Energien richtig lenken

Tief durchatmen: mit emotionalem Management zu mehr Gelassenheit im Job.
Tief durchatmen: mit emotionalem Management zu mehr Gelassenheit im Job. Foto: Thinkstock

Die Fähigkeit zur Gelassenheit im Job besitzen nur wenige, und selbst für ausgeglichene Menschen wird es schwer, souverän zu bleiben, wenn die Arbeitsbelastung und der Zeitdruck hoch sind. Die Würzburger Unternehmensberaterin Hannelore Demel lehrt, wie emotionales Management helfen kann, die Gefühle in den Griff zu bekommen.

Frage: Wie merke ich, dass mit meinen Emotionen etwas nicht stimmt?

Hannelore Demel: Wenn ich mich unwohl fühle, Angst habe vor einer Situation im Beruf, häufig genervt bin oder merke, ich komme so nicht mehr weiter, dann befinde ich mich in einer emotionalen Schieflage. Hinzu kommen häufig Selbstabwertung, Katastrophendenken, übertriebenes Verantwortungsgefühl, Perfektionismus, der Wunsch, von allen gemocht zu werden – sowie die typische Opferhaltung. Diese Denkmuster führen dazu, dass manche Situationen im Job negativ bewertet werden und unnötige Konflikte entstehen.

Und dann hilft mir emotionales Management?

Demel: Emotionales Management bedeutet, sich selbst so zu lenken, dass man mit seinen Emotionen zurechtkommt und dabei die eigenen Ressourcen nutzt. Das bedeutet nicht, die Emotionen zu kontrollieren, sondern in einer Situation angemessen zu reagieren, ohne sich gestresst zu fühlen. Emotionales Management kann die Energien wieder in die richtigen Bahnen lenken.

Ihr Rezept lautet: Stressenergie in Vorwärtsenergie umwandeln. Das klingt gut, doch wie funktioniert das?

Demel: Zuerst sollte man sich genauer ansehen, was den Stress überhaupt auslöst. Das kann zum Beispiel ein Mitarbeiter sein, der nicht so agiert, wie man es sich wünscht. Das kann ein Vorgesetzer sein oder ein Partner – die Stressfaktoren sind individuell sehr unterschiedlich. Um Stressenergie in Vorwärtsenergie umzuwandlen arbeite ich systemisch. Das Aufstellen von Systemen spiegelt die persönliche Situation und hilft, die eigenen Ressourcen zu erkennen und einzusetzen.

Sie vergleichen einen rhetorischen Angriff mit Aikido . . .

Demel: Einen verbalen Angriff kann man abwehren, in dem man innerlich beiseitetritt. Man lenkt die Energie nicht auf die eigene Person, sondern auf die Sache. Diese Art von Argumentationsaikido kann man erlernen und üben.

Was sind die häufigsten Probleme, mit denen Klienten zu Ihnen kommen?

Demel: Viele Menschen, vor allem Frauen, haben den Anspruch alles perfekt zu machen. Diese Menschen sind sehr streng zu sich selbst. Dadurch wird es eng, das heißt, diesen Menschen geht schnell mal die Puste aus. Mit einer systemischen Aufstellung erarbeitet man, was einem hilft, locker zu bleiben und wie man von zu hohen Erwartungen an sich selbst Abstand nehmen kann.

Es gibt immer mehr Fälle von Burnout, Stress und totaler Erschöpfung. Was sind die ersten Schritte aus der Krise?

Demel: Zuerst einmal sollten Sie körperliche Bedürfnisse – wie ausreichend schlafen, gesund essen, viel bewegen, regelmäßig kleinere Pausen einlegen und bewusst Zeiten ohne Anstrengung einplanen – beachtet werden, vor allem ist es aber auch wichtig, „Nein“-Sagen zu lernen und Aufgaben zu delegieren. Man muss auch an den „inneren Strickmustern“ arbeiten, die einen in den Burnout treiben.

Wie kann ich an meinem inneren Strickmuster arbeiten?

Demel: Wenn wir beim Strickmuster bleiben, lässt man die Masche fallen, geht nach dahin zurück, wo man sich verstrickt hat und fädelt neu auf. Viele Emotionen sind unter der Oberfläche, dort laufen diese Muster ab, nach denen man funktioniert. Gefährlich ist es, wenn eine Emotion im Untergrund hängen bleibt. Die äußert sich dann oft körperlich in psychosomatischen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Verspannungen, Bluthochdruck. Hier kann emotionales Management helfen, weil ich so bewusster steuern kann, was mit mir passiert.

Wie greift diese Methode?

Demel: Emotionales Management besteht aus einer Vielzahl von Methoden, die einem einerseits helfen, innerlich Abstand zu halten und Stresssituation gesondert zu betrachten. Andererseits lernt man bewusst, seine Stärken richtig einzusetzen.

Hannelore Demel

Seit 16 Jahren bietet die Würzburgerin Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt emotionales Management an. Sie hat in Würzburg Sozialpädagogik studiert und Zusatzausbildungen in Tanz- und Bewegungstherapie, systemischer Familientherapie, Hypnotherapie, Kinesiologie gemacht, außerdem viele Jahre verschiedene Kampfkünste trainiert.

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