WÜRZBURG

Zehn Jahre Forschergruppe Klostermedizin

Es war eine gute Idee, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Forschergruppe Klostermedizin in den Botanischen Garten der Universität einzuladen.
Anlässlich der Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Forschergruppe Klostermedizin im Botanischen Garten sprach Ul... Foto: FOTO THERESA MÜLLER

Dort, im Hörsaal über den Tropenhäusern, eröffnete Ulrike Bausewein mit ihrem Vortag „Herbipolis – Stadt der Kräuter, Gärten und des Weins“ einen Vortragsreigen, der sich um Pflanzen und Arzneipflanzenforschung rankte.

Die Kunsthistorikerin spannte den Bogen von Deutschlands ältestem Weinbuch, das ein gewisser Gottfried von Franken Ende des 12. Jahrhunderts in Würzburg verfasste, über den fürstbischöflichen Hof-und Residenzgärtner Johann Prokop Mayer, den Botaniker und Pflanzenphysiologen Julius Sachs, der 1868 durch sein Lehrbuch der Botanik berühmt wurde, Philipp Franz vom Siebold und seine ostasiatische Pflanzensammlung, Jens Person Lindahl, Schöpfer des Ringparks, bis zu Hans Burgeff, der in Nachkriegszeiten Würzburg durch seine Orchideenzüchtung weltweit ins Gespräch brachte.

Im heutigen Botanischen Garten der Universität am Dallenberg (Julius-von-Sachs-Platz 4), mit Prof. Dr. Markus Riederer geht die Forschung weiter.

Würzburg also ein Mekka der Pflanzen-Forschung, und damit prädestiniert als Standort für die „Forschergruppe Klostermedizin“, eine Initiative des Instituts für Geschichte der Medizin an der Uni in Kooperation mit der Pharmafirma Abtei. Im Gründungsjahr 1999 waren es vor allem zwei Wissenschaftler, die die Voraussetzungen schufen: Gundolf Keil, Inhaber des Lehrstuhls für Medizingeschichte, und Franz-Christian Czygan, Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Biologie.

Intensive Erforschung der Phytotherapie (Kräuterheilkunde) des Mittelalters begann, dazu gehörte Bewertung der alten Rezepturen, Übersetzung von Schriften und Zuordnung von Pflanzenzeichnungen zu Texten.

Experten der Altphilologie (Lateinisch und Griechisch) und der Mittelalterforschung, der Medizingeschichte, der Botanik, Pharmazie und Medizin wurden einbezogen.

Mit Erfolg wird an der Erstellung einer Datenbank zu mittelalterlichen Arzneipflanzen gearbeitet, 102 Pflanzenporträts wurden veröffentlichet, ebenso Forschungsergebnisse über das Heilwissen der Mönche und Klosterfrauen, die im 12. und 13. Jahrhundert mehr oder weniger alleine für kranke Menschen zuständig waren.

Medizinischen Handschriften, die in den fernen Klosterbibliotheken ruhen, in Armenien zum Beispiel, wo eine Heilerde entdeckt wurde, in Brasilien und anderswo, wurden übersetzt und geben Aufschluss.

Darüber und über die aktuellen Aufgaben informierte Dr. Johannes Gottfried Mayer, Sprecher der Forschergruppe. So berichtete er über Erfolge als Ideengeber für neue Produkte der Pharmaindustrie, wobei Johanniskraut, Hopfen und andere Heilpflanzen verwendet werden. Zugleich führte er in die Ausstellung ein, die anlässlich des Jubiläums im Foyer des Pflanzenhause zu sehen ist.

Gezeigt werden Abbildungen aus dem gemalten Herbarium des Benediktiner Mönches Vitus Auslasser, das er im Kloster Ebersberg im Jahr 1479 vollendet hat (zu sehen noch bis 18. Oktober). „Pflanzenabbildungen spielen eine wichtige Rolle bei der Identifizierung und Erforschung alter Rezepturen“, so Mayer, „diese Darstellungen erzählen mehr über eine Pflanze und ihre Anwendung als jede Fotografie.“

Bei Frankens beliebtestem Heilmittel, dem Silvaner in zuträglichem Quantum, und „Hildegardplätzchen“, gewürzt mit Muskat, Zimt und Nelke, gab es noch Gedankenaustausch zum großen Interesse der Öffentlichkeit an Kräuterbüchern und den Erkenntnissen der Klostermedizin.

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