GRAFENRHEINFELD

Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico

450 Atomreaktoren weltweit erzeugen nach der Statistik der Internationalen Atomenergiebehörde (Wien) derzeit Strom. Sie alle produzieren aber auch Abertausende Tonnen von hochradioaktivem Müll. Und ein Endlager gibt es nirgends.

In Olkiluoto an der Westküste Finnlands soll das erste in Betrieb gehen – irgendwann nach 2020, wie Betreiber Posiva Oy bekannt gab; Baubeginn war 2004. Was machen die anderen Staaten, bis sie wissen, wohin das strahlende Erbe endgültig gebracht werden soll?

Vorbild in den Niederlanden

Mit großem Interesse blicken auch Atomkraftkritiker in die Niederlande. In Borssele steht ein Zwischenlager, das dem Standard ähnelt, den man sich auch in Deutschland wünscht. Dennis Köhnke von der technischen Universität Braunschweig stellte es bei einer Tagung von Atomkraftkritikern und Wissenschaftlern in Würzburg vor. 1,7 Meter dick ist der Stahlbeton, der die Brennelement-Behälter schützen soll.

Zudem ist dort eine sogenannte „heiße Zelle“ eingebaut. Mit ihr sollen Container gewartet und sie im Fall eines Lecks auch repariert werden.

Castor als Sicherheitsgarantie

Zum Vergleich das Zwischenlager in Grafenrheinfeld: Seine Mauern sind „nur“ 0,85 Meter stark. Das Sicherheitskonzept sieht allerdings vor, dass der Schutz von der Hülle der Castoren ausgeht, die selbst dem Aufprall eines Flugzeugs standhalten sollen, selbst wenn die Halle dann zerstört sein sollte. Wände und Böden der Castoren bestehen aus Gusseisen und sind 40 Zentimeter dick.

Forschung in Frankreich

Köhnke verwies auf Frankreich, den zweitgrößten Atommüllproduzenten der Erde: Dort sei man 1991 in die Zwischenlagerforschung eingestiegen und habe mehrere Lagerungskonzepte entwickelt. Unter anderem haben die Studien ergeben, dass man die Folgen einer Lagerung über 100 Jahre hinaus nicht vorhersagen könne.

Seit wenigen Jahren wird auch in Deutschland intensiver geforscht: Im Projekt „Entria“ hat das Bundesforschungsministerium 13 Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Deutschland und der Schweiz gebündelt, um Entsorgungsoptionen für radioaktiven Abfall zu erkunden. Dies könne aber nur der Anfang sein, sagt Ursula Schönberger vom Fachportal atommuellreport.de, einem Zusammenschluss atomkritischer Organisationen.

Neue Konzepte in England

In Großbritannien ist man laut Köhnke zu dem Schluss gekommen, dass in der Lagerung Wartungspläne zum Tragen kommen, bei dem einzelne Komponenten wie etwa Behälterdichtungen eine bestimmte Lebensdauer zugesprochen wird, nach denen sie ausgetauscht werden. Ähnlich dem Zahnriemen eines Automotors, den man nach einer bestimmten Kilometerleistung erneuern sollte.

In anderen Ländern sind zum Teil ganz andere Lagerungskonzepte im Einsatz. In Kanada stehen die Behälter mit verbrauchten Brennelementen im Freien – lediglich mit einem Betonmantel umhüllt. In den USA sind in der Wüste von New Mexico ebenso solche Lagerstätten zu finden. Sie lägen in extrem weitläufigen Wüsten, deswegen seien weitere Schutzmaßnahmen nicht nötig. Alternativ werden die Container in eine Art Baugrube gestellt, die dann mit Beton und Erde aufgefüllt wird.

Kasachstan wirbt um Atommüll

Auch in Kasachstan stehen Behälter unter freiem Himmel. Dessen autokratischer Präsident Naserbajew habe sogar dafür geworben, Atommüll zu importieren, um die Staatskasse aufzufüllen.

Rückblick

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