Witz im Web: Mit Unsinn gegen die Macht von Wikipedia

Die meisten Surfer ärgern sich, wenn sie im Netz auf Falschmeldungen und erfundene Geschichten hereinfallen. Doch einer Reihe von Webnutzern haben es solche „Hoaxes“ angetan: In Spaß-Lexika sammeln sie allerhand Blödsinn und treiben Gerüchte auf die Spitze. Die Macher parodieren die Online-Enzyklopädie Wikipedia, indem sie ihr Konzept auf den Kopf stellen.
Sieht aus wie Wikipedia, ist aber bewusst und ausschließlich Unsinn: kamelopedia.org erklärt die Welt aus der Sicht von Kamelen.
Foto: FOTO dpa | Sieht aus wie Wikipedia, ist aber bewusst und ausschließlich Unsinn: kamelopedia.org erklärt die Welt aus der Sicht von Kamelen.

Die Macher von „Kamelopedia.org“ etwa haben bereits rund 10 000 Scherz-Artikel zusammengetragen, in denen sie die Welt aus der Sicht von Kamelen erklären. „Erlaubt ist alles, was Spaß macht“, erklärt Sprecher Thomas Heitsiek aus Bad Salzuflen das Konzept. Auf der Seite erfahren Leser etwa von der „Kugelschreiber-Verschwörung“, mit der vertuscht werden soll, dass die Erde doch eine Scheibe ist.

Ähnlich warten Satireseiten wie „Stupidedia.org“, „Falsipedia.com“ oder „Kartoffelpedia.de“ mit Nonsens-Nachrichten auf. Letztere warnt vor einer drohenden Kartoffelinvasion, auf „Stupidedia.org“ wird etwa behauptet, am 32. Dezember drohe der Weltuntergang – er könne aber „durch Geldspenden an eine beliebige Sekte“ abgewendet werden.

Untermauert werden die Artikel häufig mit obskuren Studien oder angeblichen Aussprüchen. So war es in der englischen Version von „Uncyclopedia.org“ lange ein Running Gag, dass die Artikel mit einem erfundenen Zitat von Oscar Wilde anfingen. Die deutsche Seite fügte ihren Einträgen ein erdachtes Bonmot von David Hasselhoff hinzu. Wichtigster Grundsatz ist das Verdrehen von Tatsachen: Die Macher beteuern, Wikipedia sei eine Parodie auf ihre Angebote.

Der ernste Kern der Satire

Und um die Verwirrung komplett zu machen, sehen Seiten wie „Uncyclopedia.org“ und „Illogicopedia.org“ auf den ersten Blick Wikipedia ganz ähnlich. Die Satire hat allerdings einen ernsten Kern: Sie zielt auf die Leichtgläubigkeit ab, mit der manche Surfer Netz-Meldungen aufnehmen. „Das eigentlich Verrückte ist ja, dass es immer wieder Leser gibt, die unseren Unsinn für bare Münze nehmen“, sagt Heitsiek. Besonders Jugendliche vertrauen inzwischen vorwiegend auf Wikipedia. Laut einer Studie des Instituts „Icon Kids & Youth“ von 2007 glaubt mehr als die Hälfte der sechs- bis 19-Jährigen dem Mitmach-Lexikon blind – Seiten wie „Spiegel.de“ halten nur 40 Prozent für vertrauenswürdig.

„Wer sich richtig informieren will, muss aber immer fragen, woher die Informationen stammen“, sagt Professor Lorenz Lorenz-Meyer, der an der FH Darmstadt Online-Journalismus lehrt. Bei Wikipedia gebe es oft Streit über Themen. Das führt dann dazu, dass Einträge in „Edit-Kriegen“ ständig in die eine oder andere Richtung abgeändert werden. Hierfür wollen auch die Satire-Portale den Blick schärfen: Die Macher von „Stupidedia.org“ witzeln, Wikipedia sei für seine vielen Fehler bekannt – auf ihrer Seite könnten die Leser dagegen sicher sein, dass alle Texte Unsinn sind.

Die Macher von Wikipedia sind über die Spott-Projekte nicht sauer: „Im Gegenteil“, sagt Sprecher Arne Klempert in Königstein im Taunus – „wenn das hilft, dass die Leute kritischer werden, lassen wir uns gern auf den Arm nehmen.“ Spaßlexika boomen. Allein unter der Adresse www.wikia.com sind 5500 Mitmach-Lexika in mehr als 70 Sprachen zu finden, so der Anbieter von Downloads für Spaß-Seiten im Wikipedia-Outfit.

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