WÜRZBURG

Würzburg schunkelt in den Frühling

Das Wetter war den Würzburger Narren heuer wohlgesonnen: Zwar hat ein kühler Ostwind dem Frühling einen kleinen Dämpfer verpasst, doch blieben die Pappnasen beim Großen Würzburger Faschingszug trocken, und mitunter lachte sogar die Sonne über das närrische Volk.

Der Würzburgs Gaudiwurm gilt als einer der größten in Süddeutschland. Nach Schätzung der Polizei säumten 90 000 Zuschauer schunkelnd die Zugstrecke von der Semmelstraße durch die Innenstadt zum Sanderring.

Der Faschingszug ist vor allem eine Parade der vielen Karnevalsgesellschaften in Stadt und Land. Über 180 Gruppen mit mehr als 3000 Aktiven waren diesmal mit dabei, teils in aufwändig gestalteten Motivwägen, teils als wild maskierte Fußgruppen. Der Zug ist nicht nur Spaß für die vielen kleinen Piraten, Cowboys, Käfer und Gespenster am Straßenrand, sondern auch für jene, die hier auftanken fürs närrische Finale. Einige Gaststätten entlang der Strecke habe inzwischen allerdings nicht mehr geöffnet, weil sie es so „brechend voll“ nicht haben wollen.

Politik hat beim Würzburger Faschingszug nie eine große Rolle gespielt, aber das Rathaus kriegt gerne die Leviten gelesen. „Trautenauer Bäume sind OB Rosenthals Albträume“, hieß es da zu der dort eben abgeholzten Allee. Auch wegen der Sperrung der Straße am Zeller Bock musste der OB herhalten: „Schon wieder einen Bock geschossen“, höhnte es von den Wagen der Zellerauer. Auch der Fensterstreit in der Domstraße war eine bissige Bemerkung wert.

Oberbürgermeister Georg Rosenthal selbst begleitete den Zug in einem Oldtimer, obwohl das Zugmotto das städtische Bauwesen auf Schippe nahm: „So lang der Main schlägt seine Wellen, so lang Würzburg Großbaustellen“.

Der Faschingszug in Würzburg steht in einer uralten Tradition. Bereits im 8. Jahrhundert berichtet der Chronist Burkard über große Faschingsumzüge in Würzburg. 1935 gründeten Mitglieder der Turngemeinde Würzburg die Karnevalsgesellschaft Elferrat, die sogleich den ersten Faschingszug auf die Beine stellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog 1953 der erste Faschingszug mit dem Motto „Würzburg lacht wieder“ durch die Stadt.

Heute ist der Faschingszug die mit Abstand größte Veranstaltung in Würzburg. Verantwortlich ist die KaGe Elferrat Würzburg, an der Spitze Zugmarschall Michael Zinnhobel und seine rund 20 Zuggruppenleiter. Drei Monate haben sie ehrenamtlich gearbeitet, um drei Stunden Gaudi zu organisieren. Noch angespannt aber sehr zufrieden zog Zinnhobel Bilanz: „Schöne Motivwägen, tolle Fußgruppen – die Leute haben sich richtig reingehängt. Auch unser Bemühen, Live-Bands statt Konservenmusik zu bringen, ist gut angekommen. Das wichtigste für mich ist aber, dass wir bei diesen Menschenmassen keinen Unfall hatten.“

Einen vergleichsweise ruhigen Nachmittag hatte auch das Rote Kreuz. Mit 110 Hilfskräften, drei Notärzten und 25 Fahrzeugen waren die Retter im Einsatz. In diesem Jahr hätten wesentlich weniger Verletzte medizinisch versorgt werden müssen als sonst, bilanzierte Einsatzleiter Matthias Neuhöfer. Zehn Personen hätten zur ambulanten Behandlung in die Klinik gebracht werden müssen wegen Schnitt- oder Platzwunden, doch das meiste habe vor Ort behandelt werden können.

Die Polizei zog am Sonntagabend Bilanz. Zweimal mussten die Beamten während des Zuges eingreifen, weil Betrunkene mit Fäusten aufeinander gingen. Mehr Randale bot nach dem Umzug ein 19-Jähriger. Um dem Alkotest zu entgehen, biss er einem Polizisten sogar in den Finger. 20 Wildpinkler müssen mit einer Anzeige bei der Stadt rechnen.
Intensive überwachte die Polizei den Jugendschutz. Vier Minderjährige wurden wegen Alkoholkonsums in Gewahrsam genommen und anschließend ihren Eltern übergeben. So brachte es ein 14-Jähriger aus dem Landkreis Schweinfurt auf 1,14 Promille, ein 15-jähriger Würzburger auf 0,38 Promille, ein 16-Jähriger aus dem Landkreis Würzburg auf 1,16 Promille und ein 17-Jähriger aus der Stadt auf unrühmliche 1,8 Promille. Die Polizei will nun ermitteln, wie sie an den Alkohol kamen.

Die letzte „Zuggruppe“ bildeten wie immer die Stadtreiniger, die am Ende ein Meer vor Scherben und Luftschlangen beseitigten, bevor die Straßenbahn wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte.

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