RODEN-ANSBACH

Im Job nicht zu sexy, bitte!

Trickreich: Annette Sax misst vom Haaransatz bis zum Kinn. Diese Zentimeterzahl abwärts vom Kinn ergibt die optimale Ausschnitttiefe. Foto: Meliz Kaya

Heiße Sommertage, die sich eigentlich so richtig schön nach Urlaub anfühlen, und trotzdem ist Berufsalltag angesagt: Das schreit nach Flip Flops, kurzen Hosen, luftigen Kleidern, oder schulterfreien Shirts bei der Arbeit. Doch aufgepasst: Nicht alles ist geeignet für den Auftritt im Büro. Was ist also zu beachten für das optimale Sommer-Outfit am Arbeitsplatz?

„Zunächst ist wichtig, dass man sich wohlfühlt, mit dem, was man trägt“, sagt Farb- und Stilberaterin Annette Sax aus Roden-Ansbach (Lkr. Main-Spessart). „Man sollte sich nicht verkleiden. Aber gerade im Sommer gelten bestimmte Dresscodes und Regeln – schließlich sendet jeder Mensch allein durch seine Kleidung nonverbale Signale aus. Da muss man sich gut überlegen, welche das sein sollen.“

Keine knappe Kleidung

Bauchfreie Oberteile, kurze Röcke oder tiefe Ausschnitte sind für Frauen ein No-go am Arbeitsplatz, Sommer hin oder her. Knappe Kleidung wirkt sexy – ein Signal, das eher an den Strand gehört als ins Büro. „Im Beruf ist Seriosität gefragt. Da ist zu viel nackte Haut fehl am Platz“, urteilt Sax. „Frauen werden das untereinander zwar nur selten so bewerten, aber Männer fühlen sich häufig gestört, wenn Kolleginnen zu sexy bei der Arbeit erscheinen.“ Nicht, dass den Männern ein solcher Anblick nicht gefalle: „Es ist ganz natürlich, dass man dahin schaut, wo es etwas Schönes zu sehen gibt. Doch viele lenkt das zu sehr ab.“

Frauen sollten aber nicht nur den Männern zuliebe knappe Röcke, durchsichtige Kleider und weite Ausschnitte zu Hause lassen, sowie Unterwäsche und Tattoos gut verstecken. Auch sich selbst erweisen sie einen wichtigen Dienst, wenn sie sich im Job nicht zu aufreizend kleiden: „Frauen laufen schnell Gefahr, durch zu viel Haut ihre beruflichen Kompetenzen infrage zu stellen“, sagt Sax. „Dabei sollte ein Mensch gerade durch sein Äußeres die Basis für das gesprochene Wort schaffen.“

Ganze 55 Prozent zähle beim ersten Eindruck, den ein Mensch von seinem Gegenüber bekommt, das Äußere, also Outfit, Pflege, Frisur, Mimik und Gestik. „Wir denken immer, dass es so sehr darauf ankommt, was wir sagen. Dabei legen wir mit dem nonverbalen Eindruck die Basis für jedes Gespräch. Das gesprochene Wort selbst macht am Ende nur noch sieben Prozent aus.“

Nun heißt das aber nicht, dass Frauen ihre Weiblichkeit im Job verstecken müssen. „Es geht auch mal figurbetont, nur eben nicht zu sehr“, empfiehlt Sax. Weitere Sommerregeln der Stilberaterin: keine unrasierten Beine oder Achseln und wenn Füße gezeigt werden, dann bitte gepflegt. In sehr konservativen Unternehmen dürfen Frauen sogar gar keine Zehen zeigen. Außerdem gelten dort unbedeckte Achseln und Oberarme als unschick: „Das sind aber die ganz strengen Regeln.“

Männer haben im Sommer weniger Fallstricke zu umgehen als Frauen – gleichwohl müssen auch sie richtig gekleidet sein, um seriös und kompetent zu wirken. In Unternehmen mit Anzugpflicht sollten Männer ihr Sakko trotz Hitze nie vor dem Chef ablegen und keinesfalls zu Kurzarmhemden greifen. „Dann lieber ein langärmeliges Hemd hochkrempeln. Das signalisiert, dass der Träger zupacken kann“, erläutert Sax. Ein absolutes Tabu für Männer seien kurzärmelige Hemden mit Krawatte. „Das ist gegen jeden Dresscode und sollte nirgendwo getragen werden“, betont die Stilberaterin. Genauso gilt es, Brusthaare zu verstecken. „Zum Ankuscheln sind sie vielleicht toll, aber sie sollten nicht oben aus dem Hemd rausquillen, das ist unschick!“

Keine nackten Männerbeine im Job und möglichst geschlossene Schuhe – zwei weitere Regeln, die Männer im Sommer mitunter quälen. Wie streng Dresscodes einzuhalten sind, hängt laut Sax vom jeweiligen Unternehmen ab. Grundsätzlich gelte in Unternehmen mit Kundenkontakt aber ein strengerer Dresscode als anderswo. „Angemessene Kleidung drückt Wertschätzung gegenüber den Kunden aus, deshalb ist es wichtig, entsprechende Regeln zu beachten“, so die Expertin. Nun gibt es im Sommer aber noch ein Problem, das die Kleiderwahl mitunter negativ beeinflussen kann: das Schwitzen. Was tun, wenn das Thermometer 35 Grad anzeigt und der Herr trotzdem in Anzug und Krawatte erscheinen muss? Was tun, um Flecken am schicken Kleid zu verhindern? Den Herren rät Sax zu Unterhemden: „Es gibt hauchzarte, die man bei guter Qualität garantiert nicht durchsieht. Sie fangen den Schweiß auf, sodass es keine unschönen Flecken gibt.“ Frauen können hingegen zu Achselpads greifen: „Das sind kleine Stoffhalbmonde, die unter den Achseln unsichtbar an das Oberteil genäht werden. Sie fangen den Schweiß bei schicker Abendkleidung und normalen Oberteilen auf.“ Die nächste Hitzewelle kann also kommen.

Tabus und Tipps fürs Büro

Die Sommer-Tabus für Frauen:

Zu sexy wirkende Kleidung, sichtbare Tattoos und Unterwäsche, unrasierte Achseln oder Beine, zu starker Deo- oder Parfümgeruch, in strengen Unternehmen: unbedeckte Oberarme bzw. Achseln, Flip Flops (im strengen Fall müssen Schuhe vorne geschlossen sein), verschwitztes Make-up.

Die Sommer-Tabus für Männer:

Kurzarmhemden mit Krawatte (in strengen Unternehmen sollte generell kein Kurzarmhemd getragen werden), kurze Hosen, Flip Flops oder Sandalen, sichtbare Brusthaare, zu knallige Krawatten (untergraben Kompetenz).

Anti-Schwitz-Tipps:

Luftige Stoffe, keine Seide (anfällig für Schweißflecken), weite Hosen, Ersatzbluse- oder Hemd am Arbeitsplatz, Unterhemden, Achselpads (waschbar), leichte Speisen, täglich duschen.

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