Pflege

Gewalt in der Pflege: Warum sie ein großes Problem ist

Immer wieder hört man von Fällen, in denen sich nicht richtig um pflegebedürftige Menschen gekümmert wird. Aber wie groß ist das Problem genau? Eine neue Studie bietet Antworten.
Wo fängt Gewalt in der Pflege an?       -  Gewalt in der Pflege ist ein strukturelles Problem, wie eine neue Studie des ZQP zeigt.
Foto: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild) | Gewalt in der Pflege ist ein strukturelles Problem, wie eine neue Studie des ZQP zeigt.

Pflegebedürftige Menschen und ihr Umfeld müssen häufig darauf vertrauen, dass das Pflegepersonal sich gut kümmert. Leider ist das aber nicht immer gewährleistet. Schlimmer noch: Ein wiederkehrendes Problem in der Pflege ist Gewalt. Aber nicht nur Bewohner und Bewohnerinnen von Pflegeheimen sind betroffen, sondern auch die, die sie versorgen: das Pflegepersonal. In 37 Prozent der Pflegeheime in Deutschland gibt es Probleme mit Aggressivität und Gewalt, wie eine neue Befragung von Leitungen in Pflegeheimen des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) zeigt.

Welche Formen von Gewalt gibt es in der Pflege?

Bei diesen Gewaltvorkommnissen handele es sich nicht um Einzelfälle. 69 Prozent der Befragten gaben an, sich an mindestens einen Vorfall von Gewalt gegen Bewohnerinnen oder Bewohner in der Einrichtung im zurückliegenden Jahr zu erinnern. Auch gebe es verschiedene Formen von Gewalt, die bereits im Verbalen begännen, wie der Vorstandsvorsitzende des ZQP Ralf Suhr gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) erklärt: "Gewalt zu erfahren, bedeutet für die oft hochaltrigen pflegebedürftigen Menschen zum Beispiel, dass sie beschimpft werden, körperliche und teilweise auch sexualisierte Übergriffe erleben." Andere Gewaltformen seien Vernachlässigung in der Pflege oder die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts. "Gewalterfahrungen bedrohen ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit und verletzen ihre Rechte", fügt Suhr hinzu.

Aber Gewalt geht nicht immer vom Pflegepersonal aus. Diese mache laut ZQP-Studie nur 19 Prozent der Gewalthandlungen aus. Mit 63 Prozent ginge Gewalt am häufigsten von den Bewohnern und Bohnerinnen selbst aus, die sich untereinander Leid zufügen. Auch Angehörige, die zu Besuch in die Einrichtung kommen, können der Studie zufolge ein Risiko für die Bewohner und Bewohnerinnen sein, wie 19 Prozent der Befragten angaben.

Wie kann man der Gewalt in der Pflege vorbeugen?

Wie häufig Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen tatsächlich Opfer von Gewalt werden, dazu kann die Studie keine Aussagen treffen. Das ZQP gibt an, mit der Studie die Gesellschaft mehr für das Thema sensibilisieren zu wollen, damit Gewaltprävention in Pflegeeinrichtungen stärker gefördert werde.

Damit es eine Verbesserung geben kann, bräuchten die Einrichtungen mehr qualifiziertes und motiviertes Personal. Es sei zum einen schwer, Pflegepersonal zu finden, zum anderen schafften die Einrichtungen es nicht, Pflegefachkräfte langfristig zu binden. Das gaben 73 Prozent der befragten Leitungspersonen an.

Ein Fokus auf Gewaltprävention könnte auch die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen, gibt das ZQP an. Schließlich trage eine Verbesserung auf diesem Gebiet auch zur Arbeitssicherheit bei. Auch die psychische Gesundheit der Mitarbeiter werde daher gefördert, die die Gewalt häufig beobachten und manchmal selbst davon betroffen sind. Auch führe Gewalt zu einem schlechteren Arbeitsklima. Eine Prävention würde also dafür sorgen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen wieder eine höhere Motivation hätten und der verantwortungsvollen Aufgabe besser gewachsen wären. (mit dpa)

 
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