Das Gebäck - Dettelbacher Muskatzinen

Eine Dettelbacher Muskatzine
Eine Dettelbacher Muskatzine Foto: FOTO FRANK KRANEWITTER
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er Geschmack? Süß und trotzdem würzig. Irgendwie schmecken sie nach Weihnachten, diese Muskatzinen. Und natürlich nach Muskat, wie der Name schon sagt. Eines ist sicher, gebacken werden sie nur in Dettelbach. Ihr Rezept ist so geheimnisvoll wie die Entstehungsgeschichte.

 

Es gibt einige Legenden um die Muskatzinen. Eine der bekanntesten: Ein Ritter aus dem Morgenland kam als Wallfahrer nach Dettelbach. Er wollte das wundertätige Marienbild sehen. In Dettelbach traf er einen Zuckerbäcker, der über einen Brummschädel klagte. Der Einheimische hatte am Abend zuvor zu viel Frankenwein genossen. Muskat empfahl der Wallfahrer als Wundermittel gegen den Kater. Daraufhin habe der Dettelbacher Konditor in seiner Backstube mit dem Gewürz experimentiert.

Fest steht, dass, als ab 1505 die Wallfahrten nach Dettelbach in Gang gekommen waren, das Konditorenhandwerk in dem Städtchen am Main aufblühte. Früher wurden die Muskatzinen nur zu Wallfahrtszeiten gebacken. Heute gibt es sie das ganze Jahr.

Urban Degen heißt der Mann, der die Muskatzinen erfand - so viel ist bekannt. Er kreierte einen ungewöhnlichen Teig und eine ungewöhnliche Form. Die Backform schnitzte er nach dem Vorbild der gefälteten Krawatten, die er gerne trug. Während man die Formen noch heute in einer Dettelbacher Eisenwarenhandlung kaufen kann, ist die Rezeptur des Teigs ein wohl- gehütetes Geheimnis. Vor seinem Tod weihte Degen seine einheimischen Berufskollegen in das Geheimnis seiner Rezeptur ein. Die Dettelbacher Konditoren sollten dieses aber für sich behalten, so wollte es Urban Degen.

Noch immer wird die Spezialität nach alten Familienrezepten hergestellt. Bereits seit fünf Generationen backt die Familie Achtmann Muskatzinen. Jede Woche frisch und immer nach dem gleichen Rezept.

Trotzdem schmeckt das Gebäck immer wieder ein bisschen anders. "Schuld daran ist", so sagt Konditor Peter Achtmann, "das Wetter." Ist es trocken und heiß, sind die Muskatzinen härter, ist es feucht sind sie weicher. "Da habe ich noch keine Lösung gefunden. Ein wenig Glück gehört beim Backen also auch dazu", so Achtmann.

Er ist einer von zwei Konditoren, die Muskatzinen verkaufen dürfen. Weil man ja nie wissen kann, ob das Rezept tatsächlich ein Dettelbacher Geheimnis bleibt, gehen die heimischen Konditoren auf Nummer sicher. Die Markenrechte an dem Namen sind geschützt. Nur in den Cafés Kehl und Achtmann gibt es Muskatzinen, die auch Muskazinen heißen. Bei der zugezogenen Konkurrenz gibt es "Dettelchen" zu kaufen, die ebenso nach Muskat schmecken. Ein wenig weihnachtlich - das ist seit Urban Degen so - schmeckt das Gebäck in Dettelbach zu jeder Jahreszeit.

Online-Tipp

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