Nowitzki zahlt 15 Millionen Euro Kaution

Hof - Um seinen Entdecker und Trainer Holger Geschwindner aus der Untersuchungshaft frei zu bekommen, stellte Basketball-Spieler Dirk Nowitzki im vorigen Jahr 15 Millionen Euro Kaution. Dies wurde am Montag beim Prozess gegen Geschwindner wegen Steuerhinterziehung von gut drei Millionen Euro bekannt.
Nowitzki Manager vor Gericht
Der Mentor und Entdecker von Basketball-Star Dirk Nowitzki, Holger Geschwindner (M), unterhält sich am Montag (09.10.2006) entspannt mit seinen beiden Anwälten im Gerichtssaal in Hof. Geschwindner wird unter anderem verdächtigt, an Nowitzkis Erfolg finanziell beteiligt gewesen zu... Foto: A3462 Marcus Führer (dpa)

Nowitzkis Manager wurde zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Ungewohnt grimmig blickte Holger Geschwindner auf der Anklagebank im Schwurgerichtssaal des Hofer Amtsgerichts ins Blitzlicht der Kameras. Dies eine Mal hätte er sich und seinem Zögling Dirk Nowitzki den Presserummel wohl gerne gespart. Der in Würzburg geborene Basketballer musste im Prozess gegen seinen väterlichen Freund nicht aussagen. Dennoch schwebte der große Schatten des Athleten unübersehbar über dem Verfahren.

Denn bei der Frage nach Schuld oder Unschuld Geschwindners ging es ganz wesentlich darum, welche Funktion ein knapp gefasster Vertrag spielte, der 1996 - auf zehn Jahre befristet - den Grundstein für die Zusammenarbeit zwischen dem damaligen Nachwuchs-Spieler Nowitzki und seinem Entdecker gelegt hatte. Darin versprach Geschwindner, für "den Bub" Verträge mit Sponsoren und Ausrüstern abzuschließen sowie über Spielerverträge mit Vereinen zu verhandeln. Im Gegenzug sollte er 20 Prozent von dessen Einnahmen bekommen.

So engagiert der "Basketball-Verrückte" (so einer seiner Verteidiger über Geschwindner) für den Schützling handelte, so wenig will er zum eigenen Vorteil gehandelt haben. Er und seine Verteidiger argumentierten damit, der Vertrag habe nur dem Schutz Nowitzkis gedient und sei nie aktiviert worden. Dies war nicht die einzige Merkwürdigkeit, die am Montag vor Gericht zur Sprache kam.

Für eine Dirk-Nowitzki-Stiftung gedachte Summen wurden privat ausgeliehen oder landeten - nachdem sie über Konten anderer Personen gelaufen waren - bei ihm. Dass er als Projekt-Manager dem Finanzamt gegenüber beispielsweise jahrelang gar keine oder zu niedrige Einkommenssteuern erklärt hatte, schien ihm selbst nebensächlich. Es nährte aber den Verdacht, er habe auch von Nowitzkis Millionen-Verträgen seinen Anteil kassiert, ohne sie zu versteuern.

Seine beiden Verteidiger, flankiert von einem Steuerberater, versuchten vergeblich, den Verdacht zu entkräften. Sie gingen von Steuer-Hinterziehung von nur 130.000 Euro aus, während Staatsanwalt und Gericht die Summe mit über drei Millionen Euro ansetzten. Schon während der fünfwöchigen Untersuchungshaft seines Mentors hatte es Dirk Nowitzki nicht an Unterstützung für seinen Mentor fehlen lassen, den er selbst zuvor stets zu Hilfe gerufen hatte, wenn es sportlich gerade mal klemmte. In einer Zeugenaussage stützte er während der Ermittlungen - ebenso wie seine Eltern, die das ominöse Schriftstück als Zeugen mit unterschrieben hatten - die Version, der Vertrag sei nie aktiviert worden.

Auch sonst ließ er sich die Unterstützung einiges kosten. Nicht genug damit, dass er im Vorfeld der Europameisterschaft im vorigen Jahr erklärt hatte, zur sportlichen Vorbereitung mit seinem Individual-Trainer Geschwindner notfalls bei ihm in Untersuchungshaft trainieren zu wollen - was dann durch die Freilassung gegen Kaution überflüssig wurde. Nowitzki war es auch, der die geforderte Kaution von 15 Millionen Euro besorgte. "Der Bub hat sie selbst nicht gehabt, sondern hat zu seinem Verein gehen müssen, um sie zu bekommen," erklärte Geschwindner. Fünf Millionen Euro hinterzogener Steuern zahlte Geschwindner davon nach und leistete so schnelle Wiedergutmachung, die ihm nun strafmildernd angerechnet wurde.

Denn das dreiköpfige Gericht um den Vorsitzenden Stefan Zech war - wie die Staatsanwaltschaft - der Auffassung - der Kontrakt sei rechtskräftig gewesen und habe Geschwindner mindestens 1,25 Millionen Euro gebracht. Der Vertrag sei erst zum 1. August 2005 ungültig geworden, als Nowitzki und sein Manager nach dessen Freilassung eine neue Vereinbarung schlossen. Dadurch ist Geschwinder, dessen anderweitige Geschäfte mit dem Ermittlungsverfahren völlig zum Erliegen kamen, bei Nowitzki offiziell als Trainer angestellt, für ein Brutto-Gehalt von 9.500 Dollar im Monat. Der Ex-Basketball-Nationalspieler habe vorsätzlich gehandelt, sagte Zech in seinem Urteil. "Jeder weiß, dass er Einkommenssteuer zu zahlen hat".

Nowitzki Manager vor Gericht
Der Mentor und Entdecker von Basketball-Star Dirk Nowitzki, Holger Geschwindner, sitzt am Montag (09.10.2006) im Gericht... Foto: A3462 Marcus Führer (dpa)
Mit dem Urteil von zwölf Monaten Gefängnis, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 22 Monaten. Außerdem soll Geschwindner 50.000 Euro an zehn gemeinnützige Organisationen zahlen. Seinen Äußerungen nach dem Urteil war aber zu entnehmen, dass er sich zu hart bestraft sah. Verteidiger und die Staatsanwaltschaft hielten sich die Möglichkeit von Berufung oder Revision offen.

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