Würzburg um 1525 aus Lindenholz

Das Stadtmodell im Mainfränkischen Museum

Das heute in der Stadtgeschichtlichen Abteilung des Mainfränkischen Museums ausgestellte Modell im Maßstab 1:500 (Gesamtgröße 420 mal 360 Zentimeter) zeigt die Stadt Würzburg, so wie sie sich um 1525 dem Betrachter darbot.

Es wurde in den Jahren 1953 bis 1967 von den Bildhauern Georg Achatz und Karl Steinbauer aus Lindenholz auf der Grundlage von Studien, Plänen und Zeichnungen des besten Kenners der mittelalterlichen Topographie von Würzburg, Schulrat Dr. h.c. Franz Seberich (gest. 1964), angefertigt.


Ermöglicht wurde die aufwändige Herstellung des Stadtmodells durch die Stiftungen von zwei Würzburger Bürgern, der Sophie-Fick-Stiftung des Generaldirektors Dr. Friedrich Fick und die Karl-Richter-Stiftung des Verlegers Karl Richter.


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Würzburg um 1525 Foto: Rolf Nachbar
Anders als die in dieser Serie bisher abgedruckten Stadtansichten, die von Künstlern des 15. und 16. Jahrhunderts geschaffen wurden, die Würzburg aus eigener Anschauung nicht kannten und die daher nur aus zweiter Hand ein Abbild der Stadt vermitteln konnten, ist das Modell um höchstmögliche Genauigkeit in allen Details bemüht. Um diese Genauigkeit deutlich werden zu lassen, wird auf den nächsten beiden Seiten nur ein Ausschnitt abgedruckt, nämlich ein Blick auf die Innenstadt von Südosten.

Hier gibt es das Bild in größerem Format zum Herunterladen:


Zur Erstellung des Modells wurden alle greifbaren bildlichen und schriftlichen Quellen herangezogen, zu denen zunächst die bekannten Stadtansichten in den Werken von Hartmann Schedel, Sebastian Münster, Braun/Hogenberg, Büeler und Merian zählen. Deren topographische Genauigkeit kann allerdings nicht allzu hoch veranschlagt werden. Deswegen wurden zusätzlich die Ratsprotokolle und die Baurechnungen der Stadt sowie zwei exakte Beschreibungen der Stadtbefestigung aus den Jahren 1466 und 1528 herangezogen.


Die Baugeschichte der Kirchen und der meisten öffentlichen Gebäude ist gut dokumentiert, so dass deren Wiedergabe als sehr wirklichkeitsgetreu bezeichnet werden kann. Von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen, sind aber in Würzburg keine Bürgerhäuser aus der Zeit um 1525 erhalten geblieben; deren Aussehen wurde daher nach zeittypischen Bürgerhäusern in anderen süddeutschen Städten gestaltet.


Während einige noch heute existierende Wahrzeichen der Stadt, wie Dom, Neumünster, Marienkapelle, Grafeneckart, St. Burkard, Mainbrücke und Domstraße sofort wiederzuerkennen sind, fehlen bei näherer Betrachtung doch entscheidende Merkmale des heutigen Stadtbildes: So sind die großen Baublöcke von Alter Universität und Priesterseminar an der Neubaustraße noch nicht vorhanden, ebenso wenig die Michaelskirche an deren oberem Ende.

Statt des uns heute vertrauten Polizeipräsidiums erheben sich wesentlich kleinräumiger das Augustinerkloster und seine Kirche. An der Stelle des großen, zum heutigen Rathaus gehörigen "Polizeihofes", des ehemaligen Karmelitenklosters, findet sich nördlich vom Grafeneckart die Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissene Barbarakirche der Karmeliten.


Auffällig ist auch die enge Bebauung der Straßen zum Main hin mit relativ kleinen Häusern und Höfen und die wesentlich großzügigere Bauweise im "geistlichen Viertel" östlich des Doms, sowie die fast ländlich lockere Bebauung des "Rennweger Viertels" - natürlich noch ohne die Residenz - im Vordergrund. Hier fällt der Blick auch auf die doppelte Ummauerung der Innenstadt mit ihren festen Stadttoren und Türmen; die äußeren Stadtviertel hatten eine wesentlich weniger solide Befestigung. Auffällig ist das Fehlen einer Uferbefestigung im Mainviertel, wo auch kleinere Häuser im Stadtbild überwiegen.


Ein Blick nach Norden, den unser Bildausschnitt nicht mehr ermöglicht, würde weitere starke Abweichungen von dem uns vertrauten Stadtbild erkennen lassen: Das mächtige Geviert des Juliusspitals fehlt, da sich hier 1525 noch der alte Judenfriedhof ausdehnte; auch Stift Haug existiert noch nicht.

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs. Für die Bereitstellung des Fotos danken wir der Firma Rolf Nachbar, Reichenberg-Albertshausen.

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