BERLIN

Trends der digitalen Gesellschaft

Ein Mann liest ein Blog im Internet: Die re:publica-Konferenz bot auch überraschende Meinungen.
Foto: dpa | Ein Mann liest ein Blog im Internet: Die re:publica-Konferenz bot auch überraschende Meinungen.

Es war das deutsche Online-Ereignis des Jahres: die Blogger- und Social-Media-Konferenz re:publica in Berlin. Drei Tage lang diskutierten über 2500 Besucher und 256 Referenten aus 30 Ländern über Themen rund ums Internet und die digitale Gesellschaft. Hier einige überraschende Meinungen und Trends des Kongresses.

1. Das iPad ist rückschrittlich: Das zumindest ist die Meinung zahlreicher re:publica-Besucher – und die des New Yorker Bloggers und Journalismus-Professors Jeff Jarvis. Er hatte seinen eben gekauften Tablet-Computer ausprobiert, enttäuscht wieder eingepackt, an Apple zurückgeschickt – und die Anekdote im Rahmen seines Vortrags auf der re:publica erzählt. Ohne Kamera, USB-Anschluss und die Möglichkeit, mehrere Anwendungen gleichzeitig zu öffnen, stelle das Gerät für ihn einen Rückschritt dar, so Jarvis. Während das Internet alle zu Medienschaffenden gemacht hätte, wolle das iPad die Nutzer wieder zu bloßen Konsumenten machen. Und während anderswo mit Ungeduld der Verkaufsstart des iPad erwartet wird, gab es auf der re:publica für diejenigen, die Apples neuestes Produkt bereits auf den Knien balancierten, vor allem eines: kritische Blicke.

2. „Augmented Reality“ ist Trend: In Filmen, die in der Zukunft spielen, sind „Augmented Reality“-Szenarien (frei übersetzt: „erweiterte Realität“) bereits seit langem äußerst beliebt. Eine Person steht mitten in einem Raum und öffnet, von ungewohnten Geräuschen begleitet, ein überdimensionales virtuelles Bildschirmfenster. Bedient wird das Ganze durch Blicke oder Gesten; mit einem einzigen Fingerschnipp verschwindet die Bildschirmwand wieder. Was ebenso souverän wie unrealistisch aussieht, gibt es mittlerweile tatsächlich: Wer etwa eine fremde Stadt besucht und vor einem unbekannten Gebäude steht, kann mit seiner Handy-Kamera ein Bild davon machen. Sekunden später erscheinen auf dem Handy-Display jede Menge Informationen über das Bauwerk – zum Beispiel historische und architektonische Fakten. Die Wirklichkeit wird so um eine weitere Ebene, die virtuelle Realität, ergänzt.

Auf der re:publica machte ein Londoner Unternehmen den Nutzen der „Augmented Reality“ für die mobile Arbeitswelt deutlich. Bis zum Jahr 2011 werden mehr als 50 Prozent der Menschen in Westeuropa und den USA mindestens einen Tag pro Woche von unterwegs arbeiten, so eine Studie. Wie man nun in einer fremden Stadt den nächstgelegenen und gleichzeitig ruhigsten Platz findet, an dem man arbeiten und ins Internet gehen kann, erfährt man mit Hilfe einer kostenlosen Handy-Applikation. Der Blick aufs Display ersetzt also in vielen Fällen bereits das Fragen nach dem Weg oder die Tipps von Einheimischen.

3. „Slow Media“ als neue Strömung: Von „Informationsüberflutung“ und „Überforderung“ ist im Zusammenhang mit dem Internet oft zu hören. Manch einer fühlt sich von der Unmenge an Angeboten im Netz überrollt. Die Bewegung „Slow Media“ will dazu ein Gegengewicht bilden. Ähnlich wie die „Slow Food“-Bewegung fordern die drei Slow-Media-Gründer mehr Genuss, Achtsamkeit und Konzentration. Erstere stellen diese Prinzipien fürs Essen und Trinken auf, letztere für den Konsum von Medien. Festgehalten haben die Slow-Media-Vertreter ihr Anliegen in einem Online-Manifest, das sich aus zehn Punkten zusammensetzt (www.slow-media.net). Auf der re:publica stieß das Konzept auf Begeisterung auf der einen Seite und heftige Kritik auf der anderen: Nur wer die Überforderung eine Weile aushalte, könne neue Verhaltensmuster entwickeln, um künftig mit der Fülle an Informationen umzugehen.

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