BAD KISSINGEN

100 Jahre Wandelhalle: Prachtstück aus Beton

Kissingen steht vor wichtigen architektonischen Geburtstagen,

Max Littmanns seinerzeit höchst fortschrittlicher Bau macht den Anfang.

Fotoserie

100 Jahre Wandelhalle

zur Fotoansicht
Auf der Sonnenseite: Max Littmanns damals gerade eröffnete Wandelhalle auf einer 1911 abgeschickten Postkarte, aufgenomm... Foto: Fotos und Postkarte: private Sammlungen

Wahrscheinlich wissen die Kissinger gar nicht richtig zu würdigen, welch einzigartige Architektur sie in ihrem Kurgarten herumstehen haben. Eigentlich darf man ihnen das aber auch gar nicht übel nehmen. Wer Arkadenbau, Regentenbau und Wandelhalle jeden Tag sieht, betrachtet sie mit der Zeit notgedrungen als alltäglich.

In den nächsten Wochen und voraussichtlich noch viel mehr im Jahre 2013 werden die Kissinger dennoch öfter ihren Blick heben, wenn sie durch die Kurhausstraße oder über die Ludwigsbrücke gehen. Es stehen bedeutende Jubiläen an. Wandelhalle und Regentenbau werden 100.

Den Vortritt hat die Wandelhalle. Sie ist Jahrgang 1911. Der Öffentlichkeit förmlich zur Nutzung übergeben wurde sie am 1. Mai besagten Jahres mit vergleichsweise wenig Pomp. Der Regentenbau folgte zwei Jahre später. Erst da haben Bad Kissingen und das Königreich Bayern die Werke des Münchner Architekten Max Littmann dann königlich gefeiert.

Dass der Arkadenbau, der übrigens 2013 bereits 175. Geburtstag feiert, vor 100 Jahren dringend der Ergänzung bedurfte, lag am steten Aufschwung, den Kissingen in den Jahrzehnten davor genommen hatte. Die von König Ludwig I. und seinem Architekten Friedrich von Gärtner hinterlassenen Kuranlagen „waren der stark gestiegenen Gästezahl in der Zeit um 1900 nicht mehr gewachsen“, heißt es im Kissingen-Band der Reihe Denkmäler in Bayern.

Für die neue Wandelhalle mussten Vorgängerbauten weichen. Friedrich von Gärtners für seine Zeit fortschrittliche gusseiserne Brunnenhalle von 1842 verschwand um 1909 herum, ebenso die 1895 angefügte gusseiserne Wandelbahn.

Ersetzt wurden sie durch einen basilikalen Hallenbau, der laut Denkmalpflege technisch seinerzeit ebenfalls höchst fortschrittlich war. Die Wandelhalle und die dazugehörige Brunnenhalle entstanden in Eisenbeton-Bauweise. Der Band über die Denkmalbauten in Kissingen rühmt Littmann nicht nur dafür. Bemerkenswerten seien auch seine technische Leistung bei der äußerst problematischen Gründung, die wirtschaftliche Bauweise und die „erstaunlich kurze Bauzeit“.

Von acht Monaten Dauer ist in Publikationen aus der Zeit die Rede. An dem insgesamt 700 000 Mark teuren Bau seien 400 Arbeiter beteiligt gewesen. Erhalten haben die Kissinger nach Angaben der Stadt Bad Kissingen die größte Wandelhalle Europas. Insgesamt sei das Gebäude 90 Meter lang. Seine Gesamtfläche betrage 3282 Quadratmeter.

Zeitgenossen: „Genialer Schöpfer“

Zeitgenossen der Eröffnung wussten bereits zu würdigen, was Littmann mit der Wandelhalle geschaffen hatte. Im Würzburger Generalanzeiger hieß es: „Bewunderung verdient dieses Prachtstück der Architektur (...) und Staunen stellt sich wohl bei jedem ein, der zum ersten Male die großartige, in so kurzer Frist und unter vielen Schwierigkeiten mit kolossalen Kosten (...) geschaffene Halle sieht.“ Die Saale-Zeitung schrieb, „der geniale Schöpfer der Wandelhalle“ habe „für Kissingen ein Werk von bleibender großer Bedeutung geschaffen“.

Begangen wird der 100. Geburtstag der Wandelhalle übrigens nicht exakt 100 Jahre nach der förmlichen Eröffnung. Der Festakt ist für 8. Mai geplant.


Noch nicht so glänzend wie heute: Blick in die Brunnenhalle während der Bauzeit.
Fortschrittliche Bauweise: Die Wandelhalle entstand in Eisenbeton.
Ein Verlust: Friedrich von Gärtners eiserner Pavillon musste vor 100 Jahren für die Neubauten weichen.
Schnell und wirtschaftlich: Architekt Littmann wird auch für seine ökonomische Bauweise gerühmt.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte vorher an.

Anmelden

Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich hier registrieren.