BERLIN

Wie Computerspiele beim Lernen helfen

(dpa/juk) Wenn Jugendliche stundenlang vor der Spielkonsole sitzen, ist das Eltern oft ein Dorn im Auge. Das könnte sich bald ändern: Denn Lernspiele – sogenannte Serious Games – sind nach Ansicht von Experten stark im Kommen. Sie sollen nicht nur Spaß machen, sondern spielerisch den Lerneifer wecken und Wissen vermitteln. Wirklich unterhaltsame Lernspiele sind aber immer noch rar – und längst nicht jedes Spiel mit dem Label „Serious Game“ verdient diesen Namen auch. Experten klären auf.
FOTO dpa/Nintendo
Foto: Lernspiele wie „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ für die Spielekonsole Nintendo DS sind gefragt. | FOTO dpa/Nintendo

„Spaß fördert den Lernprozess – insofern lernt sich zum Beispiel die Straßenverkehrsordnung leichter, wenn sie als Spiel verpackt wird“, sagt Professor Gernold Frank, der an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Berlin zu dem Thema forscht. Computerspiele hätten etwa gegenüber Lehrbüchern den Vorteil, dass Spieler Lernstoffe interaktiv erkunden können.

Eine neue Zielgruppe

Spiele steigerten somit zum einen den Lernerfolg und senkten zugleich die Hemmschwelle für die Beschäftigung mit ernsten Themen, sagt Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Bonn. Die bpb hat das Spiel „Genius“ entwickelt, in dem Jüngere die Spielregeln der Demokratie lernen sollen. „Gerade Jugendliche aus bildungsfernen Schichten erreicht man über Computerspiele eben am besten.“

Führten solche Titel früher ein Nischendasein, sind Lernspiele wie etwa „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ für tragbare Spielkonsolen inzwischen echte Renner: Die Serie hat sich seit Erscheinen 2006 allein in Europa mehr als zwölf Millionen Mal verkauft. Das liege auch daran, dass solche Spiele eine neue Zielgruppe neben den klassischen Spielern ansprechen, sagt Linda Breitlauch, Professorin für Gamedesign an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Dazu gehörten vor allem Ältere, die mit dem PC bisher eher wenig Berührungspunkte hatten. Auch Unternehmen hätten das Potenzial des Spieltriebs mittlerweile entdeckt, sagt Frank. „Da werden Spiele jetzt ernster genommen.“

„Game based learning“ werde inzwischen vermehrt in der Weiterbildung genutzt, ergänzt Breitlauch. „Das startet gerade als Testballon in vielen Firmen.“ Künftig könnten Serious Games noch stärker als bislang in Schulen begleitend zum Unterricht eingesetzt werden. Die Palette ist breit: Sie reicht von Denksportaufgaben und spielerischem Tipp-Training über Wirtschaftssimulationen wie den Klassiker „SimCity“ bis hin zu Yoga-Lektionen an der Nintendo-Konsole Wii. Daneben werden Themen behandelt, um die herkömmliche Hersteller eher einen Bogen machen: In „Global Conflicts: Palestine“ etwa wird der Nahost-Konflikt veranschaulicht, das therapeutische Spiele „Re-Mission“ richtet sich an krebskranke Kinder.

Aktuelle Titel aus der Unterhaltungsindustrie seien oft aufwendiger gestaltet und den Lernspielen damit einen Schritt voraus, sagt Frank. „Grafisch können die da noch nicht mithalten.“ Auch schafften es längst nicht alle Serious Games, den gleichen Spaßfaktor wie Unterhaltungsspiele zu bieten, so Breitlauch. „Idealerweise soll es ja so sein, dass man etwas lernt, ohne dass es den Anschein einer Pflichtübung hat.“ Ansonsten dürften jugendliche Spieler ein Spiel schnell weglegen, auch wenn Eltern von ihm angetan sind.

Es bestehe die Gefahr, dass auch Unterhaltungsspiele auf der Welle der Serious Games mitschwimmen, sagt Frank. „Das ist derzeit noch ein schwammiger Begriff und keine klare Kennzeichnung.“ Kunden müssten beachten, dass nicht überall ein lehrreiches Spiel drinsteckt, wo „Serious Game“ draufsteht. „Es kommt darauf an, was an erster Stelle steht: das Lernen oder die Unterhaltung,“ sagt der Experte.

Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen