Das Baltikum. Ein Baltikum? Der Würzburger Stefan Pompetzki spürt in seinen Fotografien den Unterschieden von Estland, Lettland und Litauen nach. Und der Stimmung der Natur.     

Das Baltikum, das sind die drei Länder Estland, Lettland und Litauen. Drei Länder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stefan Pompetzki hat gut daran getan, seinen Bildband „Baltische Staaten“ zu betiteln und den drei Nationen nicht den Sammelbegriff „Baltikum“ überzustülpen. Der Main-Post-Redakteur und Fotograf hat die drei baltischen Länder in den vergangenen Jahren mehrfach bereist – und seine Eindrücke stets mit der Kamera festgehalten. Tausende Fotos hat er von den Reisen mitgebracht. Und etwa 250 davon für seinen im Würzburger Stürtz Verlag erschienenen Band ausgewählt.

Man merkt den Aufnahmen an, dass da einer unterwegs war, der den Eigenheiten der drei Länder akribisch nachspürt und Land und Leuten sehr nahe kommt. Dabei war Stefan Pompetzkis erste Baltikum-Erfahrung eher zwiespältig. Als er die polnisch-litauische Grenze überquerte, schüttete es wie aus Kübeln. Und, gibt er zu, er sei „unverschämt schlecht“ vorbereitet gewesen. Er kam ohne Vorbehalte ins Baltikum, ohne Erwartungen. Und ohne Ahnung.

Abendliches Bad in Lettland. Foto: Stefan Pompetzki
Die Wasserburg von Trakai in Litauen gehört zu den meistbesuchten und meistfotografierten Sehenswürdigkeiten des gesamten Baltikums. Keine Rundreise und kein Reiseführer, der ohne sie auskäme. Nicht zu Unrecht: Die spätmittelalterliche Burganlage aus dem 14. Jahrhundert liegt malerisch inmitten einer Seenlandschaft.
Foto: Stefan Pompetzki

Doch was er dann zu sehen bekam, überwältigte ihn. Bis heute. Abendstimmungen am Meer. Tradition beim Sängerfest in Riga. Architektur vom Barock bis zur Moderne. Endlose Straßen und Einblicke in den Alltag der Menschen. Und immer wieder unberührte Natur.

Stefan Pompetzki zeigt sie oft in großen, doppelseitigen Panoramen, für die er seine Drohne in die Luft geschickt hat. Der Fotograf nimmt den Betrachter mit in die großen Städte Vilnius, Riga und Talinn, aber auch in ländliche Gegenden, in denen noch Pferdefuhrwerke fahren, Fischer in ihren Booten auf dem Fluss angeln und die Menschen Beeren sammeln, die in den Wäldern dort in riesigen Mengen wachsen.

In wohltuend kurzen Texten, einen für jedes Land, erklärt der Fotograf pointiert und prägnant, was die drei Länder auszeichnet - und was sie voneinander unterscheidet. So sind die Litauer überwiegend katholisch, Esten und Letten hingegen überwiegend Protestanten. Während sich Letten und Litauer einigermaßen miteinander verständigen können, kommen sie mit den Esten sprachlich überhaupt nicht klar. Was alle eint, ist der Stolz auf ihr Land. Kein nationalistischer Stolz, findet Stefan Pompetzki. Sondern ein sympathischer.

Der Leuchtturm Tahkuna von 1873 an der Nordspitze der Insel Hiiumaa. Der 42 Meter hohe Turm ist der höchste der estnischen Küstenlinie.
Foto: Stefan Pompetzki
Einfach malerisch: die Pikk Jalg in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Sie ist eine der ältesten Straßen der Stadt und verbindet die Ober- mit der Unterstadt.  Foto: Stefan Pompetzki
Die Kirche des heiligen Erzengels Michael in Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens.
Foto: Stefan Pompetzki
Schloss Rundale in Lettland, das „kurländische Versailles“, gilt als prächtigstes Barockschloss im gesamten Baltikum. Es zählt 138 Zimmer.
Foto: Stefan Pompetzki
Seepromenade im lettischen Ventspils. Foto: Stefan Pompetzki

Der 57-Jährige kann von langen Autofahrten auf leeren Straßen erzählten. Von der Stille, die in den weiten meditativen Landschaften herrscht. Vom stundenlangen Warten in der Natur auf ganz bestimmte Stimmungen. Wie der Angler über Stunden wartet, bis ein Fisch anbeißt, wartet der Fotograf nebenan auf das richtige Licht. Ins Gespräch kommen Angler und Fotograf nicht. „Man kann miteinander reden“, beschreibt Stefan Pompetzki die Menschen im Baltikum, „muss es aber nicht“.

Ganz anders ist es in den alten Städten Vilnius, Riga und Tallinn, wo man in den engen Gassen die Geschichte einatmen kann und immer wieder auch auf deutsche Spuren stößt. Und natürlich war Stefan Pompetzki auch beim großen Sängerfest in Lettlands Hauptstadt, wo zehntausende von Menschen zusammenkommen, um zu singen und zu tanzen: Tradition pur, denn alle Teilnehmer treten in den Trachten ihrer Herkunftsprovinz auf. Der logistische Aufwand ist so groß, dass das Fest nur alle fünf Jahre stattfindet.

Gerade war er wieder im Baltikum unterwegs. Alleine, weil er am liebsten alleine reist. Und es wird nicht seine letzte Fahrt in die Region gewesen sein. Zu sehr sind dem Würzburger Fotografen die Menschen mit ihrer großen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ans Herz gewachsen. Noch ist der Tourismus nicht allzu hoch entwickelt. Nicht alles ist perfekt, sagt Pompetzki. Man finde nicht an jeder Ecke ein Hinweisschild auf die nächste Stadt, „da muss man dann schon mal suchen“. Aber immer bekomme man Hilfe von den Einheimischen.

Rund 40 Prozent Lettlands sind mit Wald bewachsen. Foto: Stefan Pompetzki
Das Sänger- und Tanzfest im lettischen Riga findet nur alle fünf Jahre statt und ist das kulturelle Großereignis des Landes. Eine logistische Herausforderung. Rund 30 000 Sänger kommen zusammen und mindestens noch einmal so viele Zuhörer.
Foto: Stefan Pompetzki

Auch wenn das Buch „Baltische Staaten“ alles andere als ein Reiseführer, gibt es am Ende ein paar nützliche Hinweise für eine Reise in die drei Länder. Eine Einladung dorthin ist das Buch zweifellos. Und wer bisher noch nichts von Lettland, Litauen und Estland wusste, den machen die Bilder auf jeden Fall neugierig. Und wecken die Lust, sich die Region an der Ostsee mal „in echt“ anzusehen.

Termin-Tipp: Am Freitag, 11. Oktober, wird Stefan Pompetzki im Würzburger Kunsthaus Gerd Michel um 19 Uhr einige Texte aus seinem Buch vortragen und auch eine kleine Auswahl seiner Fotografien zeigen.
Das Buch: Stefan Pompetzki, „Baltische Staaten – Litauen, Lettland, Estland“, Würzburg 2019, Verlagshaus Würzburg GmbH & Co. KG, zahlreiche auch großformatige Fotografien, 188 Seiten, ISBN 978-3-8003-4877-0, 29.95 Euro. Das Buch ist in der Reihe Stürtz Panorama erschienen.

Überall entlang des Peipusseeufers in Estland gibt es Räucherfisch zu kaufen. Foto: stefan Pompetzki

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