Chima: Letzte Ausfahrt Sommerhit

Auch wenn seine Single „Morgen“ davon handelt, sich vor unwesentlichen und wesentlichen Weichenstellungen zu drücken, wird der Frankfurter Chima vor einer Sache nicht länger davonlaufen können: Der Klärung der Frage, ob er es auf seine alten Tage noch zum Popstar bringt oder nicht.
Er will endlich abheben: Der Frankfurter Sänger Chima.
Er will endlich abheben: Der Frankfurter Sänger Chima. Foto: Esra Rotthoff

Chimaobinna Enyiakanwanne Onyele. Das ist so klangvoll wie für unsere Ohren unmerkbar, und deshalb firmiert der vor knapp 40 Jahren in Nigeria geborene und seit vielen Jahren in Frankfurt am Main lebende Musiker nur unter den ersten fünf Buchstaben seines Vornamens. Chima also.

Und was macht er? Kommt eigentlich vom Rap, war Teil des Anti-Rassismus-Kollektivs Brothers Keepers („Adriano“) und veröffentlichte 2002 und 2005 zwei Hip-Hop-Alben mit überschaubarer Resonanz. Was folgte, war eine Phase des Herumhängens und Durchwurstelns, ein privater Kampf um das Sorgerecht für seinen Sohn, beständige und eher zu- als abnehmende Geldsorgen, aber immer auch der große Traum, als Musiker eine neue Chance zu bekommen.

„Mein Leben war hart und teilweise hässlich“, so Chima beim Interview in einem hippen Berliner Hotel. „Es gab Phasen in den letzten Jahren, in denen sich der Lebensentwurf als brotloser Künstler in keiner Weise mehr mit der Realität, nämlich dem Druck, eine Familie zu ernähren, vereinbaren ließ.“ Zumal er es ablehnte, in einer der Castingshows im TV sein Glück zu versuchen, der Grund: „Dort werden nur Interpreten fremder Songs gesucht. Ich aber wollte unbedingt meine eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen.“

Dennoch verlor Chima nie den letzten Rest des Glaubens an sich und seine Musik. „Rückblickend sagt sich das leichter, als wenn man mittendrin im Schlamassel steckt: Aber die Krisen waren wichtig und entscheidend dafür, dass ich den Schalter umlegen und die letzte Ausfahrt nehmen konnte.“

Besagte Ausfahrt war ein neuer Plattenvertrag, letztlich auch wieder der Glaube ans eigene Schaffen und jetzt das Ergebnis – ein Album namens „Stille“, das man so vom einstigen Rapper nicht erwarten konnte. Chima singt nämlich jetzt. Und zwar Pop, ohne viele Schnörkel, aber mit Inhalt und vielleicht einem Tick mehr Lebenserfahrung als die erfolgreich gewordenen Kollegen wie Andreas Bourani oder Tim Bendzko, mit dem Chima jüngst auf Tournee war.

Innerhalb des momentan schwer gefragten Deutsch-Pop-Genres sticht „Stille“ insgesamt und trotz des Titels mit einer gewissen Flottheit und überdurchschnittlich optimistischen Tönen („Fliegen“, „Risiko“) heraus. „Die Euphorie dieser Songs ergibt sich aus meinem Werdegang. Ich kenne düstere, schlimme Zeiten. Und jetzt genieße ich es, wenn es langsam hell wird um mich herum“, so der Sänger.

Die Nähe zum Hip-Hop deutet Chima dabei mit tanzbaren Elektro-Beats gelegentlich noch an, etwa im Partysong „Mariechen“. „Ich verleugne meine Wurzeln keineswegs“, sagt er. „Bloß kam ich beim Rappen irgendwann an meine Grenzen. Ich habe nur mit Sprache gearbeitet, wollte aber auch gerne Melodien, Atmosphäre und Gefühl in meine Lieder integrieren. Und das geht nur beim Singen.“

Chimas größter Gegner beim Vollenden von „Stille“ war die eigene Antriebsschwäche, und wohl auch die Furcht, ein weiteres Mal zu scheitern. „Ich musste viele Widerstände überwinden“, sagt er, „um am Ende dieses Ergebnis vorweisen zu können. Der größte Widerstand war meine eigene Trägheit.“

Mit letzterer befasst er sich ausgiebig auf seiner Single „Morgen“. In dem ziemlich gut gelaunten Sommerhit-Anwärter geht es darum, „dem Leben nicht länger hinterherzuhinken, sondern die Dinge anzupacken und endlich etwas aus seinen Möglichkeiten zu machen“. Chima lässt dem Song Taten folgen und hofft nun, „dass meine Kunst nicht brotlos bleiben wird“.

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