Berlin (dpa/tmn)

Tod und Sterben früh thematisieren

Manche Menschen haben kein Problem damit, über Tod und Sterben zu sprechen. Für andere sind das dagegen Tabu-Themen, die sie am liebsten aus ihrem Leben ausklammern würden. Doch darüber sprechen zu können, kann helfen.

Tod und Sterben beizeiten thematisieren       -  Tod und Sterben: Diese Themen sollten nicht ausgeklammert werden. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)
| Tod und Sterben: Diese Themen sollten nicht ausgeklammert werden. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

«Es hat viel damit zu tun, wie man aufwächst», sagte Silke Haase vom Berufsverband Deutscher Psychologen und Psychologinnen. Wer von klein auf daran gewöhnt ist, sich mit dem Tod anderer auseinanderzusetzen, dem falle es leichter, auch über den eigenen Tod zu sprechen. Das kann später, etwa im Falle einer unheilbaren Krankheit oder bei der Überlegung, was nach dem eigenen Tod werden soll, helfen.

Die niedergelassene Psychotherapeutin rät daher davon ab, Kinder schonen zu wollen und sie nie mit zu einer Beerdigung zu nehmen. Der Tod bekomme sonst einen merkwürdigen Schrecken. «Kinder entwickeln oft schon so ab etwa fünf Jahren ein eigenes Interesse an dem Thema.» Ein äußerer Anlass wie der Tod eines entfernteren Bekannten oder auch der eines Haustieres sei die beste Gelegenheit, sie behutsam an die Endlichkeit des Lebens heranzuführen. Der Besuch einer Beerdigung sei wichtig, damit keine Fantasien entstehen, was mit dem Toten passiert. «Fantasien sind immer schlimmer als die Realität.»

Eine Beerdigung sei außerdem ein Ritual, das hilft, Abschied zu nehmen. Auch in jungen Jahren: «Kinder brauchen konkrete Handlungen, um Dinge zu verstehen». Sie könnten dann sehen, dass ein Mensch nicht einfach verschwindet, sondern dass andere um ihn trauern. Das Abschiednehmen falle dann leichter. «Wenn jemand tot ist, und keiner redet mehr über ihn, dann finde ich das viel schrecklicher.» Wer dagegen öfter über den Tod spricht, verliere die Angst davor. Allerdings haben nach Haases Erfahrung Menschen oft eher Angst vor dem Sterben als davor, wirklich tot zu sein. «Sterben ist etwas anderes als der Tod», betont sie.

In einer Beziehung kann es problematisch sein, wenn ein Partner über seinen Tod sprechen möchte und der andere das Thema meidet. Haase empfiehlt, sich langsam anzunähern und dem anderen zu sagen, dass das Thema einem selbst wichtig ist - und warum es wichtig ist. Sinnvoll sei auch, den anderen zu fragen, warum er nicht darüber reden kann, «dass man das erstmal versteht». Womöglich gebe es Teilaspekte, über die geredet werden könnte, etwa über ein Testament oder eine Patientenverfügung. «Was möchte ich, wenn ich schwer krank bin? Wo sollte ich Dich als Ehepartner unterstützen? Und was willst Du vielleicht nicht?», zählt die Therapeutin auf.

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