Einwurf: Wie Phönix aus der Asche

Es komme auch auf die Art und Weise an, wie sich der FC Bayern in Turin präsentiere, hatte es vorher geheißen. Gemeint war, die Art und Weise des Ausscheidens möge sich erträglich gestalten. Nicht wieder so demütigend wie im April beim 0:4 in Barcelona. Selbst die eigenen Vorgesetzten gaben nicht viel auf die Beteuerungen der Spieler, sie hätten Selbstvertrauen getankt durch die drei Siege in Folge. Denn die Gegner waren limitiert gewesen (Haifa, Hannover) oder unglücklich (Mönchengladbach). Und Torjubel-Inszenierungen als Beleg für gute Stimmung im Kader zu nehmen – na ja.

Und jetzt bekommen alle den Mund nicht mehr zu vor lauter Staunen nach diesem überzeugenden 4:1-Sieg, der ohne Selbstvertrauen und Harmonie in der Mannschaft nicht möglich gewesen wäre. Selbst den Rückstand steckten die zum Siegen verdammten Münchner weg wie einen lästigen Kratzer. Im kleinen Stadio Communale von Turin erhob sich der FC Bayern wie Phönix aus der Asche. Die Pflicht, wieder den Einzug unter die besten 16 Mannschaften Europas geschafft zu haben, gelang nach den beiden Niederlagen gegen Bordeaux aus fast aussichtloser Situation. Der seit Barcelona angeschlagene Ruf ist repariert, auch wenn Juventus um den enttäuschenden Diego den Beweis schuldig blieb, wieder eine allererste Adresse auf dem Kontinent zu sein. Ivica Olic, der den Elfmeter zum 1:1 erzwungen und zum 2:1 abgestaubt hatte, brachte es bei aller Euphorie auf den Punkt: „Die ganze Welt hat zugesehen und weiß jetzt, dass der FC Bayern noch Fußball spielen kann.”

Nicht der verletzte Ribéry oder der vom Trainer spät gebrachte Robben, sondern der kleine, sich stets bis zur Erschöpfung verausgabende Olic ist momentan die zentrale Figur des FC Bayern und das Versprechen auf eine bessere Zukunft. Als eiskalter Elfmeterschütze trat Hans-Jörg Butt in Turin endgültig aus dem Schatten von Oliver Kahn, der FC Bayern hat nach dem Umweg Michael Rensing wieder eine Torwart-Persönlichkeit. Bastian Schweinsteiger, von dem viele dachten, er habe seine Zukunft schon hinter sich, wurde nie klüger auftretend gesehen im Trikot des Rekordmeisters. Und selbst Anatoli Timoschtschuk, bisher König des Rückpasses, traf plötzlich befreiend ins Tor.

Da gewesen zu sein, als es darauf ankam, könnte zum Wendepunkt der Saison für den FC Bayern werden. Noch nie hatten die Münchner über 90 Minuten überzeugt, jetzt platzte der Knoten gewaltig, erscheint die Zukunft plötzlich rosig. Aus dem kostspieligen, unklug zusammen gestellten Kader scheint der Trainer nun doch das Niveau für die nötigen Erfolge herauskitzeln zu können. Louis van Gaal, der gewiefte Taktiker und schwierige Typ, ist der große Sieger. Es wird in der Winterpause keiner Trainer-Diskussion bedürfen. Gut, sollten die beiden letzten Liga-Spiele in Bochum und gegen Hertha verloren gehen – aber das wäre eine erneute Wendung der Ereignisse, die mit den Bildern von Turin schwer vorstellbar ist.

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