Von Trainern und anderen Göttern

So schnell geht das auf dem Boulevard des deutschen Volkssports Fußball. Eben noch lauteten die fetten Schlagzeilen: Louis van Gaal schlechter als Klinsi – nach dem 2:1-Sieg gegen Frankfurt feiern die Kommentatoren den Holländer als Louis van Genial. Vom Gott zum Deppen und umkehrt ist es bisweilen ein schneller Weg. Zeit gibt es nicht mehr in diesem Geschäft.

Beispiel Nürnberg: Da siegten die Clubberer deutlich gegen Hertha BSC, eine Mannschaft, gegen die derzeit wohl auch die Auswahl der Osterinseln gewinnen würde, schon galt Frankens Stolz dem Kreis der Abstiegskandidaten entwachsen. Die Realität zeigt sich immer im nächsten Spiel. Und war Markus Babbel nicht vor wenigen Wochen in Stuttgart noch der gefeierte Trainer einer neuen Generation? Nun gibt es erste Gerüchte um eine Demission, sollte sein VfB am kommenden Wochenende gegen die Bayern verlieren. Auch ein möglicher Nachfolger wird schon gehandelt: Jürgen Klinsmann, der bei den Schwaben einst seine Karriere als Spieler begonnen hatte.

Es lohnt sich also, noch einmal einen Blick zu werfen auf die Bayern-Leistung gegen Frankfurt. Sicher waren die taktischen Rochaden von Louis van Gall diesmal genau richtig, aber es wurde auch erkennbar, dass der Holländer noch kein passendes Spielsystem gefunden hat. Diesmal versetzte er wieder Philipp Lahm auf die rechte Abwehrseite, links erhielt Danijel Pranic eine Bewährungschance. Zudem fehlt es im Spielaufbau ohne einen Franck Ribéry oder einen Arjen Robben an Tempo und Dynamik, im Sturm hat der Coach aus der reichhaltigen Auswahl noch kein verlässliches Pärchen gefunden. Vor allem im Angriff herrscht auch deshalb erhöhtes Konfliktpotenzial, weil Toni und Klose, die zugegeben lange verletzt waren, in dieser Bundesliga-Saison noch gar getroffen haben und Gomez letztmals Mitte September in Dortmund.

Das 2:1 gegen Frankfurt also wird die Welt in München nicht retten, wenn nicht langsam Konstanz einkehrt in diese Mannschaft, deren Willen und Klasse einmal gefürchtet war. Aber wie hatte Louis van Gaal nach der Niederlage in Bordeaux doch gesagt: „Ich bin nicht Gott!“ Was aber wohl nicht heißen soll, dass es kein Irdischer mehr richten kann beim FCB.

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