Bravouröse Leistung trotz mangelnder Eignung

Daniel Fuchs war nie ein schlechter Schüler. Doch für das Gymnasium oder die Realschule reichten Daniels Noten eben nicht – sie reichten nur für die Hauptschule. Dies wollten Daniels Eltern nicht akzeptieren. Sie ließen ihren Sohn die vierte Grundschulklasse wiederholen und ermöglichten ihm, weil die Noten auch im zweiten Durchlauf nicht genügten, den Besuch einer Privatschule. „Und das war sehr gut so“, sagt heute rückblickend Daniels Mutter Birgitta Fuchs aus Lindflur (Lkr. Würzburg).

Frage: Warum wollten Sie nicht, dass Daniel auf die Hauptschule geht?

Birgitta Fuchs: Daniel ist begabt, in Mathematik sogar sehr. Aber möglicherweise auch, weil Daniel eine bescheinigte Lese-Rechtschreib-Schwäche hat, haben die Noten seine Fähigkeiten nicht widergespiegelt. Die Hauptschule wäre für ihn nicht die richtige Schule gewesen. Sie hätte ihn nicht genügend gefordert.

Wie hat Daniel selbst reagiert, als ihm bewusst wurde, dass er mit drei Dreiern in den Hauptfächern „nur für die Hauptschule geeignet“ ist?

Fuchs: Nach außen hin hat er den Eindruck erweckt, ihm sei alles andere wichtiger als ausgerechnet die Schule. Hat man dann nachgefragt, hat sich schon gezeigt, dass er sehr darunter gelitten hat.

Wessen Idee war es, Daniel die vierte Klasse wiederholen zu lassen?

Fuchs: Ja, es war schon meine Idee. Aber die Klassenlehrerin in seiner Grundschule hat das unterstützt, hat gesagt, Daniel sei noch sehr verspielt. Sie hat gemeint, er brauche eben noch ein Jahr. Wir hatten sicher beide die Hoffnung, dass Daniel beim zweiten Durchgang einen Zweier-Schnitt schafft.

Hatten Sie nicht Angst, dass Außenstehende Sie als Mutter sehen, die ihr Kind um jeden Preis aufs Gymnasium pushen will?

Fuchs: Damit hätte ich durchaus leben können. Das war für mich kein Thema. Leider hat es dann mit dem Besuch des Gymnasiums ja nicht geklappt.

Obwohl Sie mit Ihrem Sohn sicherlich auch gelernt haben . . .

Fuchs: Schon, doch. Ich habe mit ihm Hausaufgaben gemacht. Nicht kontinuierlich, weil ich arbeite. Aber wenn ich da war schon. Der Großvater hat Daniel in Deutsch geholfen, der Vater in Mathe.

Wir sprechen jetzt über die Zeit, wo Daniel zweimal die vierte Klasse absolviert hat – und sie zweimal ohne Übertrittsempfehlung beendet hat. Hatten Sie nicht die Befürchtung, dass ihn das extrem runterzieht?

Fuchs: Doch, schon. Damals hatte uns der Direktor eines Würzburger Gymnasiums angeboten, den Jungen auch ohne Übertrittsempfehlung ein halbes Jahr zur Probe aufs Gymnasium gehen zu lassen. Das haben wir dann doch nicht gemacht, weil wir befürchtet haben, er könne ein drittes Jahr verlieren.

Sie haben sich dann für das private Bildungswerk Marktbreit entschieden, wo Hauptschüler nach Realschullehrplan unterrichtet werden.

Fuchs: Ja, das Problem war ja, dass Daniel die Aufnahmeprüfung für die Realschule nicht geschafft hat. Uns blieb also nur das Bildungswerk Marktbreit, eine private Einrichtung, die an die staatliche Leo-Weismantel-Realschule Marktbreit angeschlossen ist. Dort werden Schüler ungeachtet ihrer Noten aufgenommen und nach Realschullehrplan unterrichtet. Zum Schuljahresende haben sie die Möglichkeit, die Aufnahmeprüfung für Realschulen zu machen – und bei Erfolg wechseln sie an die Staatliche Realschule.

Frage: Und wie ist es Daniel dort ergangen?

Fuchs: Er hat am Ende der fünften Klasse die Aufnahmeprüfung für die Realschule gemacht und bravourös bestanden. Er ist jetzt in die staatliche Schule gewechselt. Mittlerweile besucht er dort die siebte Klasse. Wir sind sehr zufrieden. Diese Schule umgeht das bayerische Bildungssystem – und das ist gut.

FRage: Es war also die richtige Entscheidung?

Fuchs: Auf jeden Fall.

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