GLASOFEN

Aufs Bänkchen setzen und Ruhe bewahren

Zeugeneinvernahme beim Königlichen Amtsgericht Glasf'ld: Wenn Richter Andreas Sauer (Zweiter von rechts) fragt, haben di... Foto: Fotos (3): Martin Harth

Die Fasenachtsgaudi im Bürgerhaus von Glasofen gilt als Geheimtipp und in diesem Jahr setzten die dortigen Faschingsfreunde bei ihren beiden Abenden „Königlich Glasf'lder Amtsgericht“ einen Höhepunkt der Narretei in Unterfranken. Etwas Besonderes war schon das von Valentina Harth geschaffene Bühnenbild, in dem Sitzungspräsident und Narrenrichter Andreas Sauer das Publikum willkommen hieß.

Am Freitag eröffnete die Lorbser Prinzengarde mit einem flotten Lambada den Abend. Das Prinzenpaar Isabell I. (Cortes) und Rudolf I. (Bauchspieß) grüßten das närrische Volk, darunter Faschingsfreunde aus Michelrieth und Altfeld.

Ortsgeschehen hieß das Thema des Glasf'lder Grenzschutzes (Adrian Götzelmann, Bernd Hepp und Andreas Sauer). Sie nahmen den erfolgreichen Feuerwehrkassier, starke Traktorfahrer, jugendliche Containerspezialisten, aktive Oberköhler und Dorfhistoriker auf die Schippe.

Die Putzfrauen des Gerichts, auch bekannt als die „Lärchen aus der Claushofstraße“, trällerten sich ihr Liedchen über einen Leuchtturm auf einem Glasf'lder Hausdach oder die anstrengende Bedienung des Postkastens vom Auto aus. Besonders erzürnt waren sie über die GEMA-Verwertungsgesellschaft, die offenbar das Singen im Bürgerhaus krumm nimmt und Gebühren eintreibt.

Joel Janke, ein Amerikaner nicht in Paris sondern in Glasf'ld, machte sich in einem humoristischen Solo Gedanken dazu, wer denn eigentlich die Leut‘ seien, die sich nach Aussage von anderen immer dabei irgendetwas dächten – „Was denke‘ sich da die Leut‘?“ Das seien wohl diejenigen, die gerade nicht da seien, hatte er nach langem Grübeln herausgefunden. Wer sind dann aber die „annern Leut‘“, die manchmal auch etwas denken, wenn im Gesangverein mal was schief zu laufen droht?

„You can leave your hat on“: Die „Dorfaffen“ wagten als Kung-Fu-Fighter ein Schautänzchen auf der Mini-Bühne des Bürgersaals mit hinreißend komischer Strip-Einlage. Vielfach spielte die Glasf'lder Big Band an diesem Abend die „Amtsgerichtspolka“ schwungvoll auf, wenn man wieder eine Gerichtsszene auf der Bühne ankündigte, so auch als die Sketchgruppe den Sitzungspräsidenten anklagte, in einer „Sonnen“-Stunde (Glasf'lderisches Synonym für Sternstunde) einfach das Thema der Narrensitzung von Western auf Gericht abgeändert zu haben. Richterin Barbara Walfisch konnte genüsslich ihr Schnitzel auf dem Richter-Katheder weichklopfen und ein Urteil sprechen: Eine Runde Ordnungsschnaps, sofort vollstreckbar.

Nach so vielen Worten lieferte die Mini-Garde der Alpf'ler Laabfrösch mit einem schnellen Gardetanz eine schmissige Abwechslung. „Nichts aus der Ruh“ brachte dagegen den närrischen Gendarm Karl Wolf. Ob Lärm aus dem Jugendcontainer, Streit um die Hadf'lder Fußgängerzone oder den verschwundenen Fußweg von Glasf'ld dorthin, der Rat war derselbe: Aufs Bänkchen setzen und stoisch Ruhe bewahren.

„Rund um Glasf'ld“ schweifte der Blick der singenden „Zeugen - Na Sowas“ in einer brillanten Gesangsnummer. Der fortlaufende Hallenbau im Stadtteil, teure Schnapsbrände und Mist auf dem schön geteerten Weg zum Köhlerplatz waren Angriffspunkte mit A Capella-Gesang: „Es is‘ Narre‘zeit in Glasf'ld!“

Und wieder ging's vor Gericht. Als schwerer Brocken erwies sich der Angeklagte Kerbholz. Faschingsmuffel Attila Grünzinger wurde bei seinem Debüt in der Glasf‘lder Bütt zum Ankläger – Fasching sei einfach eine Zumutung! „Fitness im Gericht“ war für die Showgirls Anja Goller, Petra Stange und Elli Wolf bei ihrer Tanzeinlage kein Fremdwort.

ONLINE-TIPP

Viele Bilder aus Glasofen unter www.mainpost.de/fasching

Ein Tänzchen gefällig? Die „Dorfaffen“ wirbelten mit Kung-Fu-Bewegungen über die kleine Bühne.
Lust auf ein Schnitzel? Daniel Wiesmann als Richterin Barbara Walfisch.

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