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Alles ändert sich, nichts bleibt gleich. Auch mainpost.de steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Was und warum es sich ändert, lesen Sie hier in einer Serie bis zum 18. Juni 2015.
Relaunch Countdown mainpost.de 2015       -  Nachrichtenproduktion in Echtzeit. Das Video vom Mozartlabor lädt Main-Post-Redakteurin Meike Rost direkt nach der Produktion hoch, so dass mainpost.de-Besucher beinahe live dabei sind.
Foto: Chris Weiß | Nachrichtenproduktion in Echtzeit. Das Video vom Mozartlabor lädt Main-Post-Redakteurin Meike Rost direkt nach der Produktion hoch, so dass mainpost.de-Besucher beinahe live dabei sind.
Den Startschuss zur aktuellen Medien-Revolution gab ein unscheinbarer Mann im schwarzen Rollkragenpullover. Was er der Medienwelt 2007 präsentierte, veränderte weltweit den Journalismus. Der Unscheinbare mit der Brille war Steve Jobs, Mitgründer von Apple, inzwischen gestorben. Was er der Öffentlichkeit vorstellte, war das iPhone der ersten Generation, das erste Mobiltelefon, das mit einem neuartigen Touchscreen mehr konnte als Telefonieren und SMS schreiben. Das Internet war schlagartig (wirklich) mobil geworden.

Im Jahr 2015 durchsurfen Nutzer das Internet im Gehen, im Schlafanzug vom Bett aus, beim Schaukeln auf dem Kinderspielplatz oder vom Autositz auf dem Weg in den Sommerurlaub. Das Netz ist überall und individuell, immer neue Apps und Anwendungsmöglichkeiten für jeden Geschmack werden erfunden. Das einzig Sichere in diesen Zeiten ist: Nichts ist sicher. Alles ändert sich, die Nutzungsgewohnheiten genauso wie der Journalismus.

Viele vergleichen die gesellschaftlichen Umbrüche durch den digitalen Journalismus mit denen nach der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert. Die Veränderungen in der Medienwelt im 21. Jahrhundert sind auf vier Schlagworte zu bringen: Innovation, Technisierung, Dynamik und Interaktion.

Um den neuen journalistischen Alltag zu beschreiben, sprach die Fachzeitschrift Media Perspektiven mit Verantwortlichen aus 15 Digitalredaktionen, von Stern.de über das Privatradio Antenne Düsseldorf bis hin zur regional ausgerichteten Rhein-Zeitung. Alle sehen die Herausforderungen für sich und ihre Kollegen ähnlich, wie die folgende Zusammenstellung zeigt.  

Innovation

Mit Steve Jobs iPhone war der Anfang gemacht. Inzwischen gibt es das Smartphone in der sechsten Auflage, neue Geschwister erweiterten die mobile Familie: das Tablet ab 2010 und neuerdings die Smartwatch fürs Handgelenk. Andere Hersteller haben die Idee vom intelligenten Telefon aufgegriffen und den Smartphone-Markt in ein umkämpftes Terrain verwandelt. Inzwischen gibt es 45 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland.

Mit den neuen Endgeräten entwickeln sich auch neue Arten des Journalismus: Videos alias Bewegtbild, Audio-Schnipsel, Fotostrecken, multimedial angelegte Geschichten, interaktive Grafiken, Animationen und vieles mehr. Die angebotenen Formate richten sich oft nach Tageszeiten und den beliebtesten Endgeräten: Abends eher lange Lesestücke, morgens Kurznachrichten. Für den Desktop-PC eher kleinteilige Grafiken, fürs Smartphone Videos.

Der Begriff digitaler Journalismus umfasst also neue Spielzeuge auf einem neuen Spielplatz, während der Begriff Onlinejournalismus eher die alten Gerätschaften auf dem neuen Spielplatz beschreibt, sich also nur auf den neuen Kanal bezieht, den es zu bespielen gilt.

Technisierung

Journalismus gilt als Handwerk. Mit dem Vormarsch des Digitalen wird dieses Handwerk immer technischer. Inzwischen gehört es laut der von den Media Perspektiven befragten Redaktionsverantwortlichen für digitale Journalisten dazu, im Internet zu recherchieren, online-spezifisch zu formulieren und mit sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram umzugehen.

Technikgetriebene Darstellungsformen bietet darüber hinaus der so genannte Datenjournalismus: Der greift auf große Datenmengen und Statistiken zu, und Journalisten schließen daraus Aussagen über gewisse Tendenzen, die sich abzeichnen, zum Beispiel Unfallschwerpunkte innerhalb eines Verkehrsgebietes.

Dynamik

Das Internet hat nie geschlossen. Über den Tag (bis in die Nacht) hinweg werden Inhalte deshalb fortlaufend „ergänzt, annotiert, präzisiert“, sagt Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Süddeutsche.de. Diese fortwährende Arbeit an der Verbesserung des Produktes nennt sich Prozess-Journalismus. „Redaktionsschluss Online ist nie oder immer“, sagt auch Mathias Müller von Blumencron von FAZ.net. Arbeitszeiten werden ausgedehnt, Abläufe innerhalb der Redaktion sind im Wandel. Zeit Online etwa hält vermehrt „Ad-hoc-Meetings“ zu bestimmten Themen ab statt zeitlich fest angelegter Großkonferenzen.

Mit steigendem Zeitdruck wird die eigene „Bewertungskompetenz“ für Journalisten immer wichtiger, betont Michael Krechting vom Kölner Stadt-Anzeiger: Bewerten und Einordnen muss der Redakteur innerhalb kürzester Zeit. Trotz des unerschöpflichen Platzes, den das Internet bietet, wollen Nutzer nicht zugemüllt werden, sondern relevante Inhalte präsentiert bekommen. Dabei ist vor allem die „Livetickeritis“ umstritten: Online-Medien geraden in Gefahr, Liveticker zu nahezu jedem Thema zu liefern, egal ob angebracht oder nicht.

Prominentestes kritisiertes Beispiel waren die Ticker zu Michael Schumachers Ski-Unfall 2013. Die Lehre daraus: Nicht alles muss im Sekundentakt aktualisiert werden. Dem Publikationsdruck also nicht reflexartig nachgeben, andernfalls bringt die Beschleunigung schnell „Oberflächlichkeit und Verkürzung“ mit sich, so sind sich die Befragten einig.

Mit Dynamik des Journalismus ist nicht nur Geschwindigkeit gemeint, sondern auch die in mehrere Richtungen gerichtete Nutzung eines Inhaltes: Ein journalistischer Beitrag hat nicht mehr nur einen Anfang und ein Ende, läuft  also nicht mehr linear von A nach B, sondern führt via Links zu Hintergrundinfos, die der Nutzer in Anspruch nehmen kann oder nicht.

Interaktion

Minütlich wird an Beiträgen gearbeitet. Die logische Folge in umgekehrter Richtung: Ebenfalls in Echtzeit kann die Redaktion die Nutzerzahlen ihrer Website und einzelner Beiträge abrufen. Was früher durch Auflagenzahlen vierteljährlich hereinflatterte, kommt heute unmittelbar: Rückmeldung vom Publikum.

Neben den nackten Zugriffszahlen sind das auch Kommentare und E-Mail-Zuschriften: Dabei können Nutzer zu Fehlerkorrekturen aufrufen, Lob und Kritik loswerden oder neue Tipps für weitere Recherchen geben.

Das bindet Zeit und Energie. „Journalisten sind es zu einem überwiegenden Teil noch nicht gewohnt, dass Interaktion mit dem Leser eine ihrer Kernaufgaben ist“, sagt Anita Zielina, zum Befragungszeitpunkt verantwortlich für stern.de. Die Gefahr, die die Befragten zum Teil sehen, ist die der einseitigen Themensetzung: Liegt der Schwerpunkt bald nur noch auf Themen, die von der Online-Community genutzt werden, also den ultimativen Klickbringern – statt auf gesellschaftlich womöglich wichtigeren Belangen?

Im Internet steht der Journalismus in direkter Konkurrenz zu nicht- und parajournalistischen Angeboten wie Youtube oder heftig.co, die mit rührseligen Fotos, Aufregergeschichten und Katzenvideos um die Aufmerksamkeit der Nutzer buhlen und viral verbreitet werden. Wandlungsfähigkeit ist deshalb auch für den digitalen Journalismus notwendig, um das Interesse des Publikums nicht an die Konkurrenz zu verlieren: Nachrichten also unterhaltsam machen.

Das  direkte Feedback der Nutzer kann sich manchmal auch in Shitstorms auswachsen, Empörungswellen, die – sind sie einmal in Bewegung – nur noch schwer zu beschwichtigen sind. Doch zum Glück ist das Feedback so vielfältig wie die Nutzer: unangenehme Kritik oder motivierendes Lob – der digitale Journalist steht mit seinem Publikum in ständigem Kontakt. Und das kann trotz aller Herausforderungen große Chancen bieten.

Relevant, individuell, mobil
Die Art, wie Menschen Informationen über ihre Umwelt aufnehmen, hat sich durch die Digitalisierung radikal verändert und verändert sich durch die mobile Technologie,  durch Smartphones oder Smartwatches, weiter. Mainpost.de geht diesen Wandel mit und erscheint am 18.6.2015 in völlig neuem Design und mit neuen Funktionalitäten, die den Besuchern ein Höchstmaß an Benutzerkomfort bieten. Bis dahin informiert die Redaktion in Form einer Miniserie über die Veränderungen in der Medienwelt.

 
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