Frida Gold: Mit viel Haut und ohne Haare

Mensch Mädchen, wer hat dir denn gesagt, dass du auf der Bühne nix Gescheites anziehen sollst? Hast du nicht gefroren in der halbleeren Würzburger Posthalle? Schwarzer String, schwarzer BH, drüber nur ein hauchdünner, transparenter Overall – ach Alina, hast du das wirklich nötig? Nein! Nicht, dass Alina Süggeler in Unterwäsche schlecht aussehen würde, wahrlich nicht. Aber: Die Sängerin der deutschen Elektro-Pop-Band Frida Gold kann richtig gut singen. Da hätte der Overall auch blickdicht sein dürfen.
Die Haare sind ab: Alina Süggeler, Sängerin von Frida Gold, zeigt sich beim Konzert in Würzburg mit neuer Frisur.
Die Haare sind ab: Alina Süggeler, Sängerin von Frida Gold, zeigt sich beim Konzert in Würzburg mit neuer Frisur. Foto: chris weiss

Blickdicht ist aber nicht ihr Ding. Frau Süggeler mag's freizügig, vergisst schon mal Rock oder Hose ganz. Dafür dürfen die Absätze umso höher sein. Angst, dass sie damit hinfällt, müssen die knapp 400 Fans in Würzburg aber nicht haben. Die 26-Jährige wackelt mit dem Po und tanzt wild herum. Tanzt, tanzt, tanzt. Und singt auch immer wieder davon. „Wie man tanzt, so ist man im Bett“, ist eine ihrer Lebensweisheiten. Nun ja, sie tanzt gut.
 

Musik gibt's aber auch. Natürlich tanzbare. Frida Gold stürmen mit ihrer Mischung aus Disco-Pop sowie dezenten Prisen Elektro und Indie derzeit die Charts. „Juwel“ heißt die Debut-Scheibe der Bochumer. „Zeig mir wie du tanzt“ reißt die tanzwütige Zuhörerschaft mit. „Unsere Liebe ist aus Gold“, die aktuelle Single, nicht weniger. Das Gold im vom Bosse-Song „Frida“ inspirierten Bandnamen haben Alina Sügeler und Co. übrigens ausgewählt, weil Gold halt so schön glänzt. Leider klingen ihre Songs auf Dauer dann genauso so vom Reißbrett und kommerzorientiert zusammengeschustert.

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Ansätze sind freilich ausreichend da, dass das mit dem Geldverdienen auch längerfristig klappen kann. Alina Süggeler singt kräftig und klar, trommelt hie und da dazu, spielt auf einer 80er-Jahre-Blasharmonika – das hat Pep. Julian Cassel, ihr musikalischer Weggefährte seit Schülerband-Tagen, zeigt in ein paar hübschen Soli, dass er ordentlich Gitarre spielen kann. Bassist Andreas Weizel schreibt zwischendurch originelle Textzeilen. Lediglich Thomas Holtgreves Schlagwerk klingt ein bisserl arg dumpf. Ausschließlich live dabei ist Keyboarder Andre Pittelkau – schade eigentlich, würde er auch im Studio den Computer ersetzen, Frida Golds Musik würde immer diese entscheidende Nuance lebendiger klingen.

Lebendig sind Frida Gold in der Posthalle allemal. Spätestens im mit nur drei Songs bestückten, aber einigen gekonnten musikalischen Seitensprüngen aufgepolsterten Zugabenteil, ist das Publikum aus dem Häuschen. Wen wundert's: „Wovon sollen wir träumen?“, der offizielle ZDF-Song zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft im Sommer, ist eine Hammer-Nummer. Da zeigen die Fünf, was sie drauf haben. Das ist einfallsreicher Pop, dessen einziger Makel es ist, dass der Rest bisweilen wie eine schwache Kopie davon klingt. Eine Kopie hätten Frida Gold ohnehin sein lassen sollen: An Spandau Ballets „Gold“ sollte man sich nicht vergreifen, nur weil Gold halt so schön glänzt.

Vergriffen hat sich auch Alina Süggelers Friseur: Er hat dem nebenberuflichen Lanvin-Model, vom Magazin „Grazia“ zu einer der zehn schönsten Frauen der Welt gewählt, zwei Tage vor dem Würzburg-Gastspiel eine Sinead-O-Connor-Beinahe-Glatze verpasst. „Das ist so schön, sich morgens nach dem Aufstehen nicht auf die Haare konzentrieren zu müssen“, verrät die Sängerin. Mensch Mädchen, wer gibt dir nur all diese Ratschläge?

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