Der Junge mit der Panda-Maske

Shootingstar mit Panda-Maske: Der Rapper Cro.
Shootingstar mit Panda-Maske: Der Rapper Cro. Foto: Cro

Cro, das ist der Rapper mit der Panda-Maske. Sein erstes Album ist noch nicht auf dem Markt, da hat der blutjunge Stuttgarter schon einen sagenhaften Hype ausgelöst. Das offizielle Video zu seiner Debütsingle „Easy“ wurde seit vergangenem November 20 Millionen Mal aufgerufen. Am 6. Juli erscheint Cros Album „RAOP“. Der Titel ist ein Kunstwort, das sich aus Rap und Pop zusammensetzt. Viele Konzerte seiner anstehenden Tour sind schon jetzt ausverkauft, so auch das Konzert am 27. Oktober in der Posthalle Würzburg. Wir haben mit dem Shootingstar, der im wahren Leben Carlo heißt, gesprochen.

Frage: Guten Tag, Cro. Oder möchten Sie lieber Carlo genannt werden?

Cro: Grad habe ich die Maske nicht auf, da bin ich Carlo. Aber wir reden ja eigentlich über meine Platte. Also nennen Sie mich bitte Cro!

Cro, Ihr Sprachwitz und Ihr ausgeprägter Sinn für Melodien erinnert an Hip-Hop-Pioniere wie Die Fantastischen Vier oder Freundeskreis. Fühlen Sie sich diesen Stuttgartern verbunden?

Cro: Die habe ich in meiner Kindheit gefeiert. Kolchose und Max Herre finde ich immer noch cool. Von den Fantas hingegen nur zwei oder drei Tracks. Ich war acht, als mir mein Bruder die erste Beginner-Platte gab, „Bambule“. Das war meine Mucke. Ich dachte: Wenn ich mal Musik mache, dann nur solche.

Und jetzt treten Sie sogar zusammen mit Jan Delay auf.

Cro: Das ist auf jeden Fall krass. Hätte ich niemals gedacht. Meine Musik war immer nur Hobby, der Erfolg kam einfach irgendwie. Ich nehme ihn jetzt ein paar Jahre mit und dann ist es gut. Musiker kommen und gehen. Irgendwann wird auch meine Zeit vorbei sein. Oder ich werde so einer wie Max Herre sein, der auch nach 20 Jahren noch am Start ist.

Jan Delay bezeichnete Sie als die Zukunft des Deutsch-Rap. Spornt Sie das an?

Cro: Auf jeden Fall. War ein krasses Gefühl, als ich den Post morgens im Bett am Laptop las. Mir wurde schlagartig bewusst, dass sich jetzt etwas verändert und ich Gas geben muss, damit ich das Versprechen einhalte. Dieses Ziel verfolge ich immer noch. Mit Jan bin ich auf jeden Fall down, wir haben schon ein paar Mal miteinander gequatscht.

Sie bezeichnen Ihre fröhliche Musik als Raop, eine Mischung aus Indie, Pop und Rap. Sind Sie angetreten, den deutschen Hip-Hop neu zu erfinden?

Cro: Im Hip-Hop wird doch ständig ausprobiert. Drake rappt zum Beispiel nur noch über Flächen komplett ohne Drums. Sobald es etwas Neues gibt, wird es innerhalb der Popmusik nachgemacht und ausgewalzt. Für mich ist Hip-Hop noch immer nicht langweilig, obwohl ich auch schon zehn, zwölf Jahre damit beschäftigt bin. Ich bin jetzt um die 20 und bereits ein Jungveteran.

Was hebt Sie von den vielen anderen Deutsch-Rappern ab?

Cro: Die Einfachheit und Lockerheit. Meine Lieder kann man auch nebenbei dudeln lassen. Meine Botschaft lautet: Locker bleiben, Kumpels!

Der Spiegel schrieb über Sie: „Der deutsche Hip-Hop-Mainstream macht jetzt auf freundlich, im Kommen sind Rapper wie der brave Schwabe Cro.“ Ist sorglose Musik in diesen Zeiten angebracht?

Cro: Ich fand die Aggro-Zeit cool, damals war ich schon am Start. Es wäre aber doof, wenn ich jetzt anfangen würde, über Drogen zu rappen. Das passt nicht zu mir. Meine Droge ist Liebe. Oder Musik. Ich war ein ganz normaler, durchschnittlicher Jugendlicher und sicher kein Rebell.

Haben Sie auch schon kritische Texte geschrieben, z.B. über Stuttgart 21?

Cro: O Gott! Mit so was befasse ich mich nicht. Mit meiner Musik will ich die Menschen von solchen Themen wegholen. Ich habe auch schon mal versucht, tiefgründigeres oder nachdenklicheres Zeug zu schreiben, aber das ist alles auf der Festplatte geblieben. Wenn ich mal schlecht drauf bin, habe ich keine Lust zu schreiben. Ich mache nur Musik, wenn ich fröhlich bin. Dabei kommt natürlich auch nur Schönes raus.

