Fußball: Regionalliga Bayern

Würzburger Niederlage in Illertissen

Haltungsnote eins: Kickers-Akteur Ricardo Borba (rechts) im Zweikampf mit Illertissens Eduard Thommy.
Foto: Frank Kranewitter | Haltungsnote eins: Kickers-Akteur Ricardo Borba (rechts) im Zweikampf mit Illertissens Eduard Thommy.

Das Vöhlin-Stadion in Illertissen, benannt nach jenem Adelsgeschlecht dessen Schloss über der Stadt thront, ist sicherlich nicht die stimmungsvollste Regionalliga-Spielstätte. Das Sportheim versprüht den Charme einer Schwimmbad-Gaststätte. Das örtliche Spaßbad „Nautila“ liegt ja auch in direkter Nachbarschaft. 210 Zuschauer verloren sich am Dienstag auf der weitläufigen Anlage. Am Eingang aber hatten sie ganz stolz an einen kahlen Betonpfosten die aktuelle Regionalliga-Tabelle genagelt. Nach dem Sieg gegen die Kickers steht der FVI nun wieder ganz oben im Tableau. Die vor der Saison aus dem baden-württembergischen Fußball-Asyl nach Bayern gewechselten Schwaben sind in dieser Premieren-Spielzeit der neuen weiß-blauen vierten Liga gewiss die größte Überraschung.

Es war der erste Sieg des Herbst- und Wintermeisters der Liga im Jahr 2013. Nachdem die Illertissener darauf verzichtet hatten, einen Lizenzantrag für die Dritte Liga zu stellen, hatte mancher schon vermutet, die Mannschaft habe ihren Biss verloren. Nur ein Punkt aus den beiden Partien gegen die oberfränkischen Abstiegskandidaten aus Hof und Bamberg schien der Beweis.

Dass die Kickers nicht auf nachlässige Gastgeber hoffen konnten, wurde aber bereits in den ersten Minuten deutlich. Wie am Schnürchen rollte der Ball da durch die Reihen der blau-weißen aus dem Illertal und in der sechsten Minute musste Rothosen-Kapitän Daniel Tsiflidis auch schon zum ersten Mal hinter sich greifen. Vor allem die rechte Abwehrseite der Kickers, die wie schon beim Sieg in Eltersdorf von Jens Trunk besetzt wurde, schienen die Illertissener als Schwachstelle ausgemacht zu haben. Auch das Führungstor der Hausherren fiel über die linke Angriffsseite, als Lukas Kling urplötzlich alleine vor dem Tor stand und zum 1:0 einnetzte. „Wir sind da etwas überrumpelt worden“, gab Kickers-Coach Dieter Wirsching hernach zu: „Aber Jens hat recht schnell verstanden, wo der Fehler lag und insgesamt ein gutes Spiel gemacht.“ Tatsächlich hatten die Würzburger recht schnell die Abwehrlücken geschlossen.

Und die bekannte Kickers-Stärke bei Standardsituationen führte zum Ausgleich durch Christopher Bieber (38.), der nach einem Freistoß und reichlich Durcheinander im FV-Strafraum den Ball aus kurzer Distanz in echter Torjägermanier ins Gehäuse bugsierte.

Das Spiel begann von vorne und die Rothosen waren nun am Drücker: Cristian Dan (39.), Manuel Duhnke (39.) und Joseph Mensah (41.) hatte gute Chancen. Doch ausgerechnet in der Kickers-Drangperiode vor der Pause fiel Illertissens zweites Tor, als der bärenstarke FVI-Angreifer Andreas Hindelang, der im Winter aus der dritten Schweizer Liga ins Illertal gewechselt war, bei einem Konter plötzlich alleine auf Kickers-Keper Tsiflidis zulief. „Da waren wir einfach zu grün“, ärgerte sich Wirsching: „In dieser Situation müssen wir den Konter mit einem Foul unterbinden. Die Illertissener haben unseren Spielfluss immer wieder mit kleinen Fouls unterbrochen.“

Nach dem Seitenwechsel wogte die Partie munter hin und her. Auf Illertissener Seite erzielte Marc Hämmerle ein ebenso fein herausgespieltes Tor zum 3:1 (61.), wie kurz darauf Kickers-Stratege Manuel Duhnke nach klasse Vorarbeit von Christopher Bieber zum 2:3-Anschlusstreffer (64.).

„Ein richtig gutes Regionalligaspiel war das“, fand nicht nur FVI-Trainer Holger Bachthaler. Dass dessen Team am Ende nach Toren vorne lag, hatte nach Ansicht von Kickers-Coach Wirsching auch etwas mit dem Schiedsrichtergespann zu tun. „Eine sehr schwache Leistung“, attestierte Wirsching Christian Dietz (Kronach) und seinen Mannen: „Beim ersten Illertissener Tor stand ein Mann im passiven Abseits. Das zweite Gegentor war sicher Abseits. Außerdem wurde uns ein Handelfmeter verwehrt“, zählte er auf. Knapp waren diese Entscheidungen sicher, eindeutig falsch aber nicht. Als Rückschlag wollte Wirsching die Niederlage für sein Team nicht bewertet wissen: „Wenn wir so spielen, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn wir noch einmal ganz hinten hinein rutschen.“

Die Statistik des Spiels

FV Illertissen – FC Würzburger Kickers 3:2 (2:1)

Illertissen: Röch – Böck, Klar, Strahler, Thommy – Peruzzi (90. Hornung), L. Kling (81. Morina), F. Kling, Hämmerle, Rinke (75. Passer), Hindelang.

Würzburg: Tsiflidis – Trunk, Donaldson, Sonnenberger, Murphy – Mensah – Borba, Duhnke, F. Wirsching (80. Azizi) – Dan (53. Ramaj), Bieber.

Tore: 1:0 L. Kling (6.), 1:1 Bieber (38.), 2:1 Hindelang (43.), 3:1 Hämmerle (61.), 3:2 Duhnke (64.).

Gelb: Hindelang, Peruzzi – Tsiflidis, Sonnenberer, Dan, Azizi.

Schiedsrichter: Dietz (Kronach). Zuschauer: 210.

ONLINE-TIPP

Eine Bilderserie vom Auswärtsauftritt der Kickers in Illertissen finden Sie im Internet unter www.mainpost.de

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