VOLKACH

Wo der Wein der Wirtschaft schmeckt

Das Volkacher Weinfest ist ein Renner. Alleine zum Auftakt des 67.Fränkischen Weinfests strömten gut 10 000 Menschen auf das Festgelände. Weil das Ganze nur mit hohem Personaleinsatz – vor allem des Bauhofs – zu leisten ist, muss die Stadt als Veranstalter Jahr für Jahr ein Defiz... Foto: ARCHIVPeter Pfannes

Mit bis zu 60 000 Besuchern an viereinhalb Tagen hat Volkach das größte Weinfest Frankens in seinen Mauern. Das Erfolgsrezept: Die Stadt führt das Großereignis professionell und in eigener Regie.

Das kostet viel Geld und produziert Jahr für Jahr ein Defizit von einigen zehntausend Euro. Das Minus stößt in manchen Kreisen auf Kritik, obwohl Tourismuschef und Weinfestorganisator Marco Maiberger betont: „Das Weinfest entfaltet eine unheimliche Wirtschaftskraft“.

Der Rotstift schwebte im Rechnungsprüfungsausschuss über der Festabrechnung. Da ging es um 2014 und ein Minus von 100 000 Euro. Einen Sparbeschluss gab's in der Folge nicht, nur eine kurze Diskussion im Stadtrat und von Bürgermeister Peter Kornell den Hinweis: „Konkrete Sparvorschläge prüfen wir gerne“.

„Wenn ich Eintritt verlange, muss ich den Leuten auch was bieten.“
Marco Maiberger Leiter der Touristinformation

Ob die kommen, wird sich zeigen. Der Rechnungsprüfungsausschuss hat sich laut Maiberger mit der Weinfestabrechnung „bis ins kleinste Detail befasst“ – und mit dem Minus.

Das habe seinen Ursprung nicht im Kern des Riesenereignisses: Wenn die fixen Ausgaben für Bauten, Mobiliar, Security, Bands, Werbung, Strom und Müll mit den Einnahmen verrechnet würden, ginge das „Null zu Null“ aus, so Maiberger beim Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Defizit entstehe da, wo hingelangt werden muss. Beim städtischen Bauhof. Das Team kümmert sich um den Aufbau, wässert den Platz wenn es zu trocken ist, oder legt nach schweren Regengüssen auch mal Drainagen. Und damit das Fest nicht im eigenen Müll erstickt, wechselt die Mannschaft – so Maiberger – am frühen Abend rund 50 Mülltonnen. Weil bei einem so großen Fest immer was zu tun ist, gibt's auch eine Bereitschaft.

Das alles kostet. Runde 71 000 Euro habe der Personaleinsatz 2014 verschlungen. Und dass am Ende rund 100 000 Euro in Rot dastanden, sei der zusätzlichen Bayern-1-Disko mit Einsatz des Bauhofs geschuldet. Maibergers Fazit: Weil das Wetter mal mehr, mal weniger Einsatz der Truppe fordert, „habe ich die Bauhofkosten nicht im Griff“.

Weil das nicht jeder glauben wollte, hat Maiberger ermittelt, was ein Externer dafür verlangen würde: „Das ist nicht billiger als die Bauhofleistungen.“

Was mancher Spar-Enthusiast vergisst: Zur Weinfestzeit rollt der Euro. Die Hotelzimmer an der Mainschleife, 1200 in Volkach, Nordheim und Sommerach, seien in dieser Zeit fast komplett belegt, und: „Viele Dauergäste buchen, wenn sie abreisen“, betont Maiberger.

Ohne das Fest – da ist der Tourismuschef sicher – würde wirtschaftlich einiges wegbrechen. Gastronomie und Geschäfte profitierten mit vom Fest, der Campingsplatz sei in der Zeit voll.

Das alles sei ein enormes Plus an Wirtschaftskraft. Schließlich gebe der normale Tourist laut Statistik 40 Euro pro Tag aus – bei einem Weinfest wie Volkach vermutlich deutlich mehr: „Da bleibt was hängen.“

Sparwillen habe die Stadt inzwischen schon gezeigt. Beispielsweise beim Aufhängen der Lichterketten, wo statt drei Bauhofleuten nur noch einer tätig ist. Den Rest erledigen Studenten. Wo der Rotstift sich nach Maibergers Meinung verbietet, ist die Musik: „Wenn ich Eintritt verlange, muss ich den Leuten auch was bieten“. Inzwischen seien Eintrittspreise und Standgebühren angehoben worden.

Warum das Weinfest, dessen 68. Auflage bevorsteht, von der Stadt nicht nur Geld, sondern auch Herzblut zur Weiterentwicklung und Verbesserung verlangt, macht Maiberger ganz deutlich – auf gut Fränkisch: „Das ist der Volkacher ihr Weinfest.“

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