Das offizielle Video zu Ihrem Song „Easy“ wurde bereits 20 Millionen Mal aufgerufen. Zudem haben Sie fast 900 000 Facebook-Fans. Kommt Ihnen der Hype ein bisschen unheimlich vor?

Cro: Solche Zahlen haben in Deutschland nicht viele. Momentan ist „Easy“ der Shit. Warum sollte es mir Angst machen? Ich habe eine Maske, mir kann nichts passieren, ich bin geschützt. Ich habe den Hype nicht gemacht, ich kann daran nichts ändern. Ich nehme den jetzt mit und sage mir: Immer schön genießen!

Wie gehen Sie damit um, plötzlich ein gefragter Popstar zu sein?

Cro: Natürlich ist es krass, wenn alle Mädels ausflippen. Theoretisch könnte ich einmal mit den Fingern schnippen und schon hätte ich fünf an der Hand. Aber das mache ich nicht. Das Krasse erlebe ich ja nur, wenn ich diese Maske trage. Ohne Maske ist eigentlich alles gleich geblieben. Die Maske erdet mich. Und mein Umfeld natürlich. Mein Label und meine Freunde kümmern sich um mich. Keine Sorge, ich bleibe, wie ich bin. Ich bin immer noch derselbe „Idiot“ wie immer.

Wann haben Sie beschlossen, eine Panda-Maske zu tragen, um Ihre Identität zu schützen?

Cro: Die Maske hatte ich schon im Herbst 2011. Damals war es eher ein Gag, es standen ja noch keine hundert Menschen vor der Bühne. Nach den sieben Auftritten im Vorprogramm von Madcon im November ist dann die Bombe explodiert. Da war ich aber froh, dass ich diese Maske hatte.

Manche behaupten, die Panda-Maske sei eine geschickte Promo-Strategie.

Cro: Könnte man auch so nennen, klingt aber ein bisschen ekelhaft. Mit Strategien, Plänen und Zielen habe ich es nicht so. Im Leben muss man immer spontan agieren, um ans Ziel zu kommen.

Sie haben bei einem kleiner Stuttgarter Label unterschrieben, Chimperator Productions. Angeblich hat Ihnen die Musikindustrie astronomische Summen geboten. Wie konnten Sie dieser Verlockung widerstehen?

Cro: Viele hätten das Geld sicher angenommen, es in einen Koffer gepackt und tschüss gesagt, um sich ein schönes Leben auf einer Insel zu machen. Für mich sprachen aber viele Punkte dagegen, mit einem Majorlabel zu arbeiten. Der erste war, dass die familiäre Arbeitsatmosphäre darunter leidet. Zudem bekommen die Majors ein Viertel vom Kuchen, ohne viel dafür zu tun. Wir dachten, das kriegen wir auch alleine hin. Jetzt schießen wir den Vogel ab.

Zur diesjährigen Echo-Verleihung wünschten sich die Verantwortlichen der Majorcompanies nichts sehnlicher, als das neue Wunderkind der deutschen Musiklandschaft Cro dort begrüßen zu dürfen. Jedoch schickten Sie einen Doppelgänger zum Echo. Was hat dieser dort erlebt?

Cro: Er hat die volle Ladung Stars, Fashion und Glamour gesehen. Arschkriecherei wahrscheinlich auch. Wir haben uns einen Spaß draus gemacht und einfach irgendjemanden mit einer Panda-Maske dahin geschickt. Es war der Praktikant vom Juice-Magazin. Für den war es auf jeden Fall witzig. Wofür ich ihn allerdings beneide, ist die Tatsache, dass er beim Echo mit Sido gesprochen hat. Sido ist ein bisschen mein Vorbild, er hatte ja auch eine Maske und könnte mir vielleicht Tipps geben.

Bis vor kurzem drückten Sie noch die Schulbank. Haben Sie Ihr Fachabitur bestanden?

Cro: Ich habe mein Fachabi auf Eis gelegt, weil ich keine Zeit mehr für schulische Dinge habe. Eigentlich wollte ich Produktdesign studieren. Das Künstlerische steckt mir in den Genen. Mein Opa hat große Leinwände bemalt und war auch sehr musikalisch. Eigentlich war er Oberschulrat. Eine meiner Schwestern studiert Produktdesign in London.

Cro und Carlo – inwieweit sind das verschiedene Personen?

Cro: Eigentlich sind die genau gleich. Nur der eine „Idiot“ hat halt eine Maske auf und der andere nicht. Als Carlo bin ich zurückhaltend, zuvorkommend und höflich, aber ich kann auch ohne Maske mal auf den Putz hauen.

Was haben Sie sich für Ihre Solo-Tournee vorgenommen?

Cro: Ich werde mit einer fetten Band jede Halle zerstören. Es wird lustig. Aber man muss schnell sein, weil viele Konzerte schon ausverkauft sind.

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