BERLIN

Zwischen Fassbinder und „Tatort“

Eva Mattes als „Tatort“-Kommissarin Klara Blum: In dieser Rolle wird sie aber nur noch viermal zu sehen sein. Foto: Patrick Seeger, dpa

Beim Publikum wurde die junge Eva Mattes mit gleich zwei Skandalen populär: In Michael Verhoevens Vietnamkriegsfilm „O.k.“ spielte sie ein Vergewaltigungsopfer. Dessen umstrittene Teilnahme führte 1970 zum Abbruch der Internationalen Filmfestspiele Berlin. In Rainer Werner Fassbinders Film „Wildwechsel“ hatte sie dann die Hauptrolle. Dessen Erstausstrahlung wurde 1973 in der ARD vom Bayerischen Rundfunk boykottiert – wegen drastischer Sexszenen.

Doch die am 14. Dezember 1954 in Tegernsee als Tochter der ungarisch-österreichischen Schauspielerin Margit Symo und des österreichischen Filmkomponisten Willy Mattes geborene Eva war nicht auf Eklats angewiesen. Sie festigte rasch mit kraftvollen Theater- und Filmauftritten den Ruf einer exzellenten Charakterdarstellerin. Seit sie 2002 die Konstanzer „Tatort“-Kommissarin Klara Blum verkörpert, gehört sie zu den bekanntesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum.

Kurz vor dem 60. Geburtstag von Eva Mattes wurde allerdings bekannt, dass es nur noch vier Fälle für Klara Blum geben wird. Der verantwortliche Südwestrundfunk hat, im Einvernehmen mit den Hauptdarstellern, für 2016 das Ende der am Bodensee angesiedelten „Tatort“-Folgen beschlossen. Eva Mattes sagt dazu: „Ich mag meine Klara Blum sehr gerne und bin eng mit ihr verbunden, zumal ich wunderbare Partner beim ,Tatort' habe, mit denen ich immer wieder sehr gerne zusammenspiele. Es ist aber an der Zeit, vom Ermitteln Abschied zu nehmen und wieder Neues zu erobern.“

Wie als Ermittlerin im „Tatort“, so überzeugt Eva Mattes in all ihren Rollen immer wieder als starke Frau. Auf den ersten Blick wirken die von ihr verkörperten Figuren meist etwas derb. Doch Eva Mattes lässt jeweils mit kleinen Mitteln hinter die scheinbar raue Schale blicken, gibt den von ihr dargestellten Persönlichkeiten damit eine souveräne Individualität. Das hat ihr den Ruf einer sensiblen Powerfrau beschert.

Eine Schauspielschule hat Eva Mattes nach eigenem Bekunden nie besucht. Ihre Ausbildung genoss sie als Kind in Synchronstudios. So lieh sie beispielsweise 1969 Titelheldin Pippi Langstrumpf in der deutschen Version der noch heute bekannten TV-Serie nach den Romanen von Astrid Lindgren ihre Stimme. Zu ihren wichtigsten Film- und Fernseharbeiten neben der Klara Blum gehören Rollen in Fassbinders Fernsehserie „Acht Stunden sind kein Tag“ und im Kinofilm „Woyzeck“ von Regisseur Werner Herzog.

Aus der Arbeitsbeziehung mit Herzog wurde zeitweise auch eine private. Eva Mattes und er haben die gemeinsame Tochter Hanna. Ihr jetzt 35-jähriger Sohn Josef Mattes hat sich bereits in einigen Filmen einen Namen als Darsteller gemacht, etwa im TV-Zweiteiler „Die Flucht“. Er stammt aus Eva Mattes Partnerschaft mit dem neun Jahre jüngeren Künstler Wolfgang Georgsdorf, mit dem sie in Berlin lebt.

Theater, Hörbücher, Filme – Eva Mattes scheint vor Arbeitsdrang zu strotzen. Es ist noch viel von ihr zu erwarten. Sicher wird sie noch oft als sensible Powerfrau auftreten. Ein Etikett, das sie akzeptiert. Allerdings gestand sie: „Manchmal fühle ich mich nicht direkt wie eine Hochstaplerin, denn ich mache den Leuten ja nichts vor, aber ich denke: ,Mein Gott, wenn die wüssten, wie es in mir aussieht!'“

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