Die Pizzeria - die "Blaue Grotte"

P
izzerien sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, doch eine wird immer eine Sonderstellung einnehmen: das Ristorante Capri/Blaue Grotte in der Elefantengasse in Würzburg. Sie gilt als die älteste Pizzeria Deutschlands und ihr Begründer Nick di Camillo als der Mann, der die Pizza nach Deutschland brachte. Heute, am 25. November, feiert er in Würzburg seinen 85. Geburtstag.

 

54 Jahre ist das Capri jetzt alt. Generationen von Freunden italienischer Lebensart haben hier gegessen und gefeiert, und manches Pärchen ist sich in der romantischen Grotte aus blau lackiertem Papier nähergekommen.

Als junger Mann hatte Nicolino di Camillo nach Kriegsende seine Heimat in den Abruzzen verlassen, wo er als Textilverkäufer gearbeitet hatte. Mit einer amerikanischen Einheit war er nach Nürnberg gekommen und hatte in der Küche eines Clubs in Fürth Arbeit gefunden. Die Amerikaner nannten ihn einfach Nick. In der Nürnberger Oper lernte Nick die blutjunge Janine Schmitt aus Würzburg kennen, die hier ihre erste Anstellung als Balletteuse gefunden hatte. Es funkte zwischen den beiden. Bei einem Besuch der Eltern in Würzburg Anfang der 50er Jahre kam der Gedanke auf, mit einem kleinen Restaurant eine gemeinsame Existenz zu begründen.

Ein wagemutiger Plan, denn die Stadt lag noch in Trümmern, und die Not bestimmte den Tagesablauf. Doch Janines Vater fand ein geeignetes Objekt: Das "Uffenheimer Braustüble". Der eingeschossige Bau in der Elefantengasse stand wie eine kleine Insel inmitten von Ruinen, die Gaststätte selbst war zu einem Schuhlager verkommen.

Die jungen Leute stürzten sich in ihr Abenteuer, und am 24. März 1952 eröffneten sie ihre "Bier- und Speisewirtschaft" mit dem Zusatznamen "Capri". Auf die Außenwand seines Lokals ließ der junge Wirt "Sabbie di Capri" schreiben, "Sand von Capri" - gedacht als sprachliche Verbindung zur nahen Sanderstraße.

Am Anfang wurde improvisiert, die erste Pizza auf einem Kuchenblech im alten Gasbackofen gebacken. Drei Mark hat sie gekostet, das Glas Bier inbegriffen. Mühsam war der Anfang, doch das Capri wurde zum Renner. Zunächst freilich nur bei Amerikanern, die vor allem Nicks "Spaghetti mit Fleischklößchen" nach einem Rezept aus den Abruzzen liebten. Die Würzburger, von denen sich nach dem Krieg nur wenige das Essengehen leisten konnten, brauchten noch ein paar Jahre, um auf den neuen Geschmack zu kommen.

Rasch verbreitete sich der Ruf des kleines Lokales, und auch mit Deutschland ging es aufwärts. So konnte sich Nick di Camillo schon 1956 an eine Erweiterung des Lokales machen. In vielen Stunden Handarbeit schuf er, unterstützt vom Orthopäden Willi Haas, im Keller auf einem Holzgerüst mit Pappmaché eine Nachbildung der berühmten "Blauen Grotte" mit einer Gondel als Theke. Nun wurde das Capri endgültig Kult.

Viele bekannte Schauspieler und Musiker wie Bernhard Wicki und Helmut Zacharias kehrten hier nach ihren Auftritten in den Huttensälen ein, hier saßen Künstler wie Versl, Malipiero, Schlotterbeck oder Veit Relin bei manch froher Stunde. Doch berühmt oder nicht: zu all seinen Gäste hat Nick di Camillo immer ein sehr persönliches Verhältnis gepflegt - und das war neben Pizza und Pasta sein Erfolgsrezept.

Als wahren Botschafter seines Landes hat ihn der italienische Staat mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Seit 1981 ist Nick di Camillo, der im vergangenen Jahr mit seiner Frau Goldene Hochzeit gefeiert hat, im Ruhestand. Seine Blaue Grotte aber ist nicht wegzudenken aus der Stadt.

Online-Tipp

Alle Teile der Serie im Internet:
www.mainpost.de

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