WÜRZBURG

Erektionsprobleme: Damit ein Mann wieder Mann sein kann

Betroffen sind Millionen – gesprochen wird darüber nicht: Impotenz ist ein Tabu. Wir brechen es: Ein Würzburger Experte erklärt, was hilft, damit ein Mann wieder Mann sein kann.
Eine erfüllte Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil jeder Beziehung. Foto: FOTO DPA

Erektionsstörung, Potenzstörung, im Volksmund auch Impotenz: Das Problem hat zahlreiche Namen – und ist weit verbreitet. Es gibt Studien, die belegen, dass zehn Prozent aller Männer in Deutschland über Erektionsstörungen klagen, und dass jeder Fünfte zwischen 30 und 80 Jahren über längere Zeiträume oder auch dauerhaft keine Erektion bekommen kann. Erhebungen in den USA zeigen sogar, das über die Hälfte aller Männer jenseits der 40 mehr oder weniger große Probleme mit ihrer Erektionsfähigkeit haben.

Experten wie Dr. Markus Letsch von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Würzburg sprechen von einer „erektilen Dysfunktion“, so der Fachjargon, wenn es „dem Mann über einen gewissen Zeitraum hinweg, etwa über ein halbes Jahr, in der Mehrzahl der Versuche nicht gelingt, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion des Penis' zu erzielen oder beizubehalten“.

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit nahm die Medizin noch an, dass vorwiegend psychische Ursachen wie Stress Impotenz auslösen – heute weiß man, dass „in der Mehrzahl organische Leiden eine große Rolle spielen“, sagt Letsch. „Häufig ist eine erektile Dysfunktion Symptom für oder Vorbote von weiteren Grunderkrankungen“, wie der Koronaren Herzkrankheit (KHK, eine Erkrankung der den Herzmuskel versorgenden Herzkranzgefäße, Gefahr des Herzinfarkts!), Schlaganfall, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Impotenz kann also immer auch auf eine Gefäß-Erkrankung hinweisen. Hauptrisikofaktoren sind Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Diabetes, Bluthochdruck.

Blutfluss und Blutabfluss

„Ausmaß und Dauer einer Erektion“, sagt Letsch, „hängen vom Blutfluss und Blutabfluss in den Schwellkörpern des Penis' ab.“ Die Erektion wird durch ein komplexes Zusammenspiel zwischen zu- und abführenden Gefäßen (Arterien und Venen) gesteuert. Holzschnittartig ausgedrückt funktioniert das so: Im nicht erigierten Zustand sind die zuführenden Arterien nahezu verschlossen. Wird Mann sexuell erregt, entspannen sich die Arterien, der Gefäßquerschnitt wird größer, Blut fließt in die Schwellkörper, kann aufgrund einer Bindegewebsschicht um dieselben über die Venen nicht abfließen und löst eine Erektion aus.

Oswalt Kolle, Deutschlands Oberaufklärer, erzählte mal: „Auf einem Kongress hat ein Dreißigjähriger zu mir gesagt: ,Muss ein Siebzigjähriger wirklich noch Viagra nehmen? Der hat doch schon genug schöne Sachen mitgemacht.' Ich habe geantwortet: ,Okay, gehen Sie zu Ihrem Großvater und sagen Sie ihm: Du brauchst keine Brille mehr, du hast schon genug gesehen.'“

Tatsache ist: „Die Häufigkeit der erektilen Dysfunktion steigt mit dem Alter“, sagt Letsch. Und: „Moderne Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, sogenannte PDE5-Inhibitoren wie Viagra, Cialis und Levitra sind ein Segen.“ Der Experte warnt vor Selbstmedikation wegen möglicher, in Kombination mit anderen Medikamenten sogar lebensbedrohlicher Nebenwirkungen und – da die blauen Pillen in Deutschland verschreibungspflichtig sind und nicht billig obendrein – vor der Eigenversorgung aus dem Internet, nicht zuletzt wegen des großen Risikos, gefälschte, unwirksame oder verunreinigte Tabletten zu bekommen. Dennoch sind diese Medikamente heute erstmal das Mittel der Wahl bei der Therapie. Helfen sie nicht, können sogenannte Prostaglandine Alternativen sein, die vor jedem Geschlechtsverkehr in den Penis gespritzt (sogenannte SKAT-Methode, Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) oder in die Harnröhre eingebracht werden müssen. Ergänzend kann der Urologe das Hilfsmittel Penispumpe verschreiben. Aufgrund dieser Behandlungsmethoden sei heute eine operative Versorgung nur in Ausnahmefällen angezeigt, das kann bis zu einer Penisprothese gehen, die vor dem Verkehr mit einer im Skrotum (Hodensack) liegenden Pumpe zum Stehen gebracht wird.

Neben Vermeidung der Risikofaktoren sind laut Androloge Letsch vor allem „ein gesunder Lebenswandel und körperliche Fitness“ geeignet, einer erektilen Dysfunktion vorzubeugen. Viele trauen sich aus falscher Scham nicht, das Problem anzusprechen, weder bei der Partnerin noch beim Arzt. Letsch, in dessen Sprechstunde (siehe „Im Blickpunkt“) „auch Paare willkommen sind“, rät: „Je eher behandelt wird, desto größer ist die Chance, Langzeitschäden zu vermeiden und die Fähigkeit zur Erektion vollständig wieder herzustellen. Außerdem ist es dann auch leichter, andere, schwerwiegende Erkrankung zu erkennen und zu therapieren.“

Im Blickpunkt

Männersprechstunde der Uniklinik Andrologie – das Pendant zur Gynäkologie – ist ein Spezialgebiet der Medizin, lässt sich als „Männerkunde“ übersetzen und befasst sich mit den Fortpflanzungsfunktionen des Mannes und deren Störungen. Eine sogenannte Männersprechstunde, deren Schwerpunkte Impotenz, männliche Unfruchtbarkeit sowie die Sterilisationen des Mannes zur Empfängnisverhütung (Vasektomie) sind, bietet die Klinik für Urologie und Kinderurologie des Würzburger Uniklinikums an. Freitags von 8 Uhr bis 12 Uhr, Tel. (09 31) 2 01 - 3 21 00.

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