Eine schneidige Summe

Schloss Frankenberg Bagger, Kräne, Baugerüste – in das altehrwürdige Anwesen ist Bewegung gekommen. Der neue Schlossherr investiert gewaltig.

Abgeschieden, verwunschen und still ist Schloss Frankenberg einmal gewesen. Jetzt nicht mehr. Jetzt ist das Schloss eine Großbaustelle. Kräne überragen die altehrwürdigen Türme, Bagger wühlen in der Erde, Baumaterial stapelt sich in den Gärten. Schon bald sollen Hotelgäste hinter den dicken Mauern residieren, Besucher im Amtshaus Kaffee und Kuchen genießen.

Mit dem Geld des neuen Eigentümers, des in der Fränkischen Schweiz lebenden Unternehmers Roland Belz, werden das Schloss und die dazu gehörige Meierei derzeit gründlich renoviert. Aber auch der frühere Eigentümer, Carl Freiherr von Lerchenfeld, ist nicht weit. Er ist als Gutsverwalter noch immer vor Ort und freut sich über den Schub nach vorn, den das Schloss erfahren hat.

„Das werden Sie jetzt nicht glauben“, verrät von Lerchenfeld. „Aber wir wollen nächstes Jahr um Christi Himmelfahrt eröffnen.“ Die Rede ist von dem Gastronomiebetrieb, der in der alten verfallenen Meierei unterhalb des Schlosses untergebracht werden soll. Hier herrscht rege Betriebsamkeit. Die alten Eselställe und Scheunen werden nach den Plänen von Roland Belz' Lebensgefährtin, der Architektin Irmgard Ochs, renoviert und hergerichtet. In der Meierei wird ein Landgasthaus entstehen, in dem es regionales, bezahlbares Essen geben soll – „ein Schweinsbraten-und-Klöß-Wirtshaus“, wie von Lerchenfeld sagt. Außerdem wird dort ein Hotel mit etwa 48 Betten untergebracht, in dem sich auch Gruppen und Bustouristen wohlfühlen sollen.

Da der Schwerpunkt in sämtlichen Betriebsteilen auf regionalen Erzeugnissen liegt, wird ein eigener Produktionsbetrieb eingerichtet: Die Meierei erhält eine Bäckerei und – die neueste Idee – sogar eine kleine Brauerei. Auch eine Metzgerei wird gebaut. In ihr sollen später einmal die neuesten Bewohner des Frankenberges verwurstet werden: die vor wenigen Wochen angereisten Aberdeen Black Angus Rinder. Die 15 schwarzen Kühe und Heinerle, der Bulle, weiden rund ums Schloss und werden ausschließlich im Freien gehalten. Später sollen zwecks Bereicherung der Speisekarte auch Schwäbisch-Hällische Landschweine einziehen. „Die werden dann im Winter in die Wälder getrieben und dürfen sich dort Eicheln suchen“, erklärt Carl Freiherr von Lerchenfeld.

„Herr Belz ist verliebt in das Objekt. Er ist wahnwitzig großzügig und investiert eine schneidige Summe Geldes.“

Carl Freiherr von Lerchenfeld

Um die Menagerie komplett zu machen, hat die Gutsverwaltung auch schon Ziegen und die schönen rotbraunen Coburger Fuchsschafe in ihre Planungen aufgenommen. Der Freiherr träumt außerdem von einer schlosseigenen Hühnerrasse, für die er sich im Scherz schon mal den Namen „Frankenberger Landgockel“ ausgedacht hat. Da Schlossherr Roland Belz außerdem Pferdenarr ist, ergänzt von Lerchenfeld, wurde in der Meierei auch Platz für einige Rösser eingeplant. Eine Kutschhalterei für die Aaglander – motorbetriebene Fahrzeuge, die an Kutschen erinnern und die Roland Belz in seiner Manufaktur auf Schloss Kühlenfels herstellt – gibt es schon. So sind Landpartien mit den Aaglandern nun auch von Schloss Frankenberg aus möglich.

