AUGSBURG

Wirksam gegen Schmerzen

Nur unter ärztlicher Aufsicht eine sichere Schmerztherapie: Aus dem Milchsaft des Schlafmohns kann Opium gewonnen werden. In ihm ist Morphin enthalten, ein natürliches Schmerzmittel.
Nur unter ärztlicher Aufsicht eine sichere Schmerztherapie: Aus dem Milchsaft des Schlafmohns kann Opium gewonnen werden. In ihm ist Morphin enthalten, ein natürliches Schmerzmittel. Foto: imago

Viele Menschen haben Vorbehalte gegen Opioide. Dabei haben diese Medikamente gemäß aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien einen wichtigen Stellenwert in der Schmerztherapie. „In akuten Situationen ist es notwendig, den Schmerz effektiv und rasch zu beseitigen und somit eine Chronifizierung zu verhindern“, so die Privatdozentin Dr. Renate Weber, Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie.

Heute würde man chronischen Schmerzen nicht machtlos gegenüberstehen, sagt sie. Es gebe zwar viele Patienten, die mit chronischem Schmerz leben müssten, weil der aus vielerlei Gründen nicht behandelt wurde. Doch habe sie es selbst in ihrer langjährigen Tätigkeit als Tumortherapeutin erlebt, dass alle Schmerzen gut eingestellt werden könnten. „Man kann zwar nicht immer versichern, dass Schmerzfreiheit erreicht wird – aber ein erträgliches Maß an Schmerzen ist möglich“, so Weber.

Dem stimmte Rita Aßfalg zu: Wichtig sei, als Patient nicht aufzugeben, sagt die Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga und Leiterin einer Selbsthilfegruppe in Ravensburg. Ihren Angaben zufolge werden etwa 30 bis 40 Prozent derjenigen, die an chronischen Schmerzen leiden, auch mithilfe von Opioiden behandelt.

Nur wenige Nebenwirkungen

Beim Einsatz von Opioiden bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Patient. Im Rahmen einer sogenannten multimodalen, also auf mehreren Säulen basierenden Therapie könnten durchaus Opioide zum Einsatz kommen. Zwar hätten Opioide ihren primären Stellenwert in der Tumorbehandlung, doch seien sie inzwischen aus dieser Nischenposition herausgetreten und hätten generell in der Schmerztherapie große Bedeutung erlangt. „Mit Opioiden haben wir eine sichere und nebenwirkungsarme Möglichkeit, Schmerzen unter Kontrolle zu bekommen“, erklärt die Schmerzexpertin Renate Weber.

Die Verordnung von Opioiden unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften, um Missbrauch zu verhindern. Daher muss mit dem Kranken ein „Patientenvertrag“ geschlossen werden. Selbstbehandlung oder Weitergabe der Opioide müssen ausgeschlossen sein. Auch gelte es, den Kooperationswillen des Patienten immer wieder zu überprüfen.

Viele Patienten haben Angst, dass sie von Opioiden abhängig werden. Oder sie glauben, dass sie nicht mehr lange zu leben haben, wenn sie schon Opioide erhalten sollen. Beides ist aber nicht richtig. Zum einen werden Opioide nicht nur am Lebensende eingesetzt, zum anderen „gibt es damit per se keine psychische Suchtproblematik“, sagt Weber. Wichtig sei, den Beginn der Einnahme ärztlich zu begleiten und die Therapie nicht plötzlich abzubrechen, sondern „auszuschleichen“.

Speziell zu Beginn der Therapie könne es zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Zittern oder Schwitzen kommen, doch klingen diese Nebenwirkungen üblicherweise nach einigen Tagen wieder ab. Eine längerfristige Nebenwirkung sei die Verstopfung, die man aber besonders durch die Medikamentenkombination Oxycodon/Naloxon oder durch den Einsatz einer Begleitmedikation in den Griff bekommen kann.

Sicherste Applikationsform der Opioide sei die Retardtablette, die in festen Abständen eingenommen wird, so Weber. Retardtabletten geben ihren Wirkstoff über einen Zeitraum von etwa zwölf Stunden kontinuierlich in die Blutbahn ab. „Über den Darm wird damit eine gleichmäßige Wirkstoffaufnahme erreicht“, sagt die Ärztin. Pflaster dagegen sieht sie problematisch: Wärmeeinwirkung könne dazu führen, dass mehr Wirkstoff abgegeben wird. Außerdem würden so große Restmengen der Opioide im Hausmüll entsorgt.

Opioide und Opiate

Als Opioide bezeichnet man unterschiedliche natürliche und synthetisch hergestellte Stoffe, die dem Morphin ähneln. Opiate bezeichnen morphin-artige Substanzen, die natürlicherweise im Opium vorkommen. Die im Opium enthaltene Verbindung Morphin ist das stärkste bekannte natürliche Schmerzmittel. Opium wiederum kann aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns gewonnen werden. Text: shs

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