Hamburg (dpa/tmn)

Reise in die USA: Wahlkampf ist kein Smalltalk-Thema

Eine Reise in die USA zu Zeiten des Wahlkampfs klingt hochspannend. Schließlich lernen Touristen die Politik der Vereinigten Staaten hautnah kennen. Debatten mit den Einheimischen über die Kandidaten oder das amerikanische Wahlsystem sind aber tabu.
US-Präsident Barack Obama - in Deutschland beliebt
US-Präsident Barack Obama ist in Deutschland sehr populär - wer während des Wahlkampfs in die USA reist, sollte sich aber Sympathiebekundungen für ein politisches Lager verkneifen. Foto: Gary Gardiner

Andere Länder, andere Sitten - das gilt auch für die USA: «Politik ist ein absolutes No-Go, darüber wird nie geredet», sagte die Etikette-Trainerin Imme Vogelsang aus Hamburg. «Amerikaner sind da extrem empfindlich. Selbst im privaten Kreis wird nicht über Politik gesprochen.»

Gerade Deutsche würden in den USA - wie fast überall auf der Welt - als besonders rüde empfunden. «Wir fallen mit der Tür ins Haus. Wir diskutieren aggressiv bis zum Ende. Und wir wollen immer recht haben», erklärte Vogelsang, die Sprecherin des Netzwerks Etikette Trainer International (ETI) ist. Amerikaner diskutierten eher vorsichtig, sie wollten niemanden verletzen oder bloßstellen. «Von daher ist Politik ein Thema, das gemieden werden sollte.»

Hinzu kommt der Nationalstolz vieler US-Bürger: «Amerikaner sind anders als die Deutschen unglaublich stolz auf ihr Land. Das zieht sich durch alle Schichten und ethnischen Gruppen», erläutert Vogelsang. Kritik wird sowohl von Weißen als auch Schwarzen und Hispanics oft als unamerikanisch gesehen. «Der Patriotismus steht über allem, unabhängig, welche Meinung man hat.» Dieses Phänomen habe sich nach den Anschlägen vom 11. September noch verstärkt. Selbst sachliche Kritik an der US-Außenpolitik etwa mit Blick auf Afghanistan wird somit leicht zum persönlichen Affront.

Von der kumpelhaften Freundlichkeit vieler Amerikaner sollten sich Besucher aus Deutschland nicht täuschen lassen. «Kritik wird trotz lockerem Umgangston nicht direkt geäußert», sagte Vogelsang. Das gelte entgegen vieler Vorurteile auch für die liberaleren Metropolen an der Ostküste. Auch das politische Lager - Demokrat oder Republikaner - spiele keine Rolle. Mit dem Anbiedern an den amtierenden Präsidenten Barack Obama, der in Europa sehr beliebt ist, sammle man also kaum Sympathiepunkte.

Vogelsang rät USA-Touristen dazu, eher die positiven Aspekte des Wahlkampfs zu loben. Beim öffentlichen Auftritt eines Politikers könne man etwa sagen: «Es ist beeindruckend, wie gut das organisiert ist.» Es bleibt natürlich das gute Recht eines jeden Deutschen, dies als oberflächlich abzutun. «Allerdings gewinnt man dann ganz sicher keine Freunde, nicht einmal Gesprächspartner.»

Vogelsang empfiehlt, eher über die Landschaft, das Essen oder die Menschen zu sprechen - über alles, was positiv ins Auge fällt. «I'm impressed» («Ich bin beeindruckt») - das höre jeder Amerikaner gerne. In den USA gelte der alte Grundsatz: «Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann sag' am besten gar nichts.»

Es sei kein Problem, etwas über Deutschland zu erzählen. «Viele sind da sehr interessiert.» Urlauber könnten zwar auch erklären, wie bestimmte Dinge politisch geregelt sind - aber bitte ohne Wertung oder gar Vergleich zu den USA.

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