Mehr Luxus als in der Meierei wird im Schloss selbst zu finden sein. „Sehr anspruchsvolle Planungen für ein wirklich besonderes Hotel“ seien hier entwickelt worden, erzählt von Lerchenfeld. Beim Umbau soll der originale Zuschnitt des barockisierten Schlosses erhalten bleiben. Das bedeutet, dass auch Schlafzimmer mit 100 Quadratmetern zu finden sein könnten – je nachdem, wie die Räume im 18. Jahrhundert angeordnet waren. Das historische Ambiente soll natürlich mit modernster Technik kombiniert werden. Im Erdgeschoss sind das hoteleigene Restaurant sowie Veranstaltungsräume vorgesehen, im ersten Stock und im Dachgeschoss werden die etwa 25 Zimmer entstehen. Die Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden beschreibt der Freiherr als offensiv und konstruktiv. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wolle man das Hotelprojekt in Angriff nehmen, sagt er.

Die Verbindung zwischen Schloss und Meierei, „oben und unten“, wie es von Lerchenfeld umschreibt, soll das Amtshaus herstellen. In dem zwischen erstem und zweitem Tor gelegenen Gebäude befand sich vor dem Verkauf des Schlosses vor anderthalb Jahren die Gastronomie. Für die Zeit des Umbaus ist die Gaststätte ins dahinter liegende Schloss samt Schlosshof umgezogen, wo hauptsächlich Mittagsgäste in Gestalt von Wanderern einkehren. Das Amtshaus selbst befindet sich derzeit schon mitten im Umbau. Auf der Rückseite, mit Blick auf die Umgebung, wird ein großer Wintergarten gebaut. In dem können die Gäste Kaffee und Kuchen zu sich nehmen und die schöne Aussicht auf die Weinberge genießen. Denn als Café und Bistro ist das Amtshaus konzipiert.

Was die umfangreichen Renovierungen und Umbaumaßnahmen kosten sollen, darüber hüllt sich Carl Freiherr von Lerchenfeld in Schweigen. Nur so viel lässt er verlauten: „Herr Belz ist verliebt in das Objekt. Er ist wahnwitzig großzügig und investiert eine schneidige Summe Geldes.“ Für Frankenberg und die Region seien Roland Belz und seine Pläne „ein echter purer Segen“, sagt von Lerchenfeld. Etwa einmal die Woche kommt der Unternehmer vorbei und überzeugt sich vom raschen Voranschreiten der Arbeiten.

Der alte und der neue Schlossherr pflegen ein gutes Verhältnis. So sei es Roland Belz gewesen, der ihn gebeten habe, als Gutsverwalter auf Frankenberg zu bleiben, erzählt von Lerchenfeld. Jetzt ist der gelernte Winzer verantwortlich für die land- und forstwirtschaftlichen Belange auf dem 140 Hektar großen Besitz. Auch das Weingut – ein Schwerpunkt auf Schloss Frankenberg – leitet von Lerchenfeld. Seit 800 Jahren gebe es Wein rund um den Frankenberg, erzählt er. Jetzt plant er zahlreiche Neuerungen. So soll der Frankenberger Wein künftig aus einer Hand kommen. Das heißt, es werden nicht mehr nur Trauben geliefert, sondern das Weingut Frankenberg übernimmt jetzt auch die Kellerwirtschaft.

32 Hektar Rebfläche stehen an den Hängen rund um das Schloss zur Verfügung. Dort gedeihen in der Hauptsache typisch fränkische Sorten wie Riesling, Silvaner und Burgunder. Wie der landwirtschaftliche Betrieb wird sich auch das Weingut ökologischen Kontrollverfahren unterwerfen. Von Lerchenfeld ist überzeugt, mit diesem neuen Weg eine „immense qualitative Verbesserung“ erreichen zu können. Er ist glücklich über die Entwicklung, die das Schloss nun nimmt. Der Freiherr hatte selbst viele Jahre lang versucht, den ererbten Familiensitz zu sanieren, war aber an den immensen Kosten gescheitert. Im Jahr 2006 musste er Insolvenz anmelden. Danach hatte Schloss Frankenberg etwa ein Jahr lang zum Verkauf gestanden, ehe Roland Belz es entdeckte und erwarb.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Burg auf dem Frankenberg übrigens im 13. Jahrhundert. Von 1523 bis 1597 baute die Familie von Hutten die Burg im Renaissancestil um. Bis 1783 residierten die Hutten auf Schloss Frankenberg. Anschließend wurde es an Ludwig Carl von Poellnitz übereignet, dessen Familie das Schloss bis 1971 besaß. Dann erbte der Großvater von Carl von Lerchenfeld das stark beschädigte Schloss. Carl von Lerchenfeld übernahm schließlich das Anwesen im Jahr 1979.

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