Ein Junge als Kindermädchen

Ist als Au-pair in den USA: Lennart, 20, aus Fulda. Foto: Franke

Erzieherin, Grundschullehrerin, Krankenschwester – das sind typische Frauenberufe. Mechatroniker, Schreiner, Ingenieur – das sind typische Männerberufe. An diesem Donnerstag haben Mädchen beim Girls' Day die Möglichkeit in typische Männerberufe reinzuschnuppern und Jungs können beim Boys' Day typische Frauenberufe kennenlernen. Der 20-jährige Lennart aus Fulda macht das schon seit einem halben Jahr. Er ist als Au-pair in den USA. Dort kümmert er sich um die Kinder und den Haushalt in einer Familie. Lauter Tätigkeiten, die nicht unbedingt als männlich gelten. Nur zehn bis 13 Prozent der Au-pairs sind Jungs.

Nach dem Abitur wollte Lennart sich ein Jahr frei nehmen und unbedingt ins Ausland. Die USA waren schon immer sein großer Traum. „Als ich auf die Möglichkeit eines Au-pair-Jahres gestoßen bin, war mir klar: das machst du“, sagt Lennart.

Als er seinen Freunden von seinen Plänen berichtete, musste er sich schon mal ein „Du wirst Kindermädchen!“ anhören. Lennart glaubt aber: „Sie haben das nicht ernst gemeint und eher aus Neid auf meinen Arbeitsplatz in der Nähe von New York gesagt.“ Seine Familie und seine Freundin haben ihn unterstützt und gesagt, er solle machen, worauf er Lust habe. Auch das Umfeld der Gastfamilie ist an Au-pair-Jungs gewohnt, Lennart hat sechs Vorgänger.

Schon vor dem Au-pair hat Lennart Erfahrungen im Umgang mit Kindern gesammelt: „Ich habe einmal wöchentlich eine Kindertagesgruppe beaufsichtigt und war in meinem Verein für die jüngste Gruppe Volleyballtrainer. So konnte ich mir gut vorstellen, ein ganzes Jahr für die Kinder einer Gastfamilie Verantwortung zu übernehmen“, erzählt er.

Lennart hat zwei Jungs – elf und 13 Jahre – in seiner Obhut. „Manchmal frage ich mich, ob es nicht schöner wäre, auf kleinere Kinder aufzupassen, weil man mehr mit denen erleben könnte. Es ist am schönsten, wenn ich ein bisschen Freizeit mit den Jungs habe, am liebsten spielen wir dann draußen Baseball, Basketball oder Fußball“, so der 20-Jährige. Zu Lennarts täglichen Aufgaben gehört es, das Abendessen zuzubereiten. „Ich würde mich selber noch nicht als guten Koch bezeichnen“, sagt er, „aber ich finde, es schmeckt gar nicht so schlecht.“ Das Anspruchsvollste, was er zubereiten müsse, sei paniertes Fischfilet. „Ich habe schon zu Hause immer mal mit Freunden gekocht und ein bisschen was von meiner Mutter abgeschaut. Auch Internetseiten und Kochbücher helfen mir ganz gut.“ Lennart würde gerne einmal andere Speisen zubereiten, aber der Kleinste sei sehr wählerisch und probiere nicht gerne Neues. Deswegen hat Lennart nur eine geringe Auswahl an Gerichten.

Einmal die Woche muss er außerdem die Wäsche machen, was ihm weniger Spaß macht, aber „es gehört dazu, also mache ich es auch“, erzählt er. Zu Hause habe er fast nie gewaschen. „Ich habe nach einem Streit mit meiner Mutter einmal selber waschen müssen. Seitdem weiß ich, dass man Wollpullover nicht in den Trockner tut.“

Die Aufgaben eines Au-pairs sind von Familie zu Familie unterschiedlich. „Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein Junge bin. Ich werde genauso eingebunden, wie jedes andere weibliche Au-pair“, berichtet Lennart. Sicherlich typisch für ein männliches Au-pair sei es aber, dass er bei technischen Problemen jeglicher Art immer erster Ansprechpartner sei.

Das Jahr in den USA hat Lennart hinsichtlich seiner Berufswahl aber nicht umgestimmt. Er wird am 1.Oktober ein BWL-Studium beginnen.

Der 20-Jährige freut sich schon darauf, später seine eigenen Kinder aufzuziehen. „Das war mir aber schon vorher klar. Das Au-pair-Jahr hat mir auf jeden Fall viel in Bezug auf Kindererziehung gezeigt.“

Lennarts Tipp an die Jungs: „Wenn euch ein Au-pair Jahr interessiert, dann versucht es einfach! Es gibt zwar Agenturen, die keine männlichen Au-pairs vermitteln, weil die Chancen, dass man genommen wird, zu niedrig seien. Aber viele Gastfamilien suchen gezielt nach männlichen Au-pairs. Es gibt zwar einen großen Mädchenüberschuss, aber warum sollten wir das nicht genau so gut können wie die Damen der Schöpfung?“

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