Helge Schneider und die Elchsuppe

„Ich muss erfinden können“: Helge Schneider in Aktion. Foto: dpa

Helge Schneider, 54, sitzt im plüschigen „Handelshof“, dem besten Hotel seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. Der Entertainer ist gut gelaunt und plaudert über Elchsuppe, Kinder und sein neues Bühnenprogramm „Komm hier haste 'ne Mark!“, mit dem er am 21. Februar im Würzburger Congress Centrum gastiert.

Frage: Rechnen Sie noch in Mark?

Helge Schneider: Ja, ich rechne noch immer in D-Mark. (Er schnüffelt an seinem Pullover). Ich rieche immer noch nach dieser Elchsuppe.

Welche Elchsuppe?

Schneider: Man hat mir unlängst den „Göttinger Elch“ verliehen, das ist ein Satire-Preis. Da habe ich 99 Dosen Elchsuppe bekommen. Die stehen jetzt bei mir zu Hause rum, und gerade heute Morgen habe ich mal eine aufgemacht.

Schmeckt die Suppe denn?

Schneider: Ich habe befunden, dass ich sie nicht den Hunden gebe. Weil sie zu salzig ist.

Sie haben fünf Kinder von vier Frauen, die ältesten drei sind inzwischen erwachsen. Tritt eines in Ihre Fußstapfen?

Schneider: Noch nicht. Am ehesten in meine Stapfen tritt gerade Frieda, die Kleinste. Die ist zwei. Wenn du der eine Banane gibst, sagt sie „Nee, nicht Banane. Wurst“. Kann also sein, dass sie mein Talent und meine Liebe zur Wurst geerbt hat.

Wie toll ist das, vor 25 Jahren schon kleine Kinder gehabt zu haben, und jetzt wieder? Ihr Sohn Henry aus einer früheren Beziehung ist auch erst sieben.

Schneider: Pass auf: Als die älteren Kinder groß wurden, da habe ich gedacht: Hoffentlich kriegen die bald mal Kinder, damit man auch mal wieder was Kleines auf dem Arm haben kann. Haben die aber nicht gekriegt. Und die kleinen Kinder kamen halt auf andere Weise zu mir. Dann war ich plötzlich wieder Vater anstatt Opa. Inzwischen bin ich aber auch Opa.

Wie sind Sie als Vater? Erziehen Sie Ihre Kinder mit einer Portion Anarchie?

Schneider: Ja, ich denke schon. Von mir kommt der Satz „Kinder müssen frech sein“. Nicht böse, aber frech. Dazu stehe ich auch, immer wieder. Wenn ein Kind frech ist, dann ist man manchmal auch genervt, klar, aber dann fällt mir immer wieder ein, dass ich ja gesagt habe, die sollen frech sein. Wobei man sich natürlich nicht tyrannisieren lassen sollte. Die können ja noch nicht so gut diskutieren und wollen durch ihr Geschrei jemanden dazu zwingen, das zu machen, was sie haben wollen. Aber dann muss man die auch manchmal schreien lassen und eben kein Bonbon geben. Sonst wird das immer schlimmer, und eines Tages wollen sie den roten Sportwagen.

Könnte man sagen, dass das gesamte Schaffen des Helge Schneider aus einem Spieltrieb heraus entsteht?

Schneider: Ja, das stimmt. Ich experimentiere, ich probiere aus, ich habe auch diese Grenze überschritten, die mir sonst das ästhetische runde Ganze gesetzt hat.

Was heißt das denn?

Schneider: Das heißt, wenn ich auftrete, breche ich manchmal Nummern mittendrin ab und fange was Neues an. Das ist überraschend für die Leute, sie verstehen es manchmal nicht. Ich finde dieses Fertige langweilig. Ich könnte nicht jeden Abend eine Sonate von Beethoven spielen. Ich will die Sonate zwar spielen, aber ich will auch mittendrin ein anderes Stück reinschneiden und total umdenken können.

Sie wissen also nicht genau, was bei Ihren nächsten Auftritten alles passiert?

Schneider: Nee.

Wie wichtig ist Ihnen Freiheit?

Schneider: Das Denken muss immer frei bleiben. Ich muss erfinden und fantasieren können, wie ich will. Die persönliche Freiheit in meinem Kopf – das ist der Hauptgrund, warum ich lebe. Das Drumherum, dass ich nicht frei sein kann, weil ich ins Ausland meinen Ausweis mitnehmen muss, das nehme ich in Kauf. Diese Grenzen wiederum zeigen mir meine persönliche Freiheit. Das heißt: Ich lasse dann meinen Ausweis zu Hause und übergehe mit meiner persönlichen Freiheit diese Grenzen. Ich wollte mal nach Polen laufen. Da haben sie mich zurückgeschickt, weil ich mir die Freiheit nicht nehmen ließ, meinen Ausweis nicht mitzunehmen. Muss aber dann damit rechnen, nicht reingelassen zu werden.

Sie sagen, Sie haben einen erzieherischen Auftrag. Würden Sie gern eine Castingshow leiten?

Schneider: Kein Interesse. Ich würde mich nie irgendwo hinsetzen und sagen „Du bist gut, und Du bist schlecht.” Diese Dreistigkeit würde ich mir niemals erlauben. Ich gucke das ja manchmal im Fernsehen, und finde das alles sehr zweifelhaft, wenn auch ganz unterhaltsam.

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