MÜNCHEN

Wenn Schuhe SMS schicken

Morgens bestellt, abends geliefert. Für viele klingt das verlockend: Wer beim Frühstück merkt, dass der alte Kühlschrank den Geist aufgegeben hat, will nicht tagelang auf die Lieferung des neuen warten, sondern gern schon abends wieder ein kaltes Bier genießen. Nach einer Umfrage von McKinsey steht die „Same-Day-Delivery“ vor dem Durchbruch. „Es verbindet die Bequemlichkeit des Online-Einkaufs mit der sofortigen Produktverfügbarkeit des stationären Handels“, sagt der Transportexperte der Unternehmensberatung, Thomas Netzer.

Die Logistikbranche stellt der Wunsch nach der Expresslieferung bis an die Haustür aber vor erhebliche Probleme – vor allem bei großen Produkten. Denn es ist nicht nur billiger, 50 Kühlschränke an einem Lager am Stadtrand abzuladen als an 50 verschiedenen Wohnungstüren in engen Straßen: Es ist auch viel einfacher. „Man muss plötzlich mit dem Laster in Wohngebiete fahren – mit Hebebühnen und zwei Kräften zum Tragen“, sagt der Chef des Kemptener Logistikkonzerns Dachser, Bernhard Simon. „Man kann ja nicht einfach eine Palette vor die Haustür stellen.“ Für die Firmen sei das mit großen Mehrkosten verbunden.

Die Schmerzgrenze der Kunden für eine Zuzahlung ist nicht besonders hoch. McKinsey ermittelte in der Umfrage eine Obergrenze von zehn Prozent des Einkaufswerts. „Etwa jeder zweite Kunde ist bereit, bei einem Einkaufswert von 59 Euro für eine taggleiche Zustellung sechs bis sieben Euro zu bezahlen.“

Einen Ausweg aus dem Dilemma für Transporteure, Geschäftsleute, Konsumenten und Bewohner hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) gezeigt. Die Vision, an der das Institut mitarbeitet, ist allerdings recht kühn: Pakete könnten in Zukunft weitgehend selbstständig zum Kunden kommen, sei es über Elektrowagen mit Autopiloten oder sogar als Luftfracht per Drohne.

Ohne Waren, die selber wissen, wo sie hingehören, und dies den Verteilanlagen und Liefervehikeln mitteilen, geht in der „Smart City“ aber nichts. Einen Schlüssel sieht das Institut in genormten Mikrochips oder Funkfrequenzen. Es ist auch denkbar, dass Waren automatisch an Schnittstellen eine E-Mail oder SMS an den wartenden Kunden auslösen. Sie könnte bei einem Paket Schuhe lauten: „Sehr geehrter Kunde, es dauert nicht mehr lange: Ich bin bereits in Ihrem Stadtteil.“

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