WÜRZBURG

Rheumatoide Arthritis: Linderung einer unheilbaren Krankheit

Rheuma ist ein Sammelbegriff für über 400 verschiedene Krankheitsbilder. Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Heilmittel gibt es viele. Manche sind gut, viele umstritten. Professor Dr. Wolfgang Scheppach, Chefarzt der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie/Rheumatologie am Würzburger Juliusspital, hat sich mit dem Zusammenhang von RA und Ernährung beschäftigt.
Ein Arzt untersucht die Hände einer rheumakranken Patientin.
Foto: FOTO DPA | Ein Arzt untersucht die Hände einer rheumakranken Patientin.

Die Krankheit beginnt schleichend. Morgens kann man plötzlich die Kaffeetasse nicht mehr richtig halten, die Gelenke sind geschwollen, steif und schmerzen. Nach rund einer Stunde lässt die Morgensteifigkeit zwar meist nach, aber die Beschwerden kommen wieder. Immer öfter, immer heftiger. Mit der Zeit zieht die Krankheit immer mehr Gelenke in Mitleidenschaft. An Rheumatoider Arthritis (RA), im deutschen Sprachraum auch „chronische Polyarthritis“ (cP) genannt, leiden weltweit rund 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung. In schweren Fällen kann sie bis zur Invalidität führen.

Heilbar ist RA nicht. Aber je früher die Diagnose gestellt und die Erkrankung behandelt wird, umso besser lässt sich das Fortschreiten verzögern. Neben der medikamentösen, physikalischen und chirurgischen Therapie kann die Ernährung eine unterstützende Maßnahme in der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen sein – kann. Es gibt zwar eine Fülle an Ernährungsempfehlungen und Rheumadiäten, „überzeugende wissenschaftliche Daten für den Zusammenhang von Ernährung und Rheuma gibt es aber nicht“, warnt Scheppach. Umgekehrt heißt das nicht, dass die Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen ganz ohne Einfluss wäre. Individuelle Erfahrungen von Patienten zeigen, dass zumindest Symptome wie Schmerzen oder geschwollene Gelenke gelindert werden können.

Und nicht nur das. Auch Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, die durch entzündliche rheumatische Erkrankungen gefördert werden, können durch eine sinnvolle Ernährung gemindert werden. Weil viele Arthritis-Patienten Übergewicht haben, lautet das erste Ziel: Abnehmen, um die Gelenke nicht zusätzlich zu belasten. „Ersetzen kann eine Diät eine konventionelle Therapie aber nicht!“, so der Experte. Sie könne eine medikamentöse Behandlung höchstens unterstützen. Scheppach empfiehlt einen gesunden Lebensstil ohne Zigaretten, dafür mediterrane Kost mit viel Obst und Gemüse.

So kann sich etwa der Verzehr von fettem Fisch wie Lachs oder Makrele positiv auf das Krankheitsbild auswirken. Er hemmt die Bildung der Arachidonsäure, die entzündliche Prozesse bei Rheuma fördern kann. Sie findet sich in allen tierischen Lebensmitteln, besonders hoch konzentriert in Schweineschmalz oder Würstchen. Als Gegenspieler zur Arachidonsäure wirkt die in Fisch oder Fischöl enthaltene Eicosapentaensäure. Sie setzt entzündungshemmende Botenstoffe frei. Von einer „heilenden Wirkung“ der Ernährung möchte Scheppach aber nicht sprechen. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Patienten dauerhaft gut damit fahren, Langzeitstudien fehlen.“ Recht gut untersucht ist hingegen der Zusammenhang zwischen Nikotin und dem Risiko, an Rheumatoider Arthritis zu erkranken: Wer raucht und zudem eine hohe genetische Disposition (Anfälligkeit) für RA aufweist, hat ein dreimal höheres Risiko, RA zu bekommen als ein Nichtraucher.

Alkohol schneidet etwas besser ab, Untersuchungen haben gezeigt, dass sich zehn bis 20 Gramm Alkohol pro Tag (entspricht knapp einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein) sogar positiver auswirken als gar kein Alkohol. „Empfehlen kann man Alkohol aufgrund seiner schädigenden Wirkung auf viele Organe trotzdem nicht“, so Scheppach. Eher zu empfehlen: Vitamin D und Beta-Cryptoxanthin, das überwiegend in grünblättrigem Gemüse, Papayas, Pfirsichen, Mangos, Orangen oder Mandarinen vorkommt. Sie können das Risiko, an RA zu erkranken, senken.

Auch wenn letztendlich alle Ernährungsratschläge nur Empfehlungen bleiben und keine Garantie für eine Besserung sind, gibt der Professor zusammenfassend dennoch einige Tipps für eine gesunde Lebensführung. „Ein gesunder Lebensstil ist immer angebracht“, so Scheppach. Und wenn er bei Rheumatoider Arthritis helfen kann – umso besser.

• Vermeiden Sie Übergewicht.

• Bewegen Sie sich regelmäßig.

• Wenn Sie Alkohol trinken, dann in Maßen (maximal 10 bis 20 Gramm pro Tag).

• Bevorzugen Sie Fisch gegenüber Fleisch und Wurst.

• Vermeiden Sie einseitige Kostformen. Es gibt keine Rheumadiät!

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