WÜRZBURG

Patrick Friedl kandidiert für die Grünen für den Bundestag

„Ich bin nur ein einziges Mal in meinem Leben mit dem Flugzeug geflogen – nein: doch zwei Mal“, hält Patrick Friedl inne, der Grüne Bundestagskandidat aus der Sanderau, der aus tiefster Überzeugung Grün lebt.
Plakatiert selbst gerne: der Grünen-Bundestagskandidat Patrick Friedl
Foto: FOTO THERESA MÜLLER | Plakatiert selbst gerne: der Grünen-Bundestagskandidat Patrick Friedl

 Diese beiden Flüge fanden schon sehr bald statt:

mal als Kind im Alter von fünfeinhalb Jahren mit den Eltern nach Kanada und später als Zehnjähriger mit einem Freund auf einem Sportflugplatz.

Heute benutzt er kein Flugzeug mehr. Er besitzt nicht einmal mehr ein eigenes Auto.

Friedl tritt als Direktkandidat an, wenngleich er sich – bei bereits sieben bayerischen Abgeordneten im Bundestag und davon bisher zwei aus Unterfranken – keine wirklichen Hoffnungen auf die Wahl macht.
 
„Ich will der grünen Politik ein Gesicht geben“, sagt Friedl.

Er habe sich viel Vertrauen aufgebaut und insoweit auch die Grüne Politik voran getrieben.

Nun ist es das vierte Mal in Folge, dass er antritt.

Der Würzburger Kandidat stammt aus Rothenburg ob der Tauber. Am Hang des Taubertals wuchs er zwischen Bäumen und Wiesen rund ums Haus auf.

„Ich hatte immer rauschende Blätter“, erinnert er sich an das Grün rundum und die Fußwege am Hang, „Felder 'rauf und 'runter.

Rad gefahren bin ich sowieso immer“, erzählt er, wenn zunächst auch eher aus praktischen als aus grünen Gründen:

„Weil ich sehr bald keine Lust mehr hatte, für zweieinhalb Kilometer den Schulbus zu nehmen. Da konnte ich knapper kommen.“ Das ist heute noch so.

Friedl kommt pünktlich zur Verabredung für dieses Interview – extrem knapp, rauscht er auf den letzten Drücker sicherheits-behelmt mit seinem Drahtesel an.

Wie wurde Patrick Friedl Grüner? „Ich habe früh überlegt, was aus der Welt wird,“ resümiert der heute 38-Jährige und am Wahltag 39-Jährige.

„Ich will, dass sich Wesentliches verändert, dass die Grünen wieder in die Regierungsverantwortung kommen.“

Dazu gehört der vollständige Umstieg auf erneuerbare Energien, ein Ende der Nutzung fossiler und atomarer Energie, der Verzicht auf Gentechnik in der Landwirtschaft und eine Wende in der Verkehrspolitik mit einem deutlichen Ausbau der Elektromobilität, mehr öffentlichem Verkehr und mehr Flexibilität zwischen allen Verkehrsträgern.

Schon als Jugendlicher habe er seine Eltern „traktiert“, Müll zu trennen – zu Zeiten, als dies noch ungewöhnlich war, bis hin zu Glas und Aluminium und der Entsorgung im Bauhof. Er hatte ein politisches Elternhaus.

„Meine Mutter hat 1984 auf der Stadtratsliste in Rothenburg kandidiert und war seit 1985 im Stadtrat bis 1996 – bei der FDP.

Die Großmutter mütterlicherseits war allerdings SPD'lerin. Friedls Eltern waren beide der FDP beigetreten, mittlerweile sind sie jedoch wieder ausgetreten.

So hat Patrick Friedl auch sehr bald Wahlkämpfe miterlebt und mitgestaltet.

Politikbegeistert erinnert er sich daran, die einstige Staatsministerin im Auswärtigen Amt Hildegard Hamm-Brücher gehört zu haben, als er 1982 das Misstrauensvotum gegen den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Sieg Kohls vor dem Fernseher mitverfolgte.

Erst recht habe er bewusst miterlebt, als die Grünen 1983 erstmals in den Bundestag einzogen.

Grüner ist er selbst seit Frühjahr 1996. Er wurde von einem grün engagierten Kommilitonen angeworben und half bereits im Kommunalwahlkampf 1996 bei den Würzburger Grünen mit. Friedl, heute längst auch wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell, wurde im richtigen Moment erwischt: „Ich wollte mich 'eh engagieren.“

Und würde er nun in den Bundestag gewählt – was würde ihm vorschweben?

„Ich hätte genug, was mich reizt: Klima- und Klimaschutzpolitik. Ich bin da richtig gelandet, wo ich bin.

Und Sozialpolitik, die ansetzt bei frühen Hilfen für Kinder in den ersten Jahren; die auch die Elternschaft stärkt; die noch mehr Kinderbetreuung ermöglicht und sich für ein Mehr an Sozialleben einsetzt, dabei die emotionale Entwicklung von Menschen berücksichtigt, die Bindungsfähigkeit fördert...“

Da spricht aus dem überzeugten Grünen auch das Engagement in seinem zweiten Berufszweig (neben dem Juristen und wissenschaftlichen Mitarbeiter) als ausgebildeter Ehe-, Familien- und Lebensberater. Als solcher ist er zurzeit Honorarkraft im evangelischen Beratungszentrum und betreut dort eine Kindergruppe von Trennungs- und Scheidungskindern.

Zur Person

Patrick Friedl wurde Ende August 1970 in Rothenburg ob der Tauber geboren und wuchs dort auf. Bis 1995 hatte er dort seinen Erstwohnsitz, studierte aber seit 1990 in Bayreuth Jura. Seit 1994 wohnt er in Würzburg-Sanderau.
 
Friedl ist seit elf Jahren mit der Diplom-Psychologin Almut Friedl-Huber verheiratet. Er ist Mitglied des Stadtrates und Kreisvorsitzender der Grünen.

Er ist Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Jugend und Eheberatung e.V. (DAJEB) und Umweltbeauftragter beim Diakonischen Werk Würzburg.

Patrick Friedl mit seiner Frau Almut  Friedl-Huber im Urlaub auf Bornholm.
Foto: FOTO Privat | Patrick Friedl mit seiner Frau Almut Friedl-Huber im Urlaub auf Bornholm.
Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen