WÜRZBURG

Masern: Risiko von tödlichen Folgen

Der charakteristische Masern-Ausschlag: Das auf der gestrigen Thema-Seite abgebildete Kind hatte Windpocken. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Foto: cdc | Der charakteristische Masern-Ausschlag: Das auf der gestrigen Thema-Seite abgebildete Kind hatte Windpocken. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

(epd/geha) Das Risiko von tödlichen Spätfolgen nach einer Maserninfektion ist für Kinder offenbar rund 30 Mal höher als bisher angenommen. Forscher der Uni Würzburg und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit haben errechnet, dass das Risiko für Kinder unter fünf Jahren bei 1 zu 3300 und nicht wie bislang angenommen bei 1 zu 100 000 liegt, dass bei ihnen auch viele Jahre nach einer Infektion mit Masern die Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftritt. Die SSPE ist eine stets tödlich endende Entzündung des Gehirns.

„Die SSPE betrifft vor allem Kinder und tritt in der Regel erst mehrere Jahre nach der akuten Masern-Erkrankung auf. Sie führt zu einem schleichenden Verlust aller geistigen Fähigkeiten und endet im Wachkoma, in dem die Betroffenen nach wenigen Monaten oder auch Jahren versterben. Eine Behandlung der SSPE ist nicht möglich“, schildert Benedikt Weißbrich laut Pressemitteilung der Universität Würzburg die Symptome dieser Krankheit. Weißbrich ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und einer der Koordinatoren der Studie.

Möglicherweise sei das Risiko im Lauf der Zeit gestiegen. Genauso gut sei es aber auch denkbar, dass die Fallzahlen vor allem von sehr jungen Kindern nicht richtig erfasst wurden. Tatsächlich ist die Berechnung des SSPE-Risikos schwierig, weil zwischen der akuten Maserninfektion und der SSPE-Erkrankung viele Jahre vergehen können.

„Wir haben SSPE-Fälle bei Kindern erfasst, die im Zeitraum zwischen 2003 bis 2009 in deutschen Kliniken behandelt worden waren“, erklärt Weißbrich. Als Datenquelle dienten die an der Universität Würzburg diagnostizierten SSPE-Fälle sowie die „Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Infektionen in Deutschland“ (ESPED). Insgesamt 31 Kinder mit der Diagnose SSPE konnten die Forscher ermitteln. Um nun das SSPE-Risiko berechnen zu können, mussten sie im nächsten Schritt herausfinden, wann und wo diese Kinder an Masern erkrankt waren. „Diese Informationen waren zwar lückenhaft, aber für 13 Kinder konnte angenommen werden, dass im Zeitraum von 1994 bis 2001 eine Maserninfektion in Deutschland stattgefunden hatte“, sagt Weißbrich.

Das Risiko für Kinder im ersten Lebensjahr ist laut den Berechnungen der Forscher noch wesentlich höher. Dies sei besonders problematisch, weil Kinder erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat gegen Masern geimpft werden können, so Benedikt Weißbrich weiter. „Gerade Kinder im ersten Lebensjahr, für die das SSPE-Risiko am höchsten ist, können somit durch eine Masern-Impfung nicht vor der SSPE geschützt werden“, warnt Weißbrich und appelliert deshalb dringend an alle Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Dem Virologen zufolge ist der einzige Schutz vor SSPE für Säuglinge, dass alle um sie herum gegen Masern geimpft sind und die Erreger nicht weitergeben können.

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