere. Neben diesen Kinofilmen wurde Mainfranken immer wieder gerne für Fernsehproduktionen als Kulisse genutzt.

ONLINE-TIPP

Viele Bilder, Fakten und Beobachtungen rund um die Dreharbeiten zu „Die drei Musketiere“: www.mainpost.de/musketiere

Dreharbeiten für „Die drei Musketiere“ vor der Würzburger Residenz.
Liselotte Pulver in der Komödie „Das Wirtshaus im Spessart“.
Szene aus Richard Lesters Film „Royal Flash“.
Moritz Bleibtreu (rechts) und Lucas Gregorowicz in „Lammbock“.

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