Die Lustlosen

Asexuelle: Sie denken nicht mal im Traum an Sex

Wer heutzutage was auf sich hält und absolut in sein möchte, spielt Golf, isst Sushi und magert bis zur Bulimie-Grenze ab. Stars und Sternchen wie Karl Lagerfeld und die Lieblings-Nichte von Versace, die vielen als große Vorbilder dienen, machen es wirkungsvoll vor. Und jetzt der neueste Trend: Asexualität. Nein, man ist nicht etwa asexuell veranlagt, weil es einem an Partnern fehlt oder man furchtbar hässlich ist.

Asexuelle haben einfach kein Verlangen nach den Spielen der Liebe. Sie finden Sex uninteressant, schmutzig, ekeln sich davor oder haben noch keinen Partner gefunden, der sie antörnt. Einer der ersten, der seine Vorliebe, keine Verlangen zu haben, öffentlich machte, war der Amerikaner David Jay. Er kämpft jetzt auf seiner Internetseite asexuality.org, die seit einiger Zeit auch in Deutsch geschaltet ist, dafür, Asexualität neben Hetero, Bi- und Homosexualität öffentlich anzuerkennen.

Überhaupt ist die Internetseite der Lustlosen ein wahrer Fundus an Geschichten und Lebensbeichten. Da schreibt eine 22-jährige Studentin, die sich selbst als hübsch bezeichnet, dass ihr jegliche Lust auf kleine Vernasch-Mich-Spiele fehlt, obwohl sie schon einmal eng mit einem Mann getanzt hat. Ein 17-Jähriger ist selbst von sich überrascht, dass er weder an Sex denkt noch jemals masturbiert hat. Daneben finden sich Ankündigungen, eine Künstlerecke und ein Link, wo man Frust ablassen kann. Einmal wöchentlich ist auch der Chat offen, wo Gleichgesinnte sich austauschen können. Und eine Redakteurin der Frauenzeitschrift Brigitte fragt vorsichtig nach einem Interviewtermin zwecks eines Dossiers, das das Magazin plant.

Paris Hilton
Ob Paris Hilton die Asexualität auch für sich als Trend entdecken wird? Foto: presseportal.de
Freuen wir uns darauf. Ob all diese Asexuellen nun frigide sind oder ob die Hormone verrückt spielen, liegt derzeit noch im Dunkeln, ist also nicht medizinisch oder wissenschaftlich erforscht. Fest steht nur, dass die Betroffenen ihr Verlangen nicht unterdrücken, nein es ist einfach nicht vorhanden. Trotz alledem haben diese Menschen auch eine Art von Orgasmus. Etwa dann, wenn sie ihren Traumurlaub buchen oder ihre Wohnung neu gestalten. Oder, wie es eine meiner Kolleginnen ausdrückte, deren Name ich hier nicht nennen möchte: "Die höchste Befriedigung ist für mich ein ganztägiger Einkaufsbummel. Wenn ich am Abend nach Hause komme, bin ich so müde, dann habe ich überhaupt keine Lust mehr auf Sex."

Und tatsächlich, wenn man mal ein bisschen überlegt, fallen einem schon Dinge ein, wo man einen - nun ja - kleinen Orgasmus hatte. Als ich kürzlich eine Von-Dutch-Jeans bei Ebay ersteigert habe, die ich unbedingt wollte, fand ich das schon ziemlich prickelnd. Auch meine Syrien-Reise brachte mir so manchen befriedigenden Moment. Doch ganz ohne das "Steckprinzip", wie die Betroffenen die schönste Nebensache der Welt auf der Internetseite abwertend nennen, möchte ich nicht auskommen.

Denn wie sagte schon der englische Mathematiker Thomas Simpson (1710- 1761): "Ich bin überzeugt, dass Sex in der Hölle eine ständige Pflichtübung sein wird." Also warum nicht schon mal im Diesseits üben?